AEV-„Reset“ – Klappt der Umbruch?

Die Augsburger Panther haben ihre Generalprobe vermasselt: Nur zwei Punkte holte er am Wochenende gegen zwei Zweitligisten. Zeit für eine Kaderanalyse und die Frage: Ist der AEV bereit für den großen Umbruch?


Zum Ende der Vorbereitung auf die am Freitag gegen Krefeld beginnende Saison stand für das umgekrempelte AEV-Team am Freitag das zweite Heim-Testspiel auf dem Programm, am Sonntag das letzte Vorbereitungsspiel beim Kooperationspartner Ravensburg. Gegen den ambitionierten Zweitligisten Frankfurt Lions – die Hessen beendeten die Saison der DEL2 auf Platz 4 und schieden knapp gegen Bremerhaven im Playoff-Halbfinale aus – wechselten sich Licht und Schatten ab, erst in der Verlängerung gelang Aleksander Polaczek der Siegtreffer zum 5:4 für die Panther. Die letzte Generalprobe in Oberschwaben misslang völlig: Trotz 1:0-Führung durch Drew LeBlanc verlor der AEV mit 1:3 bei den Ravensburg Towerstars.

Knapper Sieg gegen Frankfurt - Niederlage in Ravensburg


Man sah dem Team schon zu Spielbeginn das kräftezehrende Training der vergangenen Wochen an, und auch dass durch Ausfälle – neben T.J. Trevelyan (fehlt bis zu sechs Wochen nach Daumenbruch), Arvids Rekis (verpasst nach Schulterverletzung wohl den Saisonstart) und Jon Matsumoto (ist trotz Fingerbruchs zum Saisonstart gegen Krefeld wahrscheinlich wieder einsatzbereit) fehlte gegen die Lions auch Thomas Holzmann – die Reihen neu zusammengewürfelt werden mussten, trug nicht zum Spielfluss bei. Frankfurt hatte sich anders aufs Gastspiel vorbereitet und drängte von Beginn an mit schnellen Spielzügen vors AEV-Tor, mit der Folge des schön herausgespielten 0:1 nach knapp fünf Minuten. Ivan Ciernik konnte zwar kurz darauf ausgleichen, aber Frankfurt kam immer wieder gefährlich vors Tor von Jeff Deslauriers.

Zwar wurde ein Powerplay-Tor erzielt, aber das Spiel mit einem Mann mehr sah lang nicht mehr so gut aus wie gegen Thurgau, die Unterzahl dagegen funktionierte - Mark Mancari gelang sogar ein Shorthander. Bei fünf gegen fünf sahen die Hessen meistens besser aus als die Schwaben, die erst in der Verlängerung gewinnen konnten: Aleksander Polaczek krönte eine gute Leistung mit seinem zweiten Tor in der 61. Minute.

Bei den Ravensburg Towerstars ging der AEV zwar durch Drew LeBlanc in Führung, verlor trotzdem verdient mit 1:3 gegen den mit vielen ehemaligen Augsburgern gespickten Kooperationspartner, u.a. schoss der während der vergangenen Saison abgegebene Carciola den Ausgleich.

Die Goalies


Der Neuzugang im Tor, Jeff Deslauries, hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er Chris Mason ersetzen kann, der letzte Saison die in ihn gesetzten hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. In den Testspielen agierte er solide, die Schlussphase gegen Frankfurt zeigte jedoch, dass er trotz seiner schnellen Beine manchmal zu leichten Fehlern neigt, nach dem dritten Gegentor sah man ihm die Unsicherheit an. Ungewohnt: Der Kanadier fängt die Pucks rechts, was für Fans – die jahrelang Linksfänger gewohnt waren – auf den ersten Blick seltsam erscheint, aber auch gegnerische Stürmer verwirrt.

Back-up Benjamin Meisner stand bisher nur auswärts im Tor, an der Niederlage in Olten (2:3 nach Verlängerung) traf ihn keine Schuld, beim ersten Tor in Ravensburg sah er schlecht aus, ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen - und Trainer Mike Stewart weiß, was er an ihm hat: Meisner führte Stewarts Bremerhaven im April bis ins Zweitliga-Finale. Der junge Josef Lala – Sohn des tschechischen Ausnahmestürmers Jiri Lala – soll beim Kooperationspartner Ravensburg erste Profiluft schnuppern.

Die Verteidigung


Arvids Rekis‘ Können ist unbestritten, leider konnte er es in der vergangenen Saison kaum zeigen. Im Training unter Stewart und bei den ersten Spielen sah das schon überzeugender aus als zuletzt – aber er fehlt zum Saisonstart aufgrund einer Schulterverletzung. Von Evan Oberg hält Mike Stewart sehr viel, auch im Training überzeugte der Amerikaner – nicht jedoch in den Testspielen, wo man ihm die lange Verletzungspause nach einem Fußbruch im März deutlich ansah.

