Alexander Manninger: "Wir sind gut, sonst wäre Liverpool nicht da!"

Alexander Manninger Foto: Klaus Rainer Krieger

FCA-Torwart Alexander Manninger hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Insgesamt acht Mal spielte er in der englischen Premier League mit dem FC Arsenal gegen den FC Liverpool. Vor dem Europa-League-Highlight des FC Augsburg gegen die "Reds" hat der Routinier alte Geschichten ausgepackt.

Alex, kannst du dich an dein letztes Spiel gegen Liverpool erinnern?

Manninger: Ja, wir haben damals 1:4 verloren.

Sogar 0:4. Weißt du noch, wann das war?

Manninger: Da waren wir schon Meister, also müsste es relativ spät gewesen sein, so Ende April.

Wieder falsch. Das war am 23. Dezember 2000, also nicht in der Meistersaison. Das war das letzte Spiel, in dem du 90 Minuten auf dem Platz gestanden hast.

Manninger: Okay, also erinnere ich mich eher dunkel.

Du hast insgesamt acht Mal mit Arsenal gegen Liverpool gespielt. Vier Mal hast du davon über die gesamte Spielzeit auf dem Platz gestanden. Welche Erinnerungen hast du an die Begegnungen?

Manninger: Ehrlich gesagt, nicht viel Gutes. Im Cup Finale haben wir einmal bis zur kurz vor Schluss 1:0 geführt und dann traf in wenigen Minuten zweimal Michael Owen und wir haben das Spiel noch 1:2 verloren. Da war ich zwar nicht im Tor, aber man muss schon sagen, dass mir Liverpool auf alle Fälle ein Dorn im Auge ist. Die bleiben als starker Gegner in Erinnerung.

Was ist das Besondere am FC Liverpool?

Manninger: Die Geschichte. Der Verein bringt so viel Geschichte mit, wie selten ein anderer Klub. Liverpool gehört einfach zum englischen Fußball und wir spielen jetzt gegen eine der bekanntesten Mannschaften der Welt.

Du hast ja auch mal einen Elfmeter gegen Liverpool gehalten.

Manninger: Das stimmt, das war ein Elfmeter von Michael Owen in Liverpool. Das bleibt natürlich in Erinnerung , gerade gegen diese Mannschaft mit seinen tollen Spielern.

Du kennst dich also gegen Liverpool und im englischen Fußball ganz gut aus. Gibst du da Erfahrungen an deine Mannschaftskollegen weiter?

Manninger: Meine Zeit in England ist jetzt natürlich schon 15 Jahre her, das muss man auch sagen. Aber natürlich habe ich vor meiner Zeit beim FCA in Vereinen gespielt, bei denen man immer international gespielt hat. Den Rhythmus kenne ich also gut und da gebe ich auch gerade den jungen Spielern ein paar Worte mit auf den Weg.

Hast du trotzdem noch Bezugspunkte nach England oder sogar zum Verein Liverpool oder zum Umfeld?

Manninger: Ich hatte natürlich Kollegen, die auch für Liverpool gespielt haben. Aber die Generation, zu der ich noch gehöre, ist ja auch schon bald kurz vor dem Aussterben. (lacht) Deshalb ist da keiner mehr dabei, den ich aktuell zum näheren Umfeld des FC Liverpool zählen würde. Aber ich habe ein paar englische Freunde von damals, kenne die Struktur und den englischen Fußball.

Dann mal Hand aufs Herz: Der FCA steht vor seinem größten Spiel der Vereinsgeschichte. Hättest du dir jemals träumen lassen, dass du im Herbst deiner Karriere nochmals so ein Spiel mitmachen darfst?

Manninger: Nein, absolut nicht. Aber gerade deshalb ist es noch schöner und da quält man sich auch als alter Spieler nochmals besonders, weil man sieht, dass die Mannschaft alles gibt für solche Spiele. Ich finde es wichtig, dass dieses Highlight als Belohnung für unsere Leistungen angesehen wird.

Wie meinst du das genau?

Manninger: Solche Spiele hat man nicht zufällig. Es ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Das ist alles nur möglich durch das Erreichen des fünften Platzes im letzten Jahr und durch die bisherigen Spiele in der Gruppenphase. Wir müssen uns bewusst sein, dass ein solches Spiel nicht einfach so auf uns zukommt, sondern dass wir hart dafür gearbeitet haben. Wir müssen uns selbst bewusst machen, was wir in der kurzen Zeit eigentlich geleistet haben. Das Spiel ist ein Resultat guter Arbeit.

Du hast in deiner langen Karriere für einige Top-Klubs gespielt und hast einige Highlights erlebt. Aber ist das Spiel gegen Liverpool trotzdem eines, dass auch du als eines der absoluten Top-Spiele in deiner Karriere verbuchst?

Manninger: Klar, das nimmt man gerne noch einmal mit! Es motiviert mich und gibt mir Schwung für die nächsten Jahre - falls da noch welche kommen. (lacht)

Du gibst immer 110 Prozent, egal ob auf dem Platz, daneben oder in der Kabine und bist deshalb auch im Mannschaftskreis sehr angesehen. Wie bringst du dich in die Vorbereitung auf das Spiel ein?

Manninger: Wir reden öfter über solche Spiele. Ich glaube, dass die Freude, die Begeisterung zu spüren sein sollte, weil man damit auch auf das Ergebnis Einfluss hat. Man muss über die gesamten 90 Minuten spüren, dass wir das Spiel genießen und genau wissen, worum es geht. Da darf man die Bundesliga auch mal ausblenden und sagen: "Männer, wir sind gut! Sonst wäre Liverpool jetzt nicht da."

Wenn der FCA tatsächlich die nächste Sensation gegen den haushohen Favoriten schaffen sollte, sieht man den 38-jährigen Haudegen Alex Manninger dann noch einmal so richtig ausrasten?

Manninger: Wahrscheinlich ja, weil ich sicher nicht mehr allzu oft solche Hürden wie Liverpool bewältigen darf. Aber bisher reden wir nur von einem "was wäre, wenn..". Wir haben zwei Mal 90 Minuten vor uns, in denen werden wir alles geben, damit uns die Überraschung gelingt. Aber ehrlich gesagt wären mir zwei Siege in der Bundesliga wichtiger. Gegen Liverpool reichen mir schon zwei gute Spiele, vielleicht zwei Unentschieden - und dann trotzdem weiterkommen. (lacht)
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