Eine tolle Saison ist zu Ende: Augsburger Panther verlieren Spiel sieben

Immer zahlreich, immer laut: Die Fans des AEV
 
Klatschpappen und weiße Winketücher: Das Nürnberger Arena-Publikum
Nürnberg: Arena Nürnberger Versicherung |

Game seven, das entscheidende siebte Spiel. Wer gewinnt zieht ins Halbfinale ein, der Verlierer hat Sommerpause. Weder Nürnberg noch Augsburg standen je in einem solchen Spiel sieben, denn erst seit 2012 werden auch in der DEL vier Siege zum Weiterkommen in den Playoffs benötigt. Deshalb gab es in Deutschland erst sieben solche Spiele - sechs davon gewann das Gast-Team. In Nürnberg leider nicht: die Augsburger Panther verloren ihr letztes Saisonspiel, Nürnberg zieht ins Halbfinale ein.


Bildergalerie Spiel sieben

Was bisher geschah:
Eine epische Serie im Schnelldurchlauf

Diese Serie hatte alles, was man sich als Eishockeyfan wünschen kann: Im ersten Spiel drehte der AEV eine frühe Nürnberger Führung und gewann verdient auswärts, weil es der Saboteur Brandon Prust im harten aber meist fairen Spiel übertrieb. Dann schlug Nürnberg im Curt-Frenzel-Stadion zurück, nutzte ein frühes Powerplay und gewann durch Konter mit 3:1. Spiel drei in Nürnberg begann torreich, sah einen blendend aufgelegten AEV, dessen Aufholjagd (man lag schnell 1:3 zurück) trotz vieler Chancen nur bis zum Ausgleich reichte, dann schlug Nürnberg eiskalt zu. Spiel 4 sah mit Ben Meisner einen Augsburger Ersatztorhüter in Gala-Form, das Curt-Frenzel-Stadion erwies sich als Hölle des Südens für die Nordbayern. Im fünften Spiel der nächste Auswärts-Steal, wieder ließ der sensationelle Meisner die Franken verzweifeln, während seine effektiven Vorderleute bei Kontern Nadelstiche setzten: 5:1-Sieg bei 13 zu 43 Torschüssen, eine surreal anmutende Statistik. Im letzten Heimspiel hätte der AEV den Sack zumachen können, aber ein sehr gut verteidigendes Nürnberger Team wehrte sich gegen das Ausscheiden und entschied das Spiel mit einem "Arschlochtor" (so gefordert von Nürnbergs Möchel im Fernsehinterview).

Die Ausfälle

Schwer wog in diesem sechsten Spiel der Ausfall von Top-Defender Mark Cundari, der nicht nur wichtig in der Verteidigung, sondern auch im Spielaufbau ist. Gerade bei den wenigen Überzahlmöglichkeiten machte sich sein Fehlen schmerzlich bemerkbar. Für ihn und TJ Trevelyan rutschten die beiden Stürmer Mike Davies und Evan Trupp ins Team, denen man die fehlende Spritzigkeit nach ihren Verletzungen deutlich ansah. Hans Detsch saß im Heimspiel als Aufpasser auf der Bank und nahm, als es für Gabe Guentzel nach einem harten Check gefährlich wurde, Nürnbergs Raubein Brandon Prust durch einen Fight mit aus dem Spiel. Auswärts, wo die Heimmannschaft das Recht des Reagieren auf Wechsel hat, funktioniert so ein Kampf nicht unbedingt. Für ihn spielte im letzten Spiel wieder TJ Trevelyan.

Sieg oder Saisonabbruch

Die Serie war rasant, hart und meistens fair. Es gab Auswärtssiege en masse, jetzt sollte der dritte für den AEV folgen, der erfolgreich den Fluch vergangener Jahre bekämpft hatte: Nirgendwo sonst fiel dem AEV das Siegen so schwer wie in Nürnberg, die Siege in Spiel eins und fünf bedeuteten erst den 10. und 11. dort überhaupt. Warum also nicht noch einmal? Do-or-die-Spiele gab es bei beiden Teams schon mehrere, damals im Modus Best-of-Five (Playoffs) oder Best-of-Three (1. Playoff-Runde). Die letzte Niederlage Augsburgs in einem solchen entscheidenden Spiel liegt zwölf Jahre zurück, seitdem wurden bei Erreichen solche Spiele auch gewonnen. Für Nürnberg dagegen war traditionell meist im Viertelfinale Endstation. Heute leider nicht.

Nach Abseits: Nürnberg egalisiert AEV-Führung

Das Spiel begann flott und nach einer frühen Strafzeit gegen Trevor Parkes erspielte sich der AEV gute Chancen, v.a. als Augsburg in Überzahl spielen durfte. Das Tor durch Stieler fiel kurz darauf, wurde jedoch nach nur 36 Sekunden durch Ehliz ausgeglichen. Irregulär, denn vor dem Schuss war der Puck kurz aus dem Angriffsdrittel gerutscht.

Ergebnislose Feldüberlegenheit des AEV

Der AEV hatte eine Feldüberlegenheit und ein leichtes Chancenplus, vor allem nachdem Yasin Ehliz nach einem Schlagschuss aufs Ohr durch seinen Sturmpartner Reimer ausfiel. Das ging so weiter, auch zu Beginn des Mitteldrittels hatte Augsburg mehr vom Spiel. Die Tore schossen aber die Franken. Erst wehrte Meisner einen Schremp-Schuss in den Lauf von Blacker ab, dann nahm Parkes eine dumme Strafe und Nürnbergs "Spieler des Jahres" legte in Überzahl nach. Patrick Reimer war die meiste Zeit der Serie damit beschäftigt, sich des äußerst lästigen Aleksander Polaczek zu erwehren, als es drauf ankam traf er.

Für die Augsburger Panther reicht es dieses Mal nicht: Comeback-Kings am Ende

Gleich zu Beginn des Schlussabschnitts der nächste Dämpfer, das 4:1. Aber Augsburg gab sich nicht auf, stürmte weiter und hatte damit Erfolg: nach Shuggs und Holzmanns Doppelschlag war die Hoffnung auf eine Verlängerung wieder da. Aber nur für kurze Zeit, denn Möchel stellte in der 53. Minute den alten Abstand wieder her. Der AEV rannte weiter an, aber jetzt verwalteten die Mittelfranken den Vorsprung bis zur Schlusssirene.

Eine überragende Saison und ein tolles Viertelfinale fanden in der Nürnberger Arena ein letztlich zu schnelles Ende. Der Trost für die AEV-Fans: das Team bleibt größtenteils zusammen und kann in der kommenden Saison wieder angreifen.

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Anton Gruber aus Augsburg - City | 28.03.2017 | 19:21  
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