James Bettauer drängt weiterhin oft in die Offensive, Brady Lamb nimmt häufig auf der Strafbank Platz, und Steffen Tölzer spielt solide. Neuzugang Brett Stamler erfreut die Galerie mit satten Checks, Derek Dinger möchte seine schlechte Saison in Schwenningen vergessen machen und an die Meisterleistung mit Ingolstadt 2013/14 anknüpfen. Und Patrick Kurz? Das Eigengewächs gewann das letzte Testspiel im Trikot des Gegners Ravensburg, wo er die zweite Hälfte der Vorbereitung als Förderlizenzspieler verbrachte.

Der Sturm


T.J. Trevelyan fehlte während fast der kompletten Vorbereitung und fällt weitere Wochen aus, Jon Matsumoto zeigte sein Können in den ersten Spielen, bis auch ihn ein Fingerbruch auf die Tribüne verbannte. Obwohl er zum Saisonstart wahrscheinlich einsatzbereit sein wird, wollen die Panther nachlegen, und einen weiteren Ausländer verpflichten.

Mit den deutschen Stürmern ist der AEV gut aufgestellt, vor allem der frisch eingebürgerte Ivan Ciernik hat seinen Torriecher wiedergefunden, und auch Rückkehrer Aleksander Polaczek überzeugte in der Vorbereitung. Bei Daniel Weiß und Adrian Grygiel wissen die Fans, was sie an ihnen haben: Unermüdliche Arbeiter, bei Grygiel zusätzlich Scorrerqualitäten.

Überzeugt haben auch die jungen Alex Thiel, Hans Detsch und Matt MacKay, die aufgrund der vielen Verletzten mehr Eiszeit bekamen – allerdings war es durch die so erzwungenen Reihenwechsel kaum möglich, sich mit den Partnern einzuspielen. Dieses Manko spürten auch die neuen nordamerikanischen Stürmer: Die Ideen von Center Drew LeBlanc verpufften oft an immer neuen Nebenleuten, Mark Mancari bewies Torinstinkt, ist aber oft langsam im Rückwärtsgang und benötigt schnelle Nebenleute fürs Backchecking, dasselbe gilt für Mike Iggulden.

AEV „Reset“ – so geht’s nicht


Die „neuen“ Panther verbuchten in der Vorbereitung vier Siege und vier Niederlagen – allerdings mit deutlich absteigender Leistung. Wurde am ersten Wochenende noch deutlich gegen Straubing gewonnen und knapp gegen die KHL-Mannschaft von Zagreb sah die DEL-Generalprobe am Wochenende eher schlecht als recht aus.

Nur zwei Punkte gegen zwei Zweitligisten, das erinnert die Fans an die vergangene Saison, die man eigentlich vergessen wollte. Es liegen also noch anstrengende Tage vor Mike Stewart, in denen der Focus aber nicht auf Kondition, sondern Kombination liegen sollte.

Der neue Trainer hat andere Trainingsmethoden als der ewige Larry Mitchell, anstrengendes Zirkeltraining war in den letzten Wochen angesagt. Blöd, dass Schlüsselspieler jetzt schon ausfielen, Thomas Holzmann passte zum Beispiel gut zu Ivan Ciernik und Jon Matsumoto führte seine Reihe bis zum Fingerbruch in der Schweiz gut. Jetzt musste ausprobiert werden, wer mit wem am besten harmoniert – und als Fazit bleibt festzustellen: So funktioniert’s noch nicht.

Sicher ist: Es wird nicht mehr weitgehend körperlos gespielt werden, denn zuletzt ging es dem Team darum, nicht noch mehr Spieler ins Lazarett zu verlieren. Von dort soll Jon Matsumoto zurückkommen, auf Arvids Rekis wird Stewart auch bald wieder zurückgreifen können, und zusätzlich kommt ein weiterer Ausländer. Zum Saisonstart (Freitag 19:30 Uhr gegen Krefeld und am Sonntag beim Vizemeister Ingolstadt) muss Stewart eine funktionierende Mannschaft aufs Eis schicken, die durchwachsenen Tests spielen keine Rolle mehr.

Das Powerplay sah anfangs passabel aus, und auch das Penaltykilling hat weitgehend funktioniert. Kondition für 60 Minuten dürfte im Tank sein, es fehlt noch die Feinabstimmung der Verteidigerpärchen und Sturmreihen. Trotzdem sollten die Fans ein bisschen Geduld mitbringen: Stewarts Teams sind dafür bekannt, im Lauf einer Saison enorm zulegen zu können.
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