Bissiger FC Augsburg gewinnt Derby: Finnbogason schnappt gegen Nachbar Stuttgart zu

Alfred Finnbogason jubelt über seinen Siegtreffer gegen den VfB Stuttgart. Auf der Tribüne (erste Reihe, rechts) applaudiert der verletzte FCA-Kapitän Paul Verhaegh. Foto: Alexander Heinle

Der FC Augsburg bleibt der fiese Nachbar des VfB Stuttgart. Die Elf von Markus Weinzierl gewinnt das siebte Derby in Serie. Davor ruiniert er sich beinahe selbst den sonnigen Nachmittag. Auf der Tribüne gibt es unschöne Szenen.

Mit Nachbarn hat man‘s ja ab und an nicht leicht. Ob sie einem nun mit dem neuesten Grill-Model von 1968 den Balkon eindampfen, mit dem Radiowecker in höchster Lautstärke den Rest des Hauses um 5 Uhr morgens gleich mit aus dem Bett reißen oder die Teenager-Kinder von nebenan mal wieder eine wummernde Sturmfrei-Party feiern – und nicht einmal die Nettigkeit besitzen, einen ebenfalls einzuladen.

Keinen Bock zu teilen hatte zuletzt auch der FC Augsburg gegen den VfB, hatte er doch vor diesem 30. Spieltag die vorangegangenen sechs Duelle für sich entschieden.

Finnbogasons Frühjahrsputz - In Block P fliegen die Fäuste


Die erste nette Geste zwischen den beiden Nachbarn, die am Samstag-Nachmittag in der Arena an der B17 quasi am Gartenzaun aufeinandertrafen, gehörte Alfred Finnbogason, der vorbildlich ein Blättchen Papier auf dem Rasen vor VfB-Torsteher Przemyslaw Tyton aufpickte. Wer dachte, dass an diesem milden Nachmittag gleich ein gemütliches Gartenfest eröffnet würde, irrte.

Die hässliche Seite solch im Fußball oft hitziger Zusammenkünfte zweier Lokalrivalen war abseits des Spielfeldes zu beobachten. In Block P, direkt neben der Augsburger Fankurve flogen – während die Mannschaften sich unten auf dem Rasen noch abtasteten – die Fäuste zwischen FCA- und VfB-Anhängern.


Der VfB findet gegen nervöse Augsburger besser ins Spiel


Unten erhöhte zunächst der Gast die Schlagzahl. Die Stuttgarter fanden sich auf Nachbars Wiese bald zurecht, wirkten klarer in ihren Aktionen, während der FC Augsburg nervös und fahrig begann. Daniel Didavi per Freistoß, den Marwin Hitz übers Tor boxte, und Florian Klein per Distanzschuss kamen dem 1:0 nahe.

Wenn einer verhinderte, dass VfB-Trainer Jürgen Kramny vor entspannter Frühlingsstimmung in der Coaching-Zone den Grill anschmiss, dann war es Daniel Opare. Der Außenverteidiger ackerte direkt vor ihm die Linie auf und ab. Auch Emiliano Insua zerstörten die flinken Läufe offenbar das sonnige Fußball-Idyll – er stoppte Opare mit einem Foul, bei dem sich die Diskussion, ob vor dem oder im Strafraum erübrigte, weil Schiedsrichter Tobias Stieler es nicht als solches erkannte.

Georg Niedermeier serviert Gastgeschenke - Finnbogason trifft


Den kleinen Gemeinheiten zwischen den Mannschaften setzte schließlich Georg Niedermeier ein Ende. Finnbogason stattete der Box des VfB-Innenverteidigers einen Besuch ab. Vielleicht erinnerte sich Niedermeier an den kleinen Frühjahrsputz des Isländers zuvor. Statt Kaffee und Kuchen servierte er Augsburgs Stürmer allerdings den Ball, nachdem er eine Flanke unzureichend abgewehrt hatte. Finnbogason wollte ob solcher Großzügigkeit nicht unhöflich sein, schlug noch einen feinen Haken und schob zum 1:0 ein.

Sind ja eigentlich ganz freundlich, diese Stuttgarter Defenssivspieler, dachte sich denn auch Halil Altintop und revanchierte sich, vollführte vor den Augen der Verteidiger ein sehenswertes Kunststück im VfB-Strafraum, Volleyschuss inklusive. Der strich jedoch über die Latte. Es wäre, so mutmaßte der verletzte FCA-Kapitän Paul Verhaegh in der Halbzeit, „das Tor des Jahres“ gewesen.

Augsburger Wachhunde stoppen ideenlosen VfB


Auch das Tor von Didavi kurz vor der Pause hätte das Prädikat „sehenswert“ - allerdings wegen Handspiels auch "irregulär" - verdient gehabt. Sein Schuss aus kurzer Distanz sprang jedoch an den Pfosten, anschließend klärte der geistesgegenwärtige Hitz. Augsburg nahm den knappen Vorsprung mit in die Kabine.

Und kehrte weitaus selbstbewusster auf den Platz zurück. Sogar spielerische Leichtigkeit überkam die Elf von Trainer Markus Weinzierl, als nach der schönsten Augsburger Kombination des Derbys Caiuby mit einem Volley an Tyton scheiterte. Freilich funktionierte lange nicht alles. Die Wackler im Aufbau glich der FC Augsburg jedoch durch Zweikämpfe aus, die er bissig führte wie ein Rudel Wachhunde.

In Filmen werfen die Eindringlinge den Kläffern in solchen Fällen mit Schlafmittel versetzte Steaks hin. Dem VfB fehlten allerdings solche oder andere Ideen – er blieb im zweiten Durchgang bis auf eine Halbchance von Timo Werner ohne nennenswerte Gelegenheit.

Der FCA lässt seine Chancen liegen, doch es reicht


Anders der FC Augsburg. Finnbogason scheiterte mit einem Spitzerl frei vor Tyton, nachdem Caiuby hellwach einen Einwurf schnell in den Lauf des Isländers geschleudert hatte (63. Minute).

Wenig später stand der Schlussmann wieder im Weg, rettete zweimal gegen Innenverteidiger Jeffrey Gouweleeuw, wobei sich Dominik Kohr später lächelnd wunderte, "was der da vorne zu suchen hatte". Caiuby verpasste zudem in einer Zwei-gegen-Eins-Situation auf den eingewechselten Raul Bobadilla querzulegen.

Durch den zu lässigen Umgang mit diesen Möglichkeiten hätte sich der FC Augsburg, der durch den 1:0-Erfolg sechs Punkte Vorsprung auf den 17. Eintracht Frankfurt hat, beinahe selbst den Nachmittag ruiniert. Dem Nachbarn aus Stuttgart fehlten jedoch die Möglichkeiten, das zu nutzen – vielleicht hätte Kramny doch einen Grill aus dem Jahr 1968 anschmeißen sollen.
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