Analyse: FCA verliert auch gegen den SV Darmstadt 98

Der FCA verliert zu Hause gegen Aufsteiger Darmstadt. Foto: Alexander Heinle

Miserabel ist ein Adjektiv, das den Start des FC Augsburg in die kommenden Wochen treffend beschreibt. Und die sind, wie man im Fußballsprech sagt, englisch. Das bedeutet, dass zusätzlich zum Wochenende auch unter der Woche gekickt wird. Sieben Spiele in 23 Tagen haben die Augsburger zu absolvieren – das erste sei, wie Sportchef Stefan Reuter etwas direkter ausdrückte, „beschissen gelaufen“.

0:2 gegen Darmstadt 98: Der FCA ist endgültig im Abstiegskampf angekommen. Angenommen hat ihn der Tabellenletzte noch nicht. Die Augsburger verdienten sich die Niederlage durch schlafmützige Verteidigung bei Eckbällen, fehlende Kreativität im Spielaufbau und mangelndes Durchsetzungsvermögen im Sturm.

In der Abwehr macht der FCA zu viele individuelle Fehler, reagiert zu langsam und verteidigt nicht konsequent. Exemplarisch dafür das 0:1 nach sieben Minuten. Da verlor Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach einer Ecke den entscheidenden Kopfball gegen Sandro Wagner. In der 29. Minute rappelte es erneut im Augsburger Tor – wieder nach einer Ecke. Marwin Hitz fischte den Ball mit einem tollen Reflex von der Linie, Dominik Kohr blockte den Nachschuss, doch wieder reagierte ein Darmstädter schneller: Peter Niemeyer traf zum 0:2.

Der FCA blieb zudem ideenlos: Gefährliche Zuspiele in den 98-Strafraum waren Mangelware. Das lag auch daran, dass die Mannschaft nicht weit genug aufrückte. So klaffte eine große Lücke zwischen dem Abwehr- und Mittelfeldblock und dem Sturm. Das Mittel der Wahl waren somit lange Bälle auf die Flügel, die – weil oft zu ungenau – aber wenig Wirkung entfalten konnten. Darmstadt stand dafür auch zu tief und hatte leichtes Spiel, die Augsburger zu verteidigen. Chancen basierten auf Einzelaktionen. So fasste sich Alexander Esswein nach 17 Minuten ein Herz, als er aus 25 Metern abzog.

Ansonsten bleibt der FCA im gegnerischen Strafraum zu zahm. Wenn einmal ein Ball den eigenen Mitspieler im Strafraum fand, fehlte dem oft das Selbstvertrauen. Dafür steht einmal mehr Tobias Werner. In Situationen, in denen er in der Vorsaison den Ball einfach ins Netz gezimmert hätte – oder im Zweifel irgendwie über die Linie gestolpert wäre – wird nun unnötig quer gespielt (74. Minute). Damit wartet er weiter auf sein erster Saisontor in der Bundesliga.

Besser wurde es erst in der zweiten Halbzeit, als Markus Weinzierl Raul Bobadilla und Ja-Cheol Koo für die schwachen Kohr und Halil Altintop brachte. Bobadillas Präsenz und sein direkter Zug zum Tor fehlten im ersten Durchgang vollkommen. Auch wenn er in der 74. Minute Augsburgs beste Chance nicht nutzte, ohne seine technisch saubere Ballannahme an der Strafraumgrenze und seinen direkten Zug zum Tor hätte es auch diese Chance nicht gegeben. Caiuby fehlte dafür das Durchsetzungsvermögen, Tobias Werner das Selbstvertrauen, Altintop die Form und Paul Verhaegh scheute die Vorstöße an die gegnerische Grundlinie. Vielleicht fehlte ihm das Vertrauen in die Abwehr.

Am Schluss verzeichnete der FCA 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 67,4 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 84 Prozent und verlor dennoch verdient. Bei den Sprints und bei den gelaufenen Kilometern (plus 3,4 Kilometer) lagen die Darmstädter vorne. Auch die entscheidende Kategorie konnten sie mit zwei zu null für sich entscheiden.

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Es ist jetzt wichtig, dass Markus Weinzierl und seine Mannschaft die Abwehr- und Abschlussschwäche in den Griff bekommen, sonst droht am Ende der englischen Wochen ein großer Rückstand auf die rettenden Ligaplätze sowie ein unrühmliches Ende des Abenteuers Europa.

Viel Zeit für Änderungen im Training hat Weinzierl dafür nicht. Bereits am Donnerstag wartet der AZ Alkmaar. Am Sonntag wartet Borussia Dortmund.
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