AEV: Niederlage nach Old School Fight gegen Dynamo Ostberlin

Fünf Berliner gegen Trevor Parkes (liegend) und Matt White.
 
Gleich bebt das ausverkaufte Haus: Scott Valentine vor dem Anschlusstreffer.
Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion |

Früher hätten die Berliner angesichts des Winterwetters wohl schon auf der Hinfahrt gebibbert, seit der Einhausung des Eisstadions fällt dieser Vorteil flach, auch das Curt-Frenzel-Stadion ist wohltemperiert. Der Schneeregen im Kragen und gefrorener Bierschaum gehen kaum einem Fan ab, Wunderkerzen vor dem Spiel wären aber schon sehr schön. Leider gab es dafür auch für die Retro-Nächte keine Ausnahmegenehmigung vom Ordnungsamt, trotzdem sorgte das ausverkaufte Haus für eine tolle Atmosphäre und sah einen sich heftig wehrenden Underdog: Das zweite Retro-Spiel des AEV hatte alles was Eishockey zum coolsten Sport der Welt macht – nur die zweitbeste Mannschaft der DDR hatte etwas dagegen, dass die Party in Verlängerung ging: Der EHC Dynamo Ostberlin gewann sein Gastspiel am Schleifgraben mit 4:2, entscheidend beteiligt waren der dreifache Torschütze Sean Backman und Torhüter Petri Vehanen.

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Der AEV startet gut…

Der Vorzeigeclub des sogenannten Sozialismus hatte nach vier für seine Verhältnisse enttäuschenden Jahren finanziell und vom Input her noch einmal nachgelegt, lässt sich jetzt nicht nur vom Kapitalisten Anschutz aushalten, sondern greift auch auf Know How und Spielermaterial der Monarchisten von den LA Kings zurück: von Ontario Reign, dem Farmteam der Kings, kam Sean Backman, der aktuell beste Torschütze der DEL, und Coach Uwe Krupp bekommt beratende Unterstützung aus der NHL. Nicht zu Unrecht liefern sich die Hauptstädter nach den kargen Zeiten mit München und Nürnberg einen Dreikampf um die Tabellenführung. Der AEV dagegen kämpft sich langsam wieder an die Playoff-Plätze ran und ging als eindeutiger Underdog in dieses Spiel.

… aber Dynamo trifft

Trotzdem hatte Berlin schon beim ersten Schuss des Spiels Riesendusel, als Trevor Parkes zwar Torwart Vehanen tunnelte, aber am langen Pfosten scheiterte. Das blieb nicht der einzige Hochkaräter im ersten Drittel, aber Petri Vehanen zeigte nach dem anfänglichen Glück tolle Paraden. Sein Gegenüber Olivier Roy – für ihn musste TJ Trevelyan als überzähliger Ausländer auf die Tribüne – war der bessere Goalie an diesem Abend, gegen Sean Backman, mit 38 Punkten in 37 Spielen Topscorer der Berliner, hatte er nach gut sieben Minuten keine Chance: In der neutralen Zone hatte Berlin Scheibenglück, Sheppard preschte rechts ins AEV-Drittel, passte zu Backman in die Mitte und der überwand Roy mit einem Onetimer, der über der Schulter einschlug. Berlin ließ sich nicht wie die Schwenninger im ersten Retro-Spiel auf Zweikämpfe an der Bande ein, sondern kombinierte schnell von hinten raus bis ins Angriffsdrittel; erst dort war meistens Endstation, weil Augsburgs Verteidiger die Hauptstädter letztlich gut abdrängten und meistens vom Torschuss abhalten konnten. Was durchkam war Roys Beute.

Dieses Spiel konnten die Berliner im Mitteldrittel noch verbessern, jetzt setzten sie sich auch länger vor Roy fest. Der Neuzugang im Tor zeigte seine Klasse, ließ alle Berliner verzweifeln – bis auf Backman. Der AEV hatte gerade die erste Unterzahl des Spiels bravourös gekillt, bei einem Break von Parkes selbst eine große Chance auf den Ausgleich gehabt, als aber Arvids Rekis wieder mitspielen durfte nutzte Backman eine Verwirrung vor Roy aus und zirkelte den Puck unter die Latte, der Retro-Würfel zeigte nur noch 12 Sekunden bis zur Pause.

Valentines 1:2 lässt den Schleifgraben beben

Nach Spielanteilen war das 2:0 nach vierzig Minuten verdient, auch wenn Augsburg vom Kampf und den besseren Chancen her ebenbürtig war. Jetzt, als Augsburg mehr Risiko gehen musste, ergaben sich endlich wieder Chancen für die Schwaben, die allesamt von Vehanen zunichte gemacht wurden - bis zur 45. Minute: Evan Trupp zockte durchs Angriffsdrittel, legte den Puck zurück auf Scott Valentine: Der frenetisch bejubelte Anschlusstreffer durch den Defender, der Druck des AEV hatte sich bezahlt gemacht. Angepeitscht vom jetzt noch lauteren Publikum versuchte man gleich nachzulegen, wurde jedoch von den Schiedsrichtern gestoppt: Torschütze Valentine musste sich in die Kühlbox neben Kultstadionsprecher Horst Müller begeben, der kurz darauf den dritten Treffer der Hauptstädter verkünden musste: Jamie MacQueen netzte kurz nach Ablauf des Powerplays ein, die Hauptstädter hatten wieder gegen den vom Penaltykilling abgekämpften AEV einfach weitergespielt als wären sie einer mehr.

Die Vorentscheidung: Backmans Hattrick

Der AEV gab vor ausverkauftem Haus nie auf: Stielers Schuss traf die Latte, Lambs Hammer von der Blauen versackte im Gewühl vor Vehanen, aber die Hoffnung auf Punkte schmolz nach Backmans drittem Treffer in der 52. Minute. Petersen hatte in die Mitte gepasst, und wieder zog Berlins Toptorschütze sofort ab, Roy war chancenlos. Zwar ließ Trevor Parkes Penalty noch einmal Offenbachs „Can Can“ erklingen, aber nach diesem 2:4 blieben Augsburg nur noch vier Minuten, die der frühere Club der Staatssicherheit routiniert von der Uhr spielte.

Chancen auf Punkte hat der AEV wieder am Samstag in Ingolstadt (Spielbeginn beim ERCI ist um 16:30 Uhr) und im neuen Jahr, das nächste Heimspiel findet am 3. Januar um 19:30 Uhr gegen den REV Bremerhaven statt.

Hinweis: Bei der Erstellung dieses Retro-Berichts wurden keine Tiere gequält oder getötet, auch auf die Verwendung von Tiernamen wurde bewusst verzichtet.
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1 Kommentar
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Rene Hänel aus Spalt | 29.12.2017 | 20:29  
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