AEV: Mit Shutout an die Spitze

Oberwasser für den AEV: Thomas Holzmann ringt Nürnbergs Philippe Dupuis nieder
 
"Spitzenreiter, Spitzenreiter! Hey! Hey!"
Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion |

Mit einer überzeugenden Leistung rächen sich die Panther fürs Viertelfinal-Aus: Mit einem 4:0 im „Game eight“ stürzen sie Spitzenreiter Nürnberg und erobern selbst den Platz an der Sonne. Vor allem im ersten Drittel zelebrierte der AEV Eishockey wie aus dem Lehrbuch, danach versuchten die Nürnberger mit Härte ins Spiel zu kommen – aber auch hier versagten die fränkischen Hünen. Einziges Manko: Dieser Sieg gelang nicht im "Game seven" des Viertelfinales.


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Jonathan Boutin, der am vergangenen Wochenende verletzungsbedingt geschont wurde, war wieder fit, nahm aber auf der Bank Platz – Mike Stewart schenkte wieder Ben Meisner das Vertrauen. Zunächst hatte der Goalie kaum Möglichkeiten dieses zurückzuzahlen, denn Nürnberg schaffte es kaum vor sein Tor: Im ersten Drittel ging es fast ausschließlich Richtung Andreas Jenike, der nach knapp zwei Minuten das erste Mal hinter sich greifen musste: Thomas Holzmann durfte unbedrängt ins Drittel fahren, bremste kurz und zog ab. Kurz darauf hätte er nachlegen können, aber jetzt wehrte der Tiger-Goalie ab.

Quirliges Augsburg, hüftsteifes Nürnberg

Dem AEV sah man an, dass er heiß war, das knappe Ausscheiden im Viertelfinale schnell vergessen zu machen: Aggressives Forechecking, wobei kein Puck verloren gegeben wurde, und dementsprechend oft zurückerobert. Den großen Verteidigern wurden Knoten in die langen Beine gespielt, Nürnberg war immer mindestens einen Schritt zu langsam, spielte unter Druck ungenaue Pässe en masse und sah sich dementsprechend oft im eigenen Drittel einem quirligen AEV gegenüber, bei dem die schnellen und präzisen Pässe Publikum und Gegner überraschten.

Während der Playoff-Serie hieß es aus Franken immer, Augsburg wäre nie so weit gekommen, wenn Milan Jurcina nicht verletzt ausgefallen wäre – mit dem großen Slowaken wäre nach spätestens fünf Spielen Schluss gewesen. In der Form vom Freitagabend: Stimmt, wäre der ungelenke Riese im März im Kader gewesen, hätten die IceTigers mit Glück ein Spiel gewonnen und wären schnell ausgeschieden. Aber es gab einen noch schlimmeren Ausfall bei den IceTigers: Thomas Gilbert landete aufgrund von 655 NHL-Spielen mit einigen Vorschusslorbeeren in Nürnberg, aber die DEL und vor allem der AEV sind ihm momentan eindeutig ein wenig zu schnell. Hätte Andreas Jenike nicht im Lauf der ersten beiden Drittel zur Galaform gefunden, die Franken wären wohl zweistellig gedemütigt worden.

Powerplay á la UdSSR

So fielen im ersten Abschnitt nur zwei weitere Tore: In der siebten Minute sah Mark Cundari den weit entfernten Matt White, der legte zurück auf Mike Davis und der kleine Stürmer ließ die weißen Riesen um sich schrumpfen, versenkte den Puck zum 2:0. Nürnberg wusste sich bald nur durch Fouls zu helfen, und irgendwann wurden diese übertriebenen Härten bestraft. Erst von den Schiedsrichtern und dann vom AEV, der ein Powerplay á la UdSSR aufzog. Es dauerte fünfzig Sekunden, dann zappelte der Puck im Netz – vorangegangen waren mehrere toll herausgespielte vergebene Hochkaräter, bei denen die fränkischen Unterzahlspezialisten staunend Logenplätze inne hatten. Trupp erlöste sie, nach einer weiteren Passstafette zum Zungenschnalzen stand er frei vorm leeren Tor: 3:0 nach 13 Minuten, gefeiert mit Standing Ovations im weiten Rund.

Das einzige Manko des Startabschnitts war die Chancenverwertung: Über eine höhere Führung Augsburgs hätte sich Nürnberg nicht beschweren können.

Nachgelegt wurde erst im Mitteldrittel, und auch hier scheiterten die Panther immer wieder am jetzt glänzend haltenden Jenike, der vor allem während ausgedehnten AEV-Powerplays sein Team etwas im Spiel halten konnte. Die IceTigers versuchten nämlich verstärkt mit Härte die schnellen Panther aus dem Spielrhythmus zu bringen, bis auf einen Pfostenschuss von Pföderl brachten sie jedoch kaum etwas zustande, aber Ben Meisner konnte jetzt wenigstens ein paar Mal zeigen was er halten kann. Knapp vier Minuten vor Drittelende klappte das Augsburger Überzahlspiel wieder: Matt White, der sich kurz vorher mit dem über einen Kopf größeren Jurcina angelegt hatte, bediente von hinter dem Tor Trevor Parkes und Augsburgs Topscorer traf zum fünften Mal im fünften Spiel.

Im Schussabschnitt hatte Nürnberg den Torhüter getauscht, statt Jenike stand jetzt Treutle im Tor. Große Impulse setzte dieser Tausch nicht. Zwar drückten die Franken jetzt etwas mehr, begünstigt durch ein frühes Powerplay, aber Ben Meisner parierte alle brenzligen Situationen. Mike Stewart ließ sein Team jetzt defensiver spielen, um durch Konter zu weiteren Toren zu kommen. Dadurch kam der Gegner zu Chancen, verzweifelte jedoch an Meisner und schien sich letztlich mit der Niederlage abgefunden zu haben. Ein paar Schüsse hielt Ben Meisner noch, dann ließ er sich für den Shut-out feiern.

Als Spitzenreiter zu den Kölner Haien

Vor der Ehrenrunde nach dem Spiel brandete dann ein ganz spezieller Jubel auf, denn die Stadionregie blendete die Tabelle ein: Platz 1 – Augsburger Panther!

Der frische Spitzenreiter muss am Sonntag bei den Kölner Haien antreten (Spielbeginn 16:30 Uhr), am kommenden Freitag stellen sich die Iserlohn Roosters im Curt-Frenzel-Stadion vor. Puck-drop ist wie immer freitags um 19:30 Uhr.
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