Ein EM-Song aus Augsburg: Kann das gutgehen?

"ER & Band" beim Videodreh am Rande des Public Viewing in Augsburg-Göggingen. (Foto: Valterio D'Arcangelo)

Beinahe 80.000 Mal ist ihr Video auf Facebook bereits geklickt worden: Die Augsburger „ER & Band“ haben ein Lied zur Fußball-Europameisterschatf beigesteuert. Originelle Idee, wird manch einer sagen. Doch der Song ist tatsächlich gar nicht mal so schlecht.

„Wir holen uns den Pott“ heißt das Lied, der Kombo aus der Fuggerstadt. Das lässt angesichts manch grauenvoller EM-Song-Exemplare Schlimmes erahnen. Wird in Zeiten großer Fußballturniere die Videoplattform Youtube doch von schrillen bis schauderhaften "Schland"-Liedern heimgesucht.

"Komm mach mal Platz da, für den Weltmeista, Ihr habt doch sowieso keine Sonne", trällen etwa Jogis Löwen. "Was wollen wir jubeln, an dem Spielfeldrand? Was wollen wir jubeln?", fragt eurphoriegeschwängert die Band "Reservebank" - die mal besser eben dort sitzen geblieben wäre - und schiebt die passende Antwort hinterher: "Deutschland!"

Platzverbot sollte man auch der Gruppe "Co-Trainer" erteilen, die ihren geregelten EM-Tagesablauf schildern: "Hau die Wurst auf den Grill, ja beim Fußball wird gesoffen, jeder wie er will und am Ende sturzbesoffen. Es gibt immer was zu feiern, denn die Jungs holen den Pokal, Schwarz-Rot-Gold, das ist einfach nur geil."

In Gedanken malt sich der Hörer einen Oropax-Firmenboss aus, der während EM- und WM-Turnieren mit 100-Euro-Scheinen um sich wirft. "Ich könnte das an jedem Spieltag machen und hätte abends immer noch mehr Geld als am Morgen."

Wie dem auch sei: Das befürchtete Ohrenbluten bleibt aus, als der Link in der Pressemitteilung einer Augsburger Tanzschule auf das Video von "ER & Band" geklickt wird.



Ein bissl Saxophon, ziemlich viel Sommerrhythmus (die Kollegin summt immer noch die Melodie), eine raue Singstimme. Freilich ist das Ding textlich kein Dylan-Song, aber es trieft auch nicht vor übersteigertem Pseudopatriotismus.

Europameisterschaftseuphorische Deutschlandfans dürften sich in dem Lied durchaus wiederfinden, wenn es ums steigende Adrenalin zum Anpfiff geht und um die Emotionen, die während eines Länderspiels freigesetzt werden.

Und klammern wir den Satz "Es geht um das Wichtigste: Fußball, Feiern, Tor" aus der Presse-Information einmal aus, haben die Augsburger Bayram Er und Tarkan Güler damit tatsächlich einen durchaus hörbaren Titel produziert - und das ist von einem EM-euphorie-befreiten Autor auf jeden Fall als großes Lob einzuordnen. Der Oropax-Lobby wird das nicht gefallen.
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