Zwei Millionen Euro für den Zoo: Braucht Augsburg Elefanten?

Mit den Elefanten ist auch deren Gehege in die Jahre gekommen. (Foto: Archiv)
 
Die Elefanten im Augsburger Zoo brauchen dringend eine neue Anlage. Die Stadt will sich mit zwei Millionen Euro an den sechs Millionen Euro Gesamtkosten beteiligen. Foto: Architekten Mikolajczyk, Keßler & Kirsten

Die Elefanten im Zoo benötigen dringend ein neues Heim. Die Stadt will einen Teil der Kosten übernehmen. Ein Streit über Tierhaltung, Umweltkonzepte und die Frage, was Augsburg wirklich braucht.

Das Elefantenhaus im Augsburger Zoo ist in einem miserablen Zustand. Die Anforderungen der Haltungsvorschriften erfüllt die Anlage schon lange nicht mehr, ein neues Gehege ist dringend notwendig, wenn es in Augsburg weiterhin Dickhäuter geben soll. Mitunter dünnhäutig wurde am Mittwoch hingegen die Debatte um die Finanzierung geführt.

Über einen Anteil von zwei Millionen Euro stimmten die Stadträte in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses und des Umweltausschusses ab. Einen zusätzlichen Antrag der Grünen, der den Zoo verpflichtet hätte, ein Zukunftskonzept zu erstellen, lehnte die Mehrheit jedoch ab.

Auf Vorwürfe aus dem Gremium, dass es bei diesem Umweltkonzept nur um ideologische Aspekte ginge, reagierte Grünen-Fraktionsvorsitzende Martina Wild angesäuert. Sie finde das "wirklich traurig", resümierte sie.


Braucht Augsburg, was es in München bereits gibt?


Neben der Frage, was denn nun Ideologie ist und was nicht, ging es in der Debatte zudem um nicht weniger als die Identität der Stadt. "Wir sind doch Augsburg", konstatierte Dimitrios Tsantilas - und erhielt dafür Applaus aus dem Plenum. Der CSM-Stadtrat konterte damit den Hinweis von ÖDP-Mann Christian Pettinger, der die Sinnhaftigkeit einer hiesigen Elefantenanlage in Frage stellte, da man ja in 30 Minuten mit dem Zug in München sei. Er frage sich, "ob es sinnvoll ist, genau das gleiche zu machen". Und forderte ein Konzept, um sich von der Nachbarstadt und von Nürnberg abzugrenzen.

Zudem sehe er die Großwildtierhaltung kritisch, viel zeitgemäßer seien Streichelzoos. Der direkte Kontakt mit den Tieren sei für seine drei Kinder immer die große Attraktion gewesen. Dem hielt Margarete Heinrich entgegen: "Meine Kinder hatten immer das größte Interesse an Elefanten." Ein Umweltkonzept sei "ganzheitlich für Augsburg" notwendig und habe in dieser Abstimmung daher nichts zu suchen, sagte die SPD-Rätin. Ihr Parteikollege Stefan Quark sah dies ähnlich und betonte: "Wir haben im Zoo einiges an Geld zu investieren, um ihn auf diesem Stand zu halten. Das ist wichtig für diese Stadt."

Ein Umweltkonzept sei "Sache des Umweltreferats", sagte CSU-Rätin Claudia Haselmeier. Der Zoo solle nicht in die Situation gebracht werden, "sich zu verzetteln." Denn Arbeit hat Zoodirektorin Barbara Jantschke nun ohnehin genug: Um das neue Gehege zu finanzieren, will der Tierpark 500.000 Euro selbst stemmen. 1,5 Millionen Euro erhofft sich der Zoo aus Spenden und zwei Millionen sollen über einen Kredit finanziert werden. Die restlichen zwei Millionen soll die Stadt zuschießen. Was die Spenden angehe, sei sie guter Dinge, erklärte Jantschke im Ausschuss. Rund 216.000 Euro seien bisher eingegangen. Weil vom Stadtrat noch kein Beschluss über das Finanzierungskonzept vorliege, habe sie bisher aber noch nicht an Firmen herantreten können. Davon erhoffe sie sich noch "ganz andere Möglichkeiten, um Spenden zu erhalten".

Dass der Zoo bereits zu einem großen Teil Umweltbildung mache, betonte abschließend Umweltreferent Reiner Erben. "Ein Zoo ist schon lange nicht mehr ein reines Ausstellen von Tieren." Ein Umweltkonzept für die ganze Stadt werde derzeit in seinem Referat erstellt.

Gegen sechs Stimmen sprach sich der Gemeinsame Ausschuss schließlich dafür aus, die zwei Millionen Euro zu übernehmen. Am kommenden Donnerstag hat der Stadtrat das letzte Wort.

Weitere Infos und das Spendenkonto gibt es unter www.elefant.zoo-augsburg.de/spenden
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.