AEV: Saisonfazit

Im Schnitt fieberten fast 5000 Zuschauer bei den Heimspielen des AEV mit - und hätten endlich wieder eine Playoffteilnahme verdient gehabt. Sie sahen ein oft unterhaltsam spielendes Team, das leider gerade zuhause nicht so punktete wie erhofft.

Wieder keine Playoffs im Curt-Frenzel-Stadion: Auch im Reset-Jahr nach Larry Mitchells Abgang ging den Augsburger Panthern kurz vor dem Ziel die Puste aus. Woran das lag - waren es die Torhüter, die Verteidiger oder Trainer Mike Stewart? - und warum und wie es nächste Saison doch mal wieder klappen kann behandelt das Saisonfazit von George Stadler.

Unwort des Jahres: Shorthander

Zu Saisonbeginn freuten sich die Fans noch bei sogenannten Shorthandern. Das bedeutet: Ein Team schießt ein Tor bei numerischer Unterlegenheit, also wenn ein Spieler auf der Strafbank sitzt. Das fanden die Fans toll, da das aggressive Unterzahlspiel des AEV für einige Tore bei einem Mann weniger gut war - zusammen mit Schwenningen war Augsburg dabei an der Spitze der Liga, neun Mal wurde in diesen Situationen getroffen. Viel mehr ins Gewicht fielen jedoch die erhaltenen Shorthander. Erst war es oft Verteidiger Evan Oberg, der den Puck verlor oder überlaufen wurde, dann fielen die Gegentore auch bei Puckverlusten von Mark Mancari, der im Powerplay an der Blauen Linie eingesetzt wurde. Von ihm erhoffte man sich einen harten Schlagschuss - immerhin hielt er mal den Rekord für den härtesten Schuss in der AHL - und Akzente im Spielaufbau. Bei letzterem glänzte er oft durch gute Ideen bzw. Pässe, seinen Schuss dagegen setzte er viel zu selten ein - und wenn, dann traf er oft den gegnerischen Verteidiger und leitete damit einen Konter ein. Ergebnis: Viel zu oft ein Shorthander, so dass viele im Curt-Frenzel-Stadion froh sind, dass Mancari sich jetzt den Krefeld Pinguinen anschließen wird und auch Oberg von den Panthern verabschiedet wurde. Insgesamt waren die Special Teams - Über- und Unterzahlformation - ein Grund fürs Verpassen der Playoffs.

Die Torhüter - ein Augsburger Problem seit drei Jahren

Patrick Ehelechner und Chris Mason arbeiten mittlerweile beide für die Presse, Ehelechner berichtet übers deutsche Eishockey im Fernsehen, Mason moderiert im Radio NHL-Spiele. Ihr Trainer in Augsburg, Larry Mitchell, wäre im nachhinein froh gewesen, wenn sie diese Jobs jeweils ein Jahr früher angetreten hätten, denn die inkonstanten Leistungen der beiden waren ein Grund fürs Verpassen der Playoffs in den Saisons 13/14 und 14/15. Letztmals dort vertreten waren die Panther in Ehelechneners erster AEV-Saison, und auch Mike Stewart musste schmerzlich erfahren, wie wichtig ein konstanter Torhüter im Eishockey ist: Trotz toller Offensiv-Leistung - Augsburg führte zwischenzeitlich die Liga an bei den erzielten Treffern - reichte es nicht zum gewünschten Platz 10. Weil Jeff Deslauriers in entscheidenden Momenten patzte, und auch Ben Meisner, die zwischenzeitliche Nummer 1, sein oft beachtliches Niveau nicht über mehrere Spiele halten konnte. Auf der Torhüter-Position besteht also der größte Handlungsbedarf.

Die Verteidiger: Wenn der siebte Mann nach oben rutscht ...

... dann passt etwas nicht. Im Eishockey wird meist mit festen Verteidigerpaaren gespielt, und oft sind das drei feste Pärchen. Für Verletzungen, bei Strafzeiten oder zur Entlastung der Top Six ist ein siebter Mann im Kader, der nicht so oft eingesetzt wird. Beim AEV sollte das Derek Dinger sein, aber der machte Karriere während der Saison, da einige der ersten sechs waren außer Form und entsprechend oft auf der Tribüne saßen: Evan Obergs letzte Saison in der AHL war nach einem Fußbruch im vergangenen März zuende, und es sah so aus, als hätte er sich immer noch nicht zu 100% erholt. Brett Stamler hatte bei den Hamburg Freezers hart gecheckt, nach dem Wechsel nach Augsburg sah man davon nur selten etwas. Und James Bettauer wollte letzten Sommer nach einem tollen Jahr beim AEV in die NHL, entschied sich dann doch zu bleiben - und war eine der größten Enttäuschungen der abgelaufenen Saison. Dass ausgerechnet ihm das letzte entscheidende Eigentor unterlief, im "Schicksalsspiel" gegen Straubing, war die schlechte Pointe einer verkorksten Saison. Ein Ausfall bei den ersten sechs Defendern wäre zu verschmerzen gewesen, dass sich neben Flop Bettauer mit Evan Oberg und Brett Stamler auch noch zwei ausländische Verteidiger wegen wiederholten spielentscheidenden Fehlern immer wieder auf der Tribüne wiederfanden zwang Stewart dazu, mit Derek Dinger die etatmäßige Nummer 7 mit üppiger Eiszeit auszustatten. An der Seite von Bettauer - der wie Dinger als Deutscher keine Ausländerlizenz benötigt - wirkte der Deutsche Meister von 2013 oft überfordert. Da half es nichts, dass Arvids Rekis nach einem schwachen Jahr wieder zu alter Form zurückfand, Brady Lamb meist überzeugte und Steffen Tölzer herausragend spielte: Die Defensive stand zu oft nur Spalier bei gegnerischen Angriffen, verhaspelte sich im gegnerischen Drittel und fehlte dann hinten - Gegentore waren selten so leicht zu erzielen wie 2015/16.

Mike Stewart, der DEL-Novize

Der Trainer war mit Vorschusslorbeeren vorgestellt worden: Er kam als Meister und Vizemeister in der DEL2 mit Bremerhafen, es hieß, er vermittle dem Team viele taktische Varianten, und seine Teams würden im Lauf der Saison immer besser. Aber in der DEL weht ein anderer Wind, und die Vorbereitung im Frühjahr auf den neuen Job war wegen Bremerhafens Finalteilnahme sehr kurz. Trotzdem hat es fast geklappt, und nach sieben Jahren Mitchell-Hockey war man in Augsburg froh, dass der andere Wind ein oft frischer war.

Denn nicht alles war schlecht in der abgelaufenen Saison: Bis drei Spieltage vor Saisonende war die Playoffteilnahme zum Greifen nah, erst das Eigentor in der Schlussminute gegen Straubing zerstörte den Traum. Und mit Kreativspielern wie Drew Leblanc und Jon Matsumoto sah man den Sturm wirbeln wie lange nicht mehr. Mit jetzt mehr Vorbereitungszeit (leider, wegen des frühen Ausscheidens) und einem Stamm an Spielern sind die fehlenden Pünktchen zur Endrunde in der kommenden Saison durchaus drin. Denn es fehlten nicht viele Stellschrauben, die nachgezogen werden müssen. Nur eine Justierung - ein guter Goalie, mehr Verteidiger in Form, bessere Special Teams - hätte gereicht, um bereits im Reset-Jahr Playoffs spielen zu dürfen.
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