Andreas Luthe besucht Augsburger Gymnasium: FCA-Torwart spricht mit Schülern über Flüchtlingsthema

Andreas Luthe (links) und Jonas Ermes informieren die Schüler des St. Anna Gymnasiums über das Thema Flüchtlinge.
Andreas Luthe betritt zusammen mit Jonas Ermes die Turnhalle des St. Anna Gymnasiums und die Schüler applaudieren lautstark. Luthe ist seit dieser Spielzeit Torwart des FC Augsburg. 1,95 Meter ist Luthe groß, trägt aber heute keine Handschuhe und Stollenschuhe, sondern graue Jeans und schwarzen Pulli. Auf seinem Rücken prangt auch nicht die Nummer 1, stattdessen ist ein Schriftzug aufgedruckt. „In Safe Hands“ steht da und zeigt, dass es in der Halle heute nur im weitesten Sinne um Fußball geht.

Die Schüler sind aufgeregt, schließlich ist ein Fußballprofi nicht jeden Tag an einer Schule. Der 29-Jährige ist jedoch ein außergewöhnliches Exemplar seiner Berufsgattung. Der blonde Hüne engagiert sich darüber hinaus für Menschen auf der Flucht. Gemeinsam mit Ermes, der ebenfalls Profitorhüter war, rief er das Projekt „In Safe Hands“ ins Leben. Das Ziel: in erster Linie eine Integration der Flüchtlinge, gerade von Kindern, durch den weltweit beliebten Sport Fußball ermöglichen, aber auch die politische Bildung, etwa durch Schuldialoge, zu erweitern.

So wurden die Schüler des Anna-Gymnasiums auf Luthe aufmerksam. In einem P-Seminar befassen sich rund 30 von ihnen mit dem Thema Flüchtlinge, der Integration von Asylbewerbern und der Informationsverbreitung zu diesem aktuellen und polarisierenden Thema. Diese Chance nutzen der professionelle Torwart und sein Partner Jonas Ermes, um den jungen Schülern vertiefende Einblicke und auch ihr Projekt näher zu bringen.

Nach dem Abklingen des Applauses stellen die beiden ihre Programmpunkte vor, woraufhin Ermes auch schon mit einem interaktiven Dialog beginnt. „Stell dir vor, dein Leben wäre in Gefahr. Stell dir vor, deine Familie würde bedroht. Stell dir vor, du könntest flüchten“, versucht er, die Zuhörer in die Situation von Flüchtlingen zu versetzen. Dieser Gesprächseinstieg zeigt Wirkung. Die Schüler heben die Hand, willig zur Diskussion beizutragen, und sind sich einig: Ja, sie würden fliehen.

Ermes zeigt ihnen, gestützt durch Statistiken und Schaubilder, Allgemeines zum Flüchtlingsthema, wie die Anzahl der Flüchtenden, Fluchtrouten, die Länder mit den höchsten Fluchtraten, aber auch denen mit den höchsten Aufnahmeraten. Wobei diese Liste aufgrund des Mangels an europäischen Ländern unter den Schülern Verwunderung auslöst.

Das Wechselspiel funktioniert: Die Kinder werden in den Dialog mit einbezogen und dürfen, nachdem sie einen Punkt genannt hatten, diesen auch an eine Tafel hängen.
Anschließend übergibt Ermes an Andreas Luthe, der das seit September 2015 existierende Projekt „In Safe Hands“ erläutert. Mit für die Kinder und Jugendlichen leicht verständlichen Beispielen erklärt er zunächst den Begriff „Integration“ und geht auf die Punkte der Organisation ein, welche, mit Unterstützung des FC Augsburg und seines vorherigen Klubs, dem VfL Bochum. Luthe wirkt während seines Vortrags gelassen, in der einen Hand hält er das Mikro, die andere vergräbt er in der Hosentasche.

Diese Herangehensweise an dieses oft so ernste Thema beeindruckt. Das weiß Luthe und das will er nutzen: „Alle interessieren sich für Fußball, sogar das Fernsehen filmt uns gerade“, freut sich der Augsburger Torwart.

Anschließend betreten drei junge Flüchtlinge aus Syrien, dem Kongo und Afghanistan die Halle und referieren kurz und sichtlich nervös über ihre Herkunftsländer, ihre gefährlichen Reisen nach Deutschland – aber auch über ihre Ausbildungsplätze in der Region.

Die drei sind Beispiele dafür, wie Integration gelingen kann. Auch Luthe lauscht gebannt ihren Fluchtgeschichten. Und muss am Schluss dann auch in der Anna-Halle ganz Fußballprofi sein. Zeit, für Selfies und Autogramme.
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