Die wahren Fußballfans sind die Fußball-Mamas

Zweimal in der Woche Training, sonntags in der Pampa ein Spiel: Nicht nur die Kinder sind gefordert - auch die Mütter. (Foto: Edite Artmann/123rf)

Ganz Deutschland im Fußballfieber. Es ist Europameisterschaft. Tausende Menschen „publicviewern“ auf Rathausplätzen, 26,57 Millionen verfolgten die Partie Deutschland gegen die Ukraine mit Bier und Chips vor dem Fernseher.

Doch die wahren Fans finden sich woanders und zwar zweimal die Woche bei sengender Hitze, Sturm und Regen oder bibbernd bei 2 Grad am Kleinfeldrand. Die wahren Fußballfans sind wir Fußball-Mamas. Mit Morgenkaffee und Wurstsemmel bewaffnet stehen wir auch jeden Sonntag um 9 Uhr früh in der dörflichen Pampa und feuern unsere Kinder an. Wir schreien, lachen und fluchen, denn unser Herz rennt mit, wenn der Nachwuchs foult und schießt. Wenn der eigene Steppke am Ball ist, wird aus jeder „ich interessiere mich nicht für Fußball“-Frau ein hüpfender, manchmal rasender Fan.

Und nach 84 Wochen Fußballtraining entknäult sich auch der Kinderhaufen auf dem Feld. Aus dem „Alle auf einen“ – gemeint ist der Ball – wird langsam ein Spiel. Es entwickelt sich eine Mannschaft, die passt, foult und ins richtige Tor schießt. Von Woche zu Woche, von Sonntag zu Sonntag dringen auch wir Fußball-Mamas mehr ein in Strafraum, Sturm und Elfmeter. Begriffe wie Eckstoß, Einwurf, Flanke und Doppelpass gewinnen an Bedeutung und Verständnis.

Nach zwei Jahren Herzbluten am Spielfeldrand überraschte ich am Sonntag beim EM-Auftaktspiel der Deutschen meinen Mann mit dem Satz: „Hey, das war aber Abseits!“ – er ist fast von der Couch gefallen. Das ist doch Lohn der Mühe genug!
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