Alfred Finnbogason: Lausbub mit Torriecher

Alfred Finnbogason hatte in Ingolstadt einen 20-minütigen Kurzauftritt. Er trägt die Rückennummer 27, weil er exakt an seinem 27. Geburtstag nach Augsburg wechselte. Foto: Klaus Rainer Krieger

Wegen Alfred Finnbogason reisten Weinzierl und Reuter einst nach Island. Zu Beginn der Rückserie ist der Wunschstürmer verspätet ein Augsburger geworden – und will es über die Saison hinaus bleiben.

In Reykjavik, dem Geburtsort von Alfred Finnbogason, schlängelt sich eine Straße um einen kleinen Hügel. Auf den ersten Blick erschließt sich einem nicht, wieso diese kleine Erderhebung nicht abgetragen worden ist, um der Straße den Bogen zu ersparen, und sie gerade durch das Wohngebiet laufen zu lassen. Kennt man die Mentalität und das Mythologieverständnis der Isländer, lässt sich das Rätsel jedoch leicht erklären. Der grasbewachsene Hügel gilt als Behausung eines Trolls – und die macht man freilich nicht einfach platt und teert sie zu.

Nicht nur wegen kleiner Legenden wie dieser ist Island eine einzigartige Insel. Seit 2013 ist das Eiland mit seinen fast unaussprechlichen Ortsbezeichnungen um eine Anekdote reicher. Diese Sage rankt sich jedoch nicht um Trolle oder andere Märchenwesen – sie handelt von einem Augsburger Fußballtrainer und einem Sportchef. Auch spielt sie nicht in einer fernen Zeit, sondern im Jahr 2013. Das Geheimnis um diese Geschichte hat eben jener Alfred Finnbogason während seiner Vorstellung in den Katakomben der Augsburger Arena gelüftet.

Damals, so erzählt er, hatten sich Markus Weinzierl und Stefan Reuter auf den Weg nach Island gemacht. „Faszinierend“, urteilt Weinzierl darauf angesprochen später. Er meinte zwar das Land, doch seine Einschätzung könnte auch dem Grund gelten, weshalb das Duo die Reise angetreten hatte: Angreifer Alfred Finnbogason.

Und bereits damals hätten Weinzierl und Stefan Reuter ihn gerne als Souvenir mit nach Augsburg gebracht. „Aus verschiedenen Gründen“ habe das laut Weinzierl nicht geklappt. Wohl etwa aus dem, dass Finnbogason eine „Superzeit in Holland“ hatte. In Zahlen liest sich das folgendermaßen: 70 Spiele, 59 Tore, 18 Vorlagen für den SC Heerenveen. Dafür kamen wohl nicht nur Augsburger nach Island, und dadurch war der Preis einer, den der FCA nicht zu zahlen imstande war: Für acht Millionen Euro wechselte Finnbogason ins Baskenland zu Real Sociedad San Sebastian.

Er wolle diese Zeit nicht missen, sagte Finnbogason, auch wenn er es in Sociedad nur mehr auf vier Tore in 31 Spielen brachte und ihn der spanische Klub im Sommer vergangenen Jahres nach Piräus, Griechenland, verlieh. Für Olympiakos traf er zweimal in 13 Partien, auch diese Halbserie sei keinesfalls eine verlorene, erklärte Finnbogason. Angekommen ist er in Hellas wie auch in San Sebastian jedoch nie. Gut, dass sich zwei Augsburger Island-Touristen stets an ihn erinnerten.

„Sehr viele Gedanken“, sagt Weinzierl, habe er sich über die Sturmposition gemacht. Lösungen gesucht, intern und auf dem Markt. „Gute Stürmer sind rar“, lautete sein Fazit. Doch plötzlich war Finnbogason frei. Einer, der „für die Mannschaft arbeitet“, der „Bälle festmacht“. Genau damit soll er dem FC Augsburg helfen, genau deshalb prangt auf Weinzierls Gesicht ein Dauerlächeln darüber, dass es nun doch geklappt hat, den Angreifer nach Augsburg zu holen.

Und so steht Finnbogason nun im Bauch der Arena und berichtet von den Strapazen rund um seinen Last-Minute-Transfer. „Speziell“ sei es gewesen, an seinem Geburtstag zu wechseln, „ein langer Tag“, sei sein 27. gewesen. Finnbogason erzählt von seinem Siegtreffer für Olympiakos im Champions League-Spiel bei Arsenal London, schwärmt von der Bundesliga und ihren Spielern, spricht von der Europameisterschaft (ja, Island ist tatsächlich qualifiziert) als seinem großen Traum. Dabei strahlt er mit seinen weichen Gesichtszügen und dem verschmitzten Lächeln stets etwas Lausbubenhaftes aus.

Ein Element, das dem FC Augsburg auch auf dem Platz guttun würde. Freche, unerwartete Dinge – und vor allem Tore. Für Alfred Finnbogason soll Augsburg nach seiner Mini-Odyssee durch Fußballeuropa vor allem eines werden: Heimat. „Ich bleibe länger als dieses halbe Jahr“, sagt Finnbogason, dieses Mal nicht frech, sondern bestimmt. In Augsburg hätte man freilich nichts dagegen.
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