Wolken vor der Konjunktur-Sonne: Unternehmen fürchten den Fachkräftemangel

Andreas Kopton, Präsident der IHK, erregt sich vor allem am Umgang mit ausbildungswilligen Flüchtlingen.

Die schwäbische Wirtschaft wächst und wächst. Das bestätigt einmal mehr die Konjunkturumfrage der Industrie und Handelskammer (IHK) Schwaben. Doch auch ein altbekanntes Problem legt die Befragung offen: Für den Fachkräftemangel ist noch immer keine Lösung gefunden.

"Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Konjunktur läuft ungehemmt weiter", beginnt IHK-Präsident Andreas Kopton seine Einschätzung zur aktuellen Umfrage unter den schwäbischen Unternehmen. 60 Prozent beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut - ein Höchstwert seit der Jahrtausendwende, wie Kopton erfreut vermeldet. Inlands- und Auslandsgeschäfte lägen mittlerweile gleich auf. "Wir sind im Moment spitze."

Fachkräftemängel bereitet Unternehmen am meisten Sorgen

Eigentlich könnte damit seine Stellungnahme auch schon enden, wäre da nicht ein Thema, das den IHK-Präsident zu Gefühlsausbrüchen auch mitten in einer Pressekonferenz treibt. Es geht um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt - eine von vielen Gegenmaßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Denn auch das hat die Umfrage gezeigt: Nicht die angedrohten Schutzzölle Donald Trumps, nicht der Brexit, nicht die instabile Lage Italiens bereiten den Unternehmen das meiste Kopfzerbrechen.
Auf Platz eins der befürchteten Risiken in der Zukunft thront jetzt der Fachkräftemangel. Und das überrascht nicht, angesichts der Beschäftigungspläne. In der Industrie wollen ein Viertel der Unternehmen mehr Beschäftigte einstellen. "Ein Wunsch, der allerdings auf die harte Realität eines knappen Angebotes auf dem Arbeitsmarkt trifft", so Kopton.

Enttäuschung über "3+2"-Regelung

Und in dieser Situation ärgert sich der IHK-Präsident richtig, dass in Bayern die "3+2"-Regelung regelmäßig unterlaufen wird. Zur Erinnerung: Unternehmen nehmen geeignete Flüchtlinge in Ausbildung für drei Jahre und haben die Garantie, dass die Ausgebildeten für mindestens zwei weitere Jahre Bleiberecht haben. Doch bis der Ausbildungsvertrag gültig ist, greift diese Regelung nicht, heißt in der Praxis: Die betreffenden Flüchtlinge können und wurden aus Bayern abgeschoben - und das auch mit unterzeichnetem Lehrvertrag. Denn: Laut Gesetz sei der erst drei Monate vor Ausbildungsbeginn gültig.

"Aber welches Unternehmen schließt die Verträge erst drei Monate vorher?", ereifert sich Kopton. Normalerweise habe das Ausbildungsverhältnis eher ein Jahr Vorlauf. Was der IHK-Präsident daran schon gar nicht verstehen kann, ist der Zeitpunkt der Abschiebung. Die Flüchtlinge würden entsprechende Klassen besuchen, die sie auf eine Ausbildung vorbereiten sollen - zwei Jahre lang. Doch in dieser Zeit sei das Innenministerium nicht in der Lage festzustellen, ob jemand bleiben dürfe oder nicht.

Diese Praxis trage nicht dazu bei, dass Unternehmen weiter bereit sind, Flüchtlinge in ihr Ausbildungsprogramm aufzunehmen, warnt Kopton.

Afghanen "sind oft willig und oft ausgebildet"

Und dann ist da noch die Afghanistan-Frage: Abgesehen von der politischen Situation in diesem Land, auf die der IHK-Präsident gar nicht erst eingehen will, stört Kopton an den Abschiebungen speziell von Afghanen, dass die Unternehmen besonders mit Flüchtlingen aus Afghanistan gute Erfahrungen gemacht hätten. "Das sind keine Analphabeten, sie sind willig und sind oft ausgebildet", zählt der IHK-Präsident auf. Und daher will Kopton in dieser Frage nicht locker lassen. Es liefen weiter Gespräche mit dem Innenministerium. Das wiederum würde laut Kopton die Gespräche gerne beenden, "wir hören aber nicht auf", verspricht der IHK-Präsident.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Freilich ist Integration von Flüchtlingen nur ein Baustein im Wirken gegen den Fachkräftemangel. Die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei ein weiteres Mittel, um Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt zu bringen, wie Peter Lintner, der Leiter der Geschäftsfelder Standort und Monitoring der IHK, ausführt. Hier könne die Kammer "Best-Practice"-Beispiele unter den einzelnen Unternehmen austauschen. Und die IHK könne gerade kleine Unternehmen dabei unterstützen, für die Attraktivität einer Lehre zu werben - und attraktiv ist die Arbeit in den Unternehmen aus dem Bereich der IHK allemal. Schließlich blicken 31 Prozent mit der Hoffnung in die Zukunft, dass es sogar noch besser wird, als es schon ist.
(Von Markus Höck)
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