Der FC Augsburg gegen die TSG Hoffenheim in der Einzelkritik: Schneeballschlacht mit einem Eskimo

Martin Hinteregger und der FC Augsburg unterlagen der TSG Hoffenheim mit 0:2. (Foto: Alexander Heinle)

Der FC Augsburg verliert in der Augsburger Arena 0:2 gegen die TSG Hoffenheim. Eine Halbzeit lang präsentiert sich der FCA kälteresistenter als die Gäste, dann erwischt Hoffenheim die Gastgeber eiskalt. Paul Verhaegh wehrt dabei Schneebälle ab, Martin Hinteregger wedelt hinterher und Jan Moravek trägt Bermuda-Shorts und Surfbrett. Dier FC Augsburg in der Einzelkritik.



Marwin Hitz: Ob es wieder einmal ein genialer Nagelsmann-Kniff war, den Augsburger Schlusmann durch konstante Unterbeschäftigung in einen neongelben Eiszapfen zu verwandeln? Seinen ersten Ball musste er nach eiskalten 18 Minuten fangen. Dass er nicht eingefroren war, zeigte sich, als er nach einem Schubser von Niklas Süle gegen Ja-Cheol Koo einschritt. Generell kaum gefordert, bei den beiden Toren machtlos.

Paul Verhaegh: Bewegte sich nach etwa einer halben Stunde bei einem Hoffenheimer Freistoß als wolle er einen auf ihn geschleuderten Schneeball abwehren. Blöd, dass er bei dieser seltsamen Bewegung im Strafraum den Ball an den Arm bekam. Glück, dass es keinen Strafstoß gab. Haderte später mehrfach mit dem Linienrichter wie ein Tiefkühlkost-Lieferant mit der Parkplatzsituation in der Innenstadt. Hatte beim 0:2 Pech, dass er es sowohl mit dem im Abseits positionierten Wagner als auch dem letztlichen Passgeber Mark Uth zu tun hatte.

Martin Hinteregger: Der letzte in der Reihe beim 0:1. Im Laufduell mit Sandro Wagner half ihm auch seine österreichische Herkunft nichts. Wedelte zwar wie Slalomfahrer Marcel Hirscher neben dem Torschützen her, war aber letztlich chancenlos wie ein Jamaikaner in einer Schneeballschlacht mit einem Eskimo, als Wagner ihn zur Seite drückte. Auch beim 0:2 wirkte er ein wenig festgefroren. Konnte immerhin in der Schlussviertelstunde ein paar brenzlige Situationen bereinigen.

Jeffrey Gouweleeuw: Hatte sich wie sein Nebenmann Hinteregger für kurze Ärmel und gegen Handschuhe entschieden. War zunächst der mehr geforderte coole Typ aus der Innenverteidigung: Als die TSG Mitte der ersten Halbzeit erstmals aufkam, klärte er zweimal vor Wagner. Bei den Gegentoren standen hingegen seine Kollegen im Fokus.

Konstantinos Stafylidis: Schwalben halten sich bei diesen Temperaturen eher in südlichen Gefilden auf, der Grieche ließ nach zehn Minuten dennoch eine fliegen. Da Kopfüber abzutauchen doch mehr Spaß macht, wenn ordentlich Schnee liegt, fokussierte er sich hernach auf wesentliche Dinge. Das Bälle erobern etwa, was er in Hälfte eins mehrfach formidabel tat. Beim 0:2 kam er am langen Pfosten gegen Kramaric zu spät. In Halbzeit zwei dann auch nicht mehr mit ganz so viel Verve nach vorne unterwegs.

Ja-Cheol Koo: Ist eher ein Eiskunstläufer, musste gegen Hoffenheim jedoch mehr Eishockey spielen. Geriet dabei zunächst ins Straucheln wie ein allzu tapsiger Pinguin. Scheute dann aber keinen Zweikampf, leistete sich allerdings auch viele Fouls, sah schließlich Gelb und applaudierte sich beinahe vorzeitig unter die heiße Dusche. Das übernahm zur Pause Trainer Manuel Baum und tauschte Dominik Kohr für den glücklosen Eistänzer ein.

