Dirk Schuster im Interview: "FC Augsburg ist der richtige Schritt"

"Wir treten in große Fußstapfen." Der neue FCA-Trainer Dirk Schuster. (Foto: Klaus Rainer Krieger)

Dirk Schuster tritt die Nachfolge von Markus Weinzierl als Cheftrainer beim FC Augsburg an. Am Dienstag hat sich der 48-Jährige sein neues Arbeitsumfeld zum ersten Mal angesehen und die Zeit auch genutzt, um einige Fragen zu beantworten - über seinen bishergen Eindruck vom FC Augsburg, seine Ziele und ein rosa Trainingsleibchen.



Dirk Schuster, Sie haben in Darmstadt ein Fußballmärchen angestoßen und haben bei den Lilien "Heldenstatus" erlangt. Welche Gründe haben Sie nun zu dem Wechsel in die Fuggerstadt bewogen?

Schuster:
Erst einmal muss ich sagen, dass wir diese Erfolge in Darmstadt nur gemeinsam erreichen konnten. Das ging nur mit ganz viel Teamwork, kurzen Entscheidungswegen und einem sehr vertrauensvollen Arbeitsverhältnis. Ich denke, dass Augsburg für mein Trainerteam und mich nun eine sehr große Herausforderung sein wird. Dadurch, dass Markus Weinzierl hier in den letzten Jahren sehr gute Arbeit abgeliefert und sogar die Europa League erreicht hat, treten wir in große Fußstapfen. Aber unser Ziel ist es, hier beim FCA natürlich auch einen sehr guten Job zu machen.

Verspüren Sie trotz der neuen Aufgabe auch ein wenig Wehmut, das Kapitel Darmstadt hinter sich zu lassen?

Schuster: Natürlich! Dadurch, dass wir uns dreieinhalb Jahre mit dem Verein und der Mannschaft voll identifiziert haben, war die Entscheidung nicht einfach. Aber wie es das Sprichwort sagt: Wenn es am Schönsten ist, ist es besser, zu gehen.

Der FC Augsburg hat wie auch Darmstadt 98 in der Schlussphase der Saison den Klassenerhalt perfekt gemacht. Wie haben Sie die abgelaufene historische Spielzeit des FC Augsburg mit der erstmaligen Teilnahme an der Europa League verfolgt?

Schuster: Auf der einen Seite mit sehr viel Bewunderung und Respekt, was hier in den letzten Jahren entstanden ist. Es gehört schon etwas dazu, den Verein über viele Jahre in der Bundesliga zu halten, sich für die Europa League zu qualifizieren und dann gegen den FC Liverpool in einem überragenden Spiel nur ein paar Zentimeter an der nächsten Runde vorbei zu schrammen. Zum anderen ging die Europa League aus der Ferne betrachtet vielleicht ein wenig auf Kosten der Bundesliga, aber ich denke, dass der FCA mit seinen internationalen Leistungen, der Außendarstellung und dem Klassenerhalt am Ende sehr viel Ansehen in Deutschland dazu gewonnen hat.

Wie haben Sie das Spiel mit Darmstadt hier in Augsburg erlebt, bei dem Sie mit Ihrem Team einen 2:0-Sieg feiern durften?

Schuster: Was mich damals sehr beeindruckt hat, war, dass die Zuschauer nach einer Niederlage und trotz der schlechten tabellarischen Situation, die der FC Augsburg damals hatte, bis zur letzten Minute immer versucht haben, ihr Team nach vorne zu peitschen und damit zum Erfolg zu bringen. Die FCA-Fans waren ihrer Mannschaft gegenüber zu jedem Zeitpunkt positiv eingestellt - das hat mir gezeigt, dass das Publikum ein feines Gespür dafür hat, wenn eine Mannschaft versucht, alles zu geben. Es hat mich beeindruckt, dass man dann voll hinter dem Team steht und auch eine Niederlage verzeiht.

Gemeinsam mit Ihnen kommen die Co-Trainer Sascha Franz und Frank Steinmetz nach Augsburg. Besonders Franz kennt aus seiner Zeit beim FC Augsburg bereits das Umfeld, was hat er Ihnen schon über den Verein verraten?

Schuster: Als Sascha damals beim FCA tätig war, steckte der Verein sicher noch in den Kinderschuhen. Aber er kennt natürlich den ein oder anderen Verantwortlichen und die Mitarbeiter, die heute noch aktiv sind. Er hat den Klub nie ganz aus den Augen verloren und mir schon auch ein paar Dinge erzählt, aber ich möchte mir ein eigenes Bild vom FC Augsburg machen und gehe mit sehr viel Zuversicht und großer Motivation an diese Aufgabe heran.

Mit Darmstadt 98 haben Sie eine überaus erfolgreiche Zeit erlebt und gleich zwei Aufstiege feiern können. Nun wartet beim FC Augsburg eine neue Herausforderung auf Sie. Welche Ziele haben Sie und wie wollen Sie diese Aufgabe angehen?

Schuster:
Ich habe ein richtig gutes Gefühl dabei, den Weg weiterzuführen, den dieser Verein die letzten Jahre beschritten hat. Das Ziel muss sein, auch für die nächsten Jahre Bundesliga-Fußball in Augsburg anzubieten, deshalb steht der Klassenerhalt an oberster Stelle.

Welche Möglichkeiten sehen Sie nun mit Ihrem neuen Verein?

Schuster:
Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sind in Augsburg natürlich etwas besser als in Darmstadt, wenn man von der Infrastruktur ausgeht. Die WWK ARENA ist ein überragendes Stadion, der Verein ist wirtschaftlich sicher besser aufgestellt und es gibt bessere Trainingsbedingungen, auch wenn Darmstadt in diesem Punkt nachgezogen hat. Aber alles in allem ist Augsburg für uns der richtige Schritt zur richtigen Zeit.

Sie sind in Darmstadt unter anderem auch durch das rosa Leibchen im Training bekannt geworden. Haben Sie sich bereits ähnliche Teambuilding-Maßnahmen für den FCA überlegt?

Schuster: Wir haben uns in dieser Hinsicht schon die verschiedensten Gedanken gemacht und werden uns zu gegebener Zeit damit auseinandersetzen und vielleicht auch zur Anwendung bringen. Sowas kann passieren, muss aber nicht.

War das eine reine Motivations-Maßnahme oder kam damit auch der Spaßfaktor nicht zu kurz?

Schuster:
Wir wollten den Wettkampfgedanken damit stärken, weil das Leibchen ja eigentlich keiner anziehen möchte. Andererseits haben wir mit einem Bild in der Kabine auch immer den Mitarbeiter des Monats gekürt, so dass sich das wieder ausgeglichen hat.

Warum war das Leibchen rosa und nicht zum Beispiel grün?

Schuster: Unser Zeugwart hatte gerade ein rosa Leibchen übrig, da haben wir das genommen! (lacht)

Vielen Dank für das Interview und einen guten Beginn beim FCA!

(pm)
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