Curt-Frenzel-Stadion: Eine unendliche Geschichte

Der Umbau des Eisstadions sorgt weiterhin für viele Fragen. Undurchsichtig bleibt die Auftragsvergabe und es wird immer noch über gestiegene Kosten für das Curt-Frenzel-Stadion gesprochen.

Die Panther-Saison ist zu Ende, der Stadionumbau sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Die Bahn 2 soll im Sommer wieder aufgebaut und überdacht werden, spätestens dann muss die Stadt wieder die Kostenexplosion diskutieren - und die zahlreichen anderen Unstimmigkeiten im Zuge des Umbaus.

Ein kurzer Überblick. 2009 beschloss der Stadtrat, das Stadion DEL-gerecht zu modernisieren. Als Kostenrahmen für den Umbau der Bahn 1, das eigentliche Stadion, sah der Beschluss 16,2 Millionen Euro vor, insgesamt waren 24,8 Millionen Euro vorgesehen. Eine auf den kompletten Anträgen und Beschlüssen des Stadtrats fußende Kostenaufstellung beläuft sich auf aktuell 40,5 Millionen Euro, die Stadtregierung kommt mit ihren „Nebenrechnungen“ auf rund 31,5 Millionen Euro Gesamtkosten.

Curt-Frenzel-Stadion: "Gewinn" nur zu einem Bruchteil realisierbar?


Der Unterschied rührt daher, dass die 40,5 Millionen Euro alle mit dem Umbau verbundenen Ausgaben beinhalten, bei den 31,5 Millionen Euro werden „Nebenrechnungen“ nicht gezählt und Spenden und Sponsorings als Einnahmen von den Kosten abgezogen. Bei den Sponsoren handelt es sich um die städtischen Töchter Stadtsparkasse und Stadtwerke, indirekt zahlt also wieder Augsburg.

Außerdem bucht die Stadt 5,1 Millionen Euro als „Gewinn“, die sie sich von den Architekten der zu flachen Tribünen als Schadensersatz vor Gericht erstreiten will. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass nur ein Bruchteil realisiert werden wird: Der Richter stellt die Architektenverträge in Frage, denn die AGS ist keine kommunale Dienststelle, hat aber die Verträge unterzeichnet. Deshalb mussten sie nach dem BKPV-Prüfbericht von OB Kurt Gribl „geheilt“ werden. Für die Finanzen der Stadt ist zu hoffen, dass diese „Heilung“ auch vor Gericht gilt.

Auf Nachfrage beim Baureferenten Gerd Merkle zu den Kostensteigerung erklärt an seiner Stelle AGS-Mitarbeiter Manfred Deutschmann: „Nach derzeitigem Bau- und Kenntnisstand werden die vom Stadtrat genehmigten Baukosten … in Höhe von 28 250 273 Euro und rund 5,1 Millionen Euro … für die Entscheidung, die fehlerhalten Tribünen rückzubauen und neu herzustellen, eingehalten.“

Angespannte Haushaltslage in Augsburg


Der Betreuungsvertrag der AGS enthält unter anderem die Anweisung, die Vergaben mit dem Bauherrn, also der Stadt, nach der Geschäftsanweisung Bau (GA-Bau) abzustimmen. Stattdessen wurden Verträge im Nachhinein schriftlich von der AGS beauftragt, etwa der Tragwerkplaner erst im Oktober 2010, obwohl er schon über ein Jahr mit der Planung tätig war. Dasselbe bei den Außenanlagen: Das zuständige Planungsbüro wurde 2009 in Besprechungsprotokollen erwähnt, schriftlich beauftragt wurde der Landschaftsplaner im Juli 2010.

Die Idee, die schon zu Beginn der Umbauplanungen um mehrere Millionen Euro gestiegene Kalkulation vorerst nicht bekannt zu machen, stammt von Baureferent Gerd Merkle: Bei einem Treffen mit den Architekten und der AGS am 15. März 2010 meinte er, eine Genehmigung der „zusätzlichen, dringend notwendigen Kosten“ hätte „aufgrund der angespannten Haushaltslage … keine Erfolgsaussichten.“ Stattdessen sollten sie „erst nach Baubeginn im Jahr 2011 … angemeldet werden.“ So wurde etwa die Außenlage im März 2010 nach Besprechung im Baureferat mit rund 900 000 Euro budgetiert, obwohl nach einer Kostenberechnung im Februar 2010 bereits 1,3 Millionen Euro veranschlagt waren. Heute, nach Auswertung sämtlicher Stadtratsbeschlussvorlagen, kostet sie 4,5 Millionen Euro.

Auch die Contracting-Verträge über Beleuchtung und Heizung rechnet die Stadtregierung aus den Gesamtkosten heraus, kosten wird es die Stadt trotzdem mehr als 2,08 Millionen Euro – eine weitere Idee des Baureferenten vom 15. März 2010.

Das Curt-Frenzel-Stadion sieht kein Licht am Ende des Umbaus


Im Februar 2010 wurden Fakten geschaffen und Bäume an der Blauen Kappe abgeholzt, denn das Stadion mit seiner neuen Fassade würde ja diesen Platz benötigen. Platz, den der Stadtrat nicht beschlossen hatte, aufgrund von Plänen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht vertraglich abgeschlossen waren. Und alles wegen einer Eisschollen-Fassade, die man jetzt nicht beleuchtet, obwohl sie fertig ist. Kein Licht am Ende des Umbaus, weil die Stahlträger durchscheinen und der Anblick ästhetisch durchfällt?

Undurchsichtig ist dagegen die Auftragsvergabe: Öffentliche Auftraggeber sind ab einem bestimmten Auftragswert dazu verpflichtet EU-weit auszuschreiben. Baufirmen kalkulieren, reichen ihre Leistungen und Preise ein, und dann sollte der günstigste Anbieter den Auftrag bekommen. So sollen beschlossene Kosten eingehalten werden. Beim CFS wurde die Planung von den technischen Gewerken etwa nicht nach VOF (Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) vergeben, obwohl von der Vergabebehörde eine VOF-Ausschreibung gefordert war.

„Bei Planungsbeginn Mai 2009 wurden die festgelegten Schwellenwerte für Planungsaufträge für Sonderfachleute nicht überschritten“, hält Deutschmann dagegen. Zu einer Forderung der Vergabebehörde, öffentlich auszuschreiben, sei ihm kein Hinweis bekannt.

Bleibt zu hoffen, dass der Kommunale Prüfungsverband in seinem zweiten Bericht zum CFS-Umbau Licht ins Dunkel bringt und alle offenen Fragen beantwortet.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.