Die Herren der Halme: Zu Besuch bei den FCA-Greenkeepern

Den Spielfeld-Rasen zu betreten, ist nur den Greenkeepern erlaubt. Diese sind beim Mähen zwei Stunden mit der 7950 Quadratmeter großen Fläche beschäftigt.
 
Die richtige Pflege macht den Unterschied: Im Schatten sorgen 600-Watt-Natriumdampflampen für Licht für den Rasen. Sie sind an bestimmten Stellen 24 Stunden im Einsatz. Fotos: Nayra Weber


Wenn Robert Steger über seinen Job redet, könnte man meinen, er arbeitet im Tierheim ("Wöchentlich wird gestriegelt") oder als Masseur ("Tiefenlockerung ist sehr wichtig"). Doch nein, auch wenn sein Beruf in gewisser Weise ähnliche Herausforderungen birgt: Der 32-Jährige muss täglich hegen und pflegen. Und zwar: den Rasen in der WWK-Arena des FC Augsburg. Er arbeitet dort als einer von drei Greenkeepern.

Ein Greenkeeper, zu deutsch Platzwart oder -pfleger, wird auf Fußball- und Golfplätzen eingesetzt. Er hat grundlegend für zwei Dinge zu sorgen: dass der Platz gut bespielbar ist und dass er gut aussieht. In Augsburg kümmert sich Robert Steger zusammen mit seinen Kollegen um zwei Trainingsplätze und das Spielfeld in der WWK-Arena. Insgesamt sind das 30 000 Quadratmeter Rasen, die instandgehalten werden müssen.

Die Rasenflächen im Stadion und auf den Trainingsfeldern werden beinahe täglich gemäht, auf 24 Millimeter - im Trainingsbetrieb dürfen sie auch mal 26 Millimeter lang sein. Auf letztere dürfen die Greenkeeper mit Rasenmähertraktoren, doch aufs Spielfeld sollen möglichst wenig schwere Maschinen. Daher heißt es, 7950 Quadratmeter mit einem Handrasenmäher zu durchkämmen, der gerade einmal 60 Zentimeter breite Bahnen zieht. Drei Greenkeeper sind damit zwei Stunden lang beschäftigt.

Gemäht wird mit einem Spindelmäher und der ist es auch, der dem Fußballrasen sein charakteristisches Aussehen verleiht, das Muster aus hellen und dunklen Streifen. "Die Frage, die mir in diesem Job am häufigsten gestellt wird, ist: Wie kommt es zu der unterschiedlichen Färbung des Rasens?", grinst Steger und erklärt, dass gerade dies kein Hexenwerk sei. Spindelmäher unterscheiden sich grundlegend von gewöhnlichen Rasenmähern. Bei letzteren dreht sich das Messer um eine Achse senkrecht zum Boden, bei Spindelmähern hingegen wird das Gras durch eine parallel zum Boden liegende Spindel erfasst und an einem sogenannten Gegenmesser abgeschnitten. Bei den Profimähern läuft der Spindel eine Walze voraus, die die Grashalme bereits in Mährichtung ausrichtet, in der die Halme dann nach dem Mähen liegen. Kurzum: Wenn Steger den Rasen mit dem Spindel- und Walzenmäher erst eine Bahn lang in die eine Richtung und dann in die andere abgeht, wird das Gras eben einmal nach vorne und einmal nach hinten umgelegt. Und das Grün, das in Blickrichtung liegt, wirkt optisch deutlich heller als in der Gegenrichtung.

Erst 2004 legte der Weltfußballverband Fifa diesen Standard fest. Davor waren sogar Karomuster auf dem Platz weit verbreitet. Die Fifa erließ die Regel, dass die Streifen parallel zum Mittelfeld-, der Strafraum- und der Torlinie verlaufen müssen. Denn neben einem einheitlichen Erscheinungsbild haben sie auch eine wichtige Funktion bei der Orientierung auf dem Platz, schließlich helfen sie den Spielern und Linienrichtern, Entfernungen abzuschätzen und ein Abseits besser zu erkennen.

