Deutsche Taekwondo-Meisterin aus Augsburg: Die Serientreterin

Schnelle Tritte tauschen Vanessa (links) und ihre Trainingspartnerin Morena aus. Foto: Christoph Maschke

Die 16-jährige Augsburgerin Vanessa Killisperger Cuevas ist Deutsche Meisterin der Kampfsportart Taekwondo. Auf der Wettkampf-Matte werde selbst ihre beste Freundin zur Gegnerin, sagt sie. Ein Besuch in der Trainingshalle.

"Achtung! Verbeugen!", ruft der Kampfrichter auf koreanisch. Kurz darauf fliegen Tritte in hoher Geschwindigkeit Vanessa Killisperger Cuevas' Kopf entgegen. Sie versucht, sie zu blocken, indem sie die Arme schnell nach oben reißt. Jetzt ist sie an der Reihe. Vanessa versucht ebenfalls, den mit einem Helm geschützten Kopf des Gegners zu treffen, aber bleibt immer auf der Hut vor entgegenkommenden Tritten. Nach drei Runden, die sich jeweils auf zwei Minuten plus 30 Sekunden Pause belaufen, ist der Kampf vorbei. Die 16-jährige Vanessa ist Deutsche Meisterin in Taekwondo.

Das ist gerade zwei Wochen her. Vanessa steht in der Trainingshalle der "Sport Academy" im Augsburger Stadtteil Lechhausen und erzählt stolz von ihren Triumph. Ziel beim Taekwondo ist, den Kopf des Gegners zu treffen, da dies im Wettkampf mit drei Punkten honoriert wird. Der Kämpfer darf aber auch seine Fäuste benutzen, solange die Schläge auf den Brustbereich begrenzt sind. Diese werden aber nur mit einem Punkt bewertet. Treffer unter der Gürtellinie oder Faustschläge ins Gesicht sind strengstens untersagt.

Gewonnen hat derjenige, der während des Kampfs am meisten Punkte auf sich verbuchen konnte. Es führen aber noch andere Wege zum Sieg: Etwa der technische K.o., der eintritt, wenn der Kämpfer einen Zwölf-Punkte-Vorsprung erringt. Und auch der klassische K.o. ist möglich, tritt aber sehr selten ein.

Im Training werden die sieben Werte des Taekwondo vermittelt: Disziplin, Respekt, Durchhaltevermögen, Ausdauer, Kontrolle, Mut und Aufmerksamkeit. Diese stehen auch für Vanessa im Vordergrund. Doch bevor es ernst wird, steht das Aufwärmen an. "Sie müssen erst richtig schwitzen, bevor die Dehnübungen beginnen", erklärt Heinrich Klötzlich, der Trainer von Vanessa, "denn sonst steigt das Verletzungsrisiko".

Das Dehnen der Bänder in den Beinen ist aus dem selben Grund essenziell. Der Kämpfer muss während der ausgeführten Tritte die Körperspannung aufrecht erhalten. Sonst knickt das Standbein möglicherweise weg oder das Trittbein wird überstreckt. Bänderüberdehnungen sowie Muskelfaser- und Meniskusriss können die Folge daraus sein.

Jedoch verletzen sich die meisten Kämpfer an den Händen, wenn sie die Spannung nicht richtig halten und ein abgeblockter Tritt die Finger umbiegt. "Ich habe mir schon mal die Finger gebrochen", berichtet Vanessa und gerade leide sie an einem Kapselriss. Jedoch "sind Verletzungen seltener als im Fußball", versichert Trainer Klötzlich.

Vanessa dehnt sich auch im letzten Teil des Trainings immer wieder. Danach tritt sie im Kampf so lange auf ihren Übungsleiter ein bis ihr die Luft weg bleibt. "Kía"!, schreit die deutsche Meisterin immer lauter, um die Atmung zu regulieren. Klötzlich erklärt, der Ausschrei sei für Kämpfer wichtig, damit sie nicht vergessen, Luft zu holen. Vanessa joggt deshalb noch zusätzlich zum täglichen Taekwondo-Training. Ihre Motivation ist: "Wenn mir im Wettkampf mal die Luft wegbleibt, weiß ich, dass ich mehr joggen muss."

Sie trauert nicht der vielen Zeit nach, die das Taekwondo-Training ihr nimmt. "Wenn ich nochmal auf die Welt käme, würde ich es genauso machen", antwortet Vanessa entschlossen. Auch ihre Freunde unterstützen sie dabei. Viele lernte sie auch erst durch den Kampfsport kennen. Aber im Wettkampfring ist "selbst meine beste Freundin mein Feind", betont Vanessa, die auch gegen männliche Gegner antritt. Denn das einzige Kriterium beim Taekwondo ist die Gewichtsklasse. Einem Neuling empfiehlt Vanessa, "einfach das Taekwondo-Training auszuprobieren. Ich war anfangs auch kein Talent und habe es als Freizeitsportmöglichkeit nur zweimal in der Woche genutzt."

Der nächste Kampf ist in zwei Wochen bei den Dutch-Open in den Niederlanden. Dort muss sie sich gegen 1200 Kontrahenten behaupten.

Zudem gab es für Vanessa eine zusätzliche Belohnung: eine Einladung zur Deutschen Nationalmannschaft.
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