Jan Moravek: Der Vertragsverlängerer wirkte oft auf verlorenem Posten - als hätte er Bermuda-Shorts an und ein Surfbrett unter dem Arm klemmen. Lief viel, arbeitete auch ordentlich nach hinten; überraschende Offensiv-Impulse wollten ihm aber einfach nicht gelingen. Wurde spät, vielleicht zu spät, gegen Halil Altintop ausgetauscht. Der blieb jedoch ebenfalls blass.

Daniel Baier: Der erste Schuss des Spiels nach acht Minuten gehörte ihm. Ein ordentlicher Volley nach einer zu kurz geklärten Ecke. Gab dann den vordersten Augsburger Schlittenhund, der das Tempo vorgab und die Aggressivität vorlebte. Sein Durchstecker auf Philipp Max wäre die Belohnung für all die Mühen gewesen - wäre er denn angekommen. In der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so präsent in der Zentrale unterwegs, musste den flinken Hoffenheimern das ein ums andere Mal hinterherhecheln.

Jonathan Schmid: Wollte seinem Ex-Coach Nagelsmann unbedingt zeigen, wer der heißeste Typ in der Eiseskälte ist - lief ebenfalls kurzärmelig und handschuhlos auf. Hatte nicht nur deshalb eine Körpersprache wie ein Eisbär in einer Seehundkolonie. Zog einige Freistöße und gewann sogar einen Kopfball gegen den zwei Kühlschränke großen Süle. Tauchte in Halbzeit zwei dann in ein Eisloch ab, reckte kurz vor dem Ende jedoch noch einmal den Kopf heraus und scheiterte dabei mit der besten FCA-Chance an Oliver Baumann.

Philipp Max: Nach dem Aufwärmen sei es nicht mehr kalt gewesen, kommentierte er später die Temperaturen in der Arena. Wurde von Baum auf der linken Offensivseite aufgeboten. Auffälliger nach vorne präsentierte sich jedoch der eigentlich hinter ihm positionierte Stafylidis. Verlor vor dem 0:1 nach einem eigenen Einwurf den Ball. "Saudumm, darf nicht passieren", urteilte er später. Spielte nach Stafylidis Auswechslung Linksverteidiger.

Dong-Won Ji: Ein Kopfball nach einem Freistoß in Baumanns Arme blieb bis kurz vor dem Ende seine einzige nennenswerte Aktion. Dann fiel ihm doch noch ein Abpraller vor die Füße, aber Steven Zuber grätschte ihm den noch Ball vor dem einschussbereiten Schlappen weg. Ein fitter Alfred Finnbogason hätte dem FC Augsburg sicher gut getan - nicht nur, weil er ein kälteerprobter Isländer ist.

Dominik Kohr: Kam zur Pause für Moravek. War umgehend auf Betriebstemperatur und immer mittendrin, wenn's heiß herging. Die Augsburger Herzen mit Offensivaktionen zum schmelzen zu bringen, gelang auch ihm nicht - ist aber auch nicht seine Aufgabe.

Raúl Bobadilla: Trotz eiskalten Winters verlängerte der Südamerikaner seinen Vertrag beim FC Augsburg bis 2020 - eine echte Liebeserklärung. Nach einer Stunde forderten die 24.500 Zuschauer seine Einwechslung. Prompt winkte Baum den wie ein Polarforscher vermummten Stürmer zur Bank. Blöd, dass just vor seiner Einwechslung das 0:2 gefallen war. Belebte das Augsburger Angriffsspiel offensichtlich, wühlte sich das ein ums andere Mal durch die Hoffenheimer Abwehr, wenn auch ohne eine Torchance zu kreieren.
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