Effektive Augsburger Notelf entführt drei Punkte aus Bremen

Auch in Bremen konnten die Augsburger Spieler jubeln. (Foto: Archiv)

Auf neun Verletzte oder gelbgesperrte Spieler musste Markus Weinzierl beim wichtigen Abstiegskracher in Bremen verzichten.

Dieser Aderlass war seiner Mannschaft anzumerken, denn spielerisch blieb der FCA vor allem in der ersten Halbzeit blass und lag zurecht 0:1 hinten. Aber die Mannschaft machte in der zweiten Halbzeit aus der Not eine Tugend und fand über den Kampf und Teamgeist zurück ins Spiel. Mit der nötigen Portion Glück und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor drehten Alfred Finnbogason und Jeong-Ho Hong die Partie. Die Verletzung von Alexander Esswein und Raul Bobadillas lustloser Auftritt sind die Wermutstropfen, die trotz des Sieges bleiben.

Vor der Partie des FC Augsburg (Tabellen 16. / 27 Punkte) beim SV Werder Bremen (Tabellen 15. / 28 Punkte) war allen klar worum es ging: Abstiegskampf. Während Bremens Trainer Viktor Skripnik nur auf seinen Top Torjäger Claudio Pizarro verzichten muss, muss Augsburgs Trainer Markus kräftig improvisieren. Gleich acht Spieler fehlen verletzt oder gelb-gesperrt: Kapitän Paul Verhaegh, Jan Moravek, Dong-Won Ji, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Kostas Stafylidis und Piotr Trochowski fehlen verletzt, Ja-Cheol Koo und Markus Feulner sind gelbgesperrt. Darüber hinaus verzichtete Markus Weinzierl freiwillig auf Raul Bobadilla, der seiner Ansicht nach in Mainz zu wenig nach hinten gearbeitet hat. Kurzfristig kam vor dem Spiel noch der Ausfall von Dominik Kohr hinzu. So kamen unter anderem Daniel Opare (rechter Verteidiger) zu seinem Pflichtspiel-Debüt und Christoph Janker auf der Doppelsechs zum Einsatz.

Die Anfangsphase gehörte eindeutig den Bremern, die auf eine frühe Führung drängten, aber bis auf Vestergards Kopfball aus der 5. Minute wenig echte Torchancen hatten. Markus Weinzierl schien die taktische Marschroute umgestellt zu haben, das Ziel konnte nur lauten die in den letzten Spielen wacklige Defensive zu stärken. Daniel Baier blieb auch bei eigenem Ballbesitz tief stehen, den Spielaufbau übernahmen Christoph Janker und die beiden Innenverteidiger. Mit langen diagonalen Pässen versuchten sie das Bremer Mittelfeld zu überspielen und die eigenen Flügelspieler einzusetzen. Es blieb bei eher kläglichen Versuchen, denn in der ersten Halbzeit sollte der FC Augsburg keinen einzigen Schuss auf das Bremer Tor, immerhin die schlechteste Defensivreihe der Liga, zustande bringen. Beispielhaft für die Augsburger Harmlosigkeit war ein Daniel Baier Freistoß in der 33. Minute. Baier täuschte eine Flanke an und spielte den Ball rechts an der Mauer vorbei auf Finnbogason. Doch Bremens Verteidiger Santiago Garcia drängte Finnbogason ab. Der lief mit dem Ball einfach ins aus.

Nach etwa 20 Minuten ebbte die erste Anfangsoffensive der Bremer langsam ab und die Augsburger konnten sich etwas befreien. Das Spiel war in der Folgezeit von vielen Fehlpässen und technischen Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten geprägt. Dadurch das die Gäste aus Augsburg sich nun etwas mehr am Spiel beteiligten entstanden mehr Räume für die Bremer Spieler, die diese für gefährliche Konter nutzten. Diese Konter mündeten nicht selten in Bremer Eckbällen (Bremen bisher 8 Tore nach Ecken in der laufenden Saison). So auch in der 43. Minute. Die Situation schien nach der Ecke nacheinander geklärt. Aber Daniel Opare reagierte zu langsam und Grillitsch schnappte sich das Leder und schoss einfach mal flach aus 22 Metern aufs Tor. Der Ball war nicht sonderlich scharf geschossen, Hitz sah den Ball aber zu spät, da zwei Mann in seinem Blickfeld im letzten Moment hochsprangen.

Neben der Bremer Führung kurz vor der Pause, musste die Augsburger-Elf noch den Ausfall Nummer zehn verkraften. In der 32. Minute hatte sich Alexander Esswein in einem Zweikampf verletzt. Für ihn kam Raul Bobadilla.
In der Pause hatte Weinzierl seinen Spielern wohl ordentlich den Kopf gewaschen. Jedenfalls kamen sie deutlich aggressiver und mit mehr Biss aus der Kabine. Nach dem Spiel meinte Stefan Reuter (Manager FCA), „Die Spieler waren in der 1. Halbzeit extrem nervös. Aber dann hatten sie nichts mehr zu verlieren, das wirkte befreiend und dann wurden die Bremer nervös“. Dieser neu entfachte Kampfgeist wurde in der 55. Minute belohnt, als Caiuby auf der linken Seite unbedrängt bis auf die Grundlinie vorstoßen und in den Fünfer flanken konnte. Dorthin war Finnbogason gelaufen und von dort köpfte er den Ball aus kurzer Distanz unten links ins Tor.

Bremen blieb das insgesamt bessere und aktivere Team und hätte beinahe die erneute Führung erzielt. Die Chance entstand, wie hätte es anders sein können nach einer weiteren Bremer Ecke. Die scharf hereingetretene Ecke drückte Bremens Fin Bartels Richtung Augsburger Tor - aber Philipp Max rettete für seinen geschlagenen Keeper auf der Linie! Bremen drückte nun vermehrt auf den erneuten Führungstreffer. Die so entstandenen Freiräume nutzte der FC Augsburg um mit eigenen Kontern für Entlastung zu sorgen. So schaltete sich auch auf der rechten Seite Daniel Opare vermehrt ins Offensivspiel ein, er hatte sich gegen Ende der Partie an die Bundesliga akklimatisiert.

Weinzierl mit dem goldenen Händchen


Eigentlich hatte man sich auf Augsburger Seite schon mit dem Unentschieden angefreundet, als der Trainer in der 86. Minute Jeong-Ho Hong brachte, um die Defensive weiter zu stärken. Doch sollte ganz anders kommen – besser! Nur eine Minute nach seiner Einwechslung erzielte Hong nach einem Baier-Freistoß aus dem Halbfeld den Siegtreffer.
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