Ex-Panther Tom Kühnhackl bringt den Stanley Cup nach Bayern

  Landshut: Rathaus | Seit 1894 wird um ihn gespielt, den berühmtesten und am schwersten zu gewinnenden Pokal der Sportwelt: Den Stanley Cup. Er ist mit Sockel - auf ihm sind die Sieger-Teams mit allen Spielern eingraviert - 90 cm hoch und wiegt etwa 20 kg. Tom Kühnhackl ist erst der dritte deutsche Eishockeyspieler, dessen Namen man dort findet: Uwe Krupp und Dennis Seidenberg nahmen ihr Recht jedoch nicht wahr, den Cup in ihren Heimatstädten zu präsentieren, so dass er jetzt mit Tom Kühnhackl zum ersten Mal in Deutschland Station machte.

Andere Spieler wie Nationaltrainer Marco Sturm absolvierten über 1000 Spiele in der NHL und gewannen nie die Meisterschaft, der 24-Jährige Kühnhackl lief in nur 42 Hauptrunden- und 24 Playoff-Spielen auf und siegte schon in seiner Rookie-Saison.

Vier Spiele für den AEV

Dass aus dem Niederbayern etwas "Großes" werden würde, zeichnete sich früh ab: Der Sohn von Erich Kühnhackl, "Deutschlands Eishockeyspieler des (vergangenen) Jahrhunderts", mischte schon als Zwölfjähriger bei Landshuts U16 mit und war schon als Minderjähriger ein Leistungsträger des niederbayerischen Traditionsclubs. Seine wenigen Spiele in der DEL absolvierte er 2010 für Augsburg, er kam aber nur zu vier Einsätzen für den AEV in der Vizemeistersaison und spielte hauptsächlich in der 2. Liga für seinen Heimatclub. Anschließend zog es ihn über den großen Teich, wo er sich über die kanadische Juniorenliga OHL und die ECHL ins AHL-Farmteam der Pittburgh Penguins hocharbeitete.

In der ersten Saison zum Cup-Gewinn

Sein Glück war der schwache Saisonstart Pittsburghs: Im Dezember wurde dort Coach Mike Johnston entlassen, und dessen Nachfolger Mike Sullivan setzte auf die jungen Wilden der Ausbildungsmannschaft Wilkes-Barre/Scranton Penguins: Mit Erfolg, das Team um Kapitän Sidney Crosby steigerte sich, siegte sich in die Playoffs und gewann zum vierten Mal den Cup. Kühnhackl erzielte in der Vorrunde fünf Tore, dazu zehn Assists und traf auch in den Playoffs zwei Mal, gegen Washington und den entscheidenden Shorthander im ersten Spiel gegen die NY Rangers.

Der glückliche Sieger nahm den Stanley Cup am Vormittag am Flughafen München in Empfang und schaute zuerst im Landshuter Eisstadion vorbei - jedes EVL-Nachwuchsteam bekam dort ganz besondere Mannschaftsfotos, mit dem "Heiligen Gral" des Eishockeys. Dann wartete Presse und Prominenz im Landshuter Rathaus, während vor der Tür die Menge der Eishockey-Fans immer größer wurde: Fast 1000 Menschen warteten gespannt vor der Bühne, und daneben wurde die Schlange fürs Cup-Foto länger und länger.

Kühnhackls Nachwuchscoaches wurden interviewt, und dann war es endlich so weit: Durch ein Spalier EVL-Bambinis bahnte sich Tom Kühnhackl den Weg zur Bühne und stemmte den Pott in die Höhe - ein Privileg, das wie das Trinken von Sekt oder Bier aus dem Pokal nur seinen Gewinnern zusteht.

Skurriles um den Stanley Cup

Die Fans wurden aufgeklärt über Interessantes zum Stanley Cup: Ein Sieger darf einen Tag lang fast alles anstellen mit dem Pokal, nur zwei Dinge sind auch ihm verboten: Der Cup darf weder in Spiellokale noch in Stripclubs mitgenommen werden. Sonst ist vieles möglich: Babys wurden schon darin getauft, er wurde auf Bergspitzen verfrachtet, versank in Swimmingpools und wurde in die Sauna mitgenommen. Die Toronto Maple Leafs ließen ihn in ein Lagerfeuer fallen (und mussten die Reparatur bezahlen), die Montréal Canadiens vergaßen ihn nach einer Autopanne am Straßenrand, und einer ihrer Fans wollte ihn nach einem Playoff-Ausscheiden im Stadion von Chicago stehlen. Und ihn "dahin bringen, wohin er gehört: Nach Montréal", der Stadt des Rekordmeisters.

Nun ja, zur Zeit "gehört" er für 100 Tage den Pittsburgh Penguins, und an einem sonningen Tag brachte ihn Tom Kühnhackl ins bayerische Landshut.
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