Bruchlandung in Neongelb: FC Augsburg unterliegt bei Leitners Startelf-Rückkehr auf Schalke

Mussten sich auch auf Schalke ärgern: Dominik Kohr und Gojko Kacar vom FC Augsburg. (Foto: Archivbild/Heinle)
 
Das 0:3 des FC Augsburg auf Schalke ist Resultat eines Auftritts, der nachdenklich stimmt: FCA-Trainer Manuel Baum. (Foto: Archiv/Heinle)

Der FC Augsburg unterliegt bei seinem Auswärtsauftritt auf Schalke 0:3 - und
das auch in der Höhe verdient. Das Mittelfeld des FCA um Startelf-Rückkehrer Moritz Leitner ist dabei zu durchlässig, die rechte Abwehrseite wackelig. Der dort zuständige Paul Verhaegh verschießt zudem einen Strafstoß.

Manuel Baum sitzt auf der Trainerbank, die so aussieht als hätte man
eine Sitzreihe aus einem Passagierflugzeug zweckentfremdet. Baum lümmelt
allerdings nicht lässig in den blauen Polstern. Der Trainer des FC
Augsburg wirkt eher wie ein Passagier, der trotz Flugangst zu einem
Langstreckenflug mit einer Billig-Airline gezwungen wurde und jetzt die
ersten Turbulenzen auszuhalten hat.

Ebensolche hatte auch seine Mannschaft in der ersten Hälfte durchlaufen,
die an ihrem bedienten Trainer vorbei in Richtung Kabine stapft. Von der anderen Seite sprudelt ein Wortschwall aus Baums grimmig dreinblickenden Co-Trainer Alexander Frankenberger heraus.

Frankenberger wird wohl auch über Augsburgs Start in diesen unruhigen Nachmittag schimpfen. Denn nach nur drei Minuten stellt sich Augsburg bei einer halbhoch geschlagenen Ecke von Johannes Geis denkbar unbeholfen an: Konstantinos Stafylidis verlängert letztlich halbherzig auf den von Ja-Cheol Koo völlig aus den
Augen verlorenen Guido Burgstaller, der Schalkes erstes Tor nach einer
Ecke in dieser Saison erzielt. Das Choupo-Moting auf dem Weg zur Ecke im
Abseits

"Wir haben nicht das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben",
stellte Moritz Leitner hernach fest. Der Winterneuzugang des FC Augsburg
zählte erstmals seit dem 5:2 über Fortuna Düsseldorf im März 2011
wieder zur FCA-Startelf. Damals allerdings noch in Liga zwei.

An diesem Sonntagnachmittag in der Arena auf Schalke läuft es jedoch weit
weniger erfolgreich als vor sechs Jahren. Und Leitner, der neben Kohr auf Daniel Baiers Achterposition spielt, sollte später zu erklären wissen, wieso: "Wir haben viel zu große Abstände gehabt", analysiert der 24-Jährige nach dem Schlusspfiff.

Und er hat Recht. Das Augsburger Mittelfeld erinnert zu Beginn - so
phrasenbehaftet das auch klingt - an einen Laib Emmentalerkäse: viel
Gelb, aber auch eine Menge Löcher. Und durch diese stoßen die eigentlich
Europapokal-geplagten und dennoch agil beginnenden Schalker ein ums
andere Mal - allerdings: Nach dem 1:0 kommen auch die Schalker nicht
mehr zwingend vor das Tor von Marwin Hitz. Einige weitere Ecken, ja.
Aber Chancen gab es keine mehr.

Mit Leitners Leistung steigert sich auch die der Mannschaft. Der erste
Augsburger Schuss in der Partie gehört dem Rückkehrer, der in der
Hinrunde bei Lazio Rom angestellt war, dort jedoch lediglich zwei
Kurzeinsätze über zusammengezählt 13 Minuten in der Serie A absolvierte.
Sein Versuch aus der Distanz rollt jedoch unten links am Tor vorbei.

Was Leitner drauf hat, darf auf Schalke in der 16. Minute bestaunt
werden. Da bedient er mit einem alonsoesken öffnenden 50-Meter-Zuspiel
Raúl Bobadilla. Dessen Hereingabe findet jedoch keinen Mitspieler.