Robert Steger und seine Kollegen ziehen auch die Linien auf den Plätzen, und zwar alle drei Tage wieder. Auf den beiden Trainingsplätzen dürfen die Markierungen jeweils zwei Monate lang mit der Maschine ohne Vormessungen nachgezogen werden. Auf dem Spielfeld muss immer mit einer gespannten Schnur gearbeitet werden. Von Zeit zu Zeit prüfen der Bayerische Fußball-Verband und sogar die Uefa, ob die Linien auch da sind, wo sie hingehören.

Sechs mal 600 Watt "Wachstumslicht"

"Was mich anfangs am meisten hier fasziniert hat, waren die Lampen", erklärt Steger. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört nämlich auch die Wartung der Natriumdampflampen, die das Gras mit Licht versorgen, wenn es an Sonnenlicht fehlt. 600 Watt Leistung bringt jede der sechs Lampen-Wägen, die etwa 15 Meter lang sind und an denen die Lampen auf 1,90 Meter Höhe hängen. Sie laufen zu Hochzeiten sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag - dann müssen die Greenkeeper sie versetzen, um den Rasen zu schützen. "Der Rasen schläft nie", weiß Steger. Diese Lampen dienen zum einen als "Wachstumslicht", wie er erklärt, sie sorgen aber auch dafür, dass der Rasenuntergrund trockener wird. "Da nur begrenzt Luft an den Boden kommt, speichert sich darin viel Feuchtigkeit", erklärt der 32-Jährige. Auf den Trainingsplätzen hingegen kommen die Greenkeeper ohne diese Lampen aus; weil es dort keine Ränge gibt, kommt genug Sonnenlicht an den Rasen.

Langweilig wird es den Greenkeepern nicht: Der Rasen muss wöchentlich "gestriegelt" (mit einem überdimensionalen "Kamm" bearbeitet und von unerwünschten Gräsern befreit), mindestens alle zwei Wochen tiefengelockert (Eisenstifte setzen Löcher bis zu 20 Zentimeter tief in den Boden zur Entwässerung und Erhöhung der Durchlässigkeit), in den Spielpausen vertikutiert (Anritzen der Grasnarbe zur Entfernung von Moos und zur Belüftung) und bei Bedarf nachgesät werden. "Mit Unkraut an sich haben wir auf dem Spielfeld kein Problem, es mag die regelmäßige Pflege nicht. Falsche Gräser allerdings schon", weiß Robert Steger aus Erfahrung. Auch einen tierischen Gegner haben die Greenkepper: "Die sind ein Problem, sie fressen die Samen weg", erklärt Steger, als eine Taube auf dem Rasen landet. "Aber dagegen lässt sich nun mal nichts machen."

Im Winter muss auch mal geräumt werden, immerhin hat die WWK-Arena, wie die meisten Stadien Deutschlands, ein offenes Dach. "Das Schneeräumen macht den Rasen aber kaputt, das kann man nicht oft machen", weiß Robert Steger. Mithilfe einer Rasenheizung wird meistens gewährleistet, dass sich keine allzu großen Schneemassen auf dem Rasen häufen.

Vermeiden lässt sich das aber nicht immer: Vergangenes Jahr musste der Spielrasen zweimal geräumt werden, zwölf Leute waren dazu zwei Stunden lang im Einsatz.

Seit einem Jahr arbeitet Steger nun in Augsburg. Mit den FCA-Fußballern ist er mittlerweile per Du. Außerdem: "Es ist ein gesunder Job, man arbeitet zu 95 Prozent im Freien und er fördert die Ausdauer, man läuft während der Arbeitszeit rund zehn Kilometer täglich", stellt der gelernte Steinmetz zu Anforderungen, aber auch Vorzügen des Berufs klar. Über eine Zeitarbeit fing er an, mittlerweile ist er fest angestellt und aus Aichach nach Augsburg gezogen, um näher an der Arbeitsstelle zu sein. Der 32-Jährige hat drei Jahre Berufserfahrung als Landschaftsgärtner. "Doch der Stadionrasen hat nicht viel mit dem Garten zuhause zu tun", sagt er. Als Experte kann er aber natürlich auch hierfür Tipps geben: "Das Wichtigste ist mähen, mähen, mähen. So fördert man das Graswachstum und der Rasen kann verdichten." ( Nayra Weber )
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