Leitner traut sich Dinge zu, die einen Gegner überraschen können. Das erhoffen sie sich von ihm beim FCA, dafür haben die Augsburger rund zwei Millionen Euro in die Rückholaktion investiert. Dinge, wie etwa nach einer Faustabwehr von Ralf Fährmann. Weil der Schalke-Torwart noch nicht wieder auf die Linie zurückgekehrt
ist, versucht Leitner es aus 35 Metern mit einem Schlenzer - verfehlt
aber das Tor. Es wird jedoch seine letzte Offensivaktion sein.

Dennoch Augsburg ist jetzt besser im Spiel. Doch weiter fehlt in der Defensive - Baum hat sich für eine Vierer- statt wie gegen Leipzig für eine Dreierkette entschieden - die Intensität, Wachsamkeit und Zweikampfhärte, die gegen Leipzig einen Punkt einbrachten. Wie Leitner selbst sagte: Augsburg ließ Schalke, das
zuletzt sechs Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen hatte, zu viel Platz.

Und der FCA ist überfordert, wenn die Gastgeber aufdrehen. Wie Max Meyer, der
nach 28 Minuten einmal Tempo aufnimmt. Weil Leitner gar nicht erst in den
Zweikampf kommt, leitet Meyer unbehelligt den Ball weiter auf Choupo-Moting.
Jonathan Schmid prallt am Kameruner ab, wie ein Tennisball von einer
blauen Wand. Und in der Mitte steht ein weiteres Mal der im Winter auch mit Augsburg in Verbindung gebrachte Burgstaller ohne Gegenspieler:
2:0. Der Beginn denkwürdiger fünf Minuten, die das Augsburger Schicksal
an diesem Nachmittag besiegeln sollten.

Denn noch während das Schalker Publikum beseelt den Treffer bejubelt, foult
Benedikt Höwedes Bobadilla im Strafraum. Elfmeter, Paul Verhaegh tritt
an. Eigentlich ist der Erfolg garantiert wie der eines Antrags der
Regierungskoalition im Augsburger Stadtrat. Doch in diesen Minuten
sollte für den FCA eben alles Unglück auf einmal zusammenkommen:
Fährmann hält, Bobadilla verletzt sich, wird behandelt und muss wenig
später raus.

Kurz darauf kommt Daniel Caligiuri wie zuvor Burgstaller völlig frei zum
Abschluss, weil wieder die rechte Augsburger Seite den Angriff nicht
entscheidend stoppen kann. Verhaegh und Schmid luden Sead Kolasinac durch
zu laxe Abwehrarbeit ein, bis an den Fünfmeterraum durchzulaufen und von
dort aus Caligiuri am langen Pfosten zu bedienen.

Wieder ein Tor aus kurzer Distanz von einem völlig unbedrängten Schalker
Schützen: Baums versteinerte Miene rührt wohl eben daher. 0:3 liegt
seine Elf zur Pause zurück. In Baum arbeitet es offenbar, mutmaßlich
muss er sich gar erst einmal beruhigen, bevor er vor seine Spieler
tritt.

Welche Worte er schließlich wählt, sie schienen seine Elf angetrieben
zu haben. In Halbzeit zwei startet der FC Augsburg nämlich etwas
engagierter, vor allem der für Schmid eingewechselte Georg Teigl bringt
neuen Schwung in die Partie. Er vergibt auch die beste Möglichkeit kurz
nach Wiederbeginn.

Das war's dann aber auch. Schalke macht schließlich das, was es mit Blick auf das
Europacup-Spiel am Donnerstag in Mönchengladbach machen muss. Tempo raus
und die Führung seriös über die Zeit bringen. Und das reicht, weil der
FCA sein schwächstes Auswärtsspiel unter Trainer Baum zeigt.

Und Leitner? Immerhin wirft er sich noch erfolgreich in einen Schuss von
Nabil Bentaleb. Seine Leistung ist jedoch ausbaufähig, wobei er an diesem 24. Spieltag noch zu den besseren Augsburgern zählt.

Denn die Baum-Truppe kann am Ende froh sein, dass keine schlimmere
Bruchlandung bei ihrem Auftritt herauskommt. Coupons-Moting, Höwedes und mehrfach Meyer hätten durchaus einen höheren Sieg herausschießen können.
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