FC Augsburg beweist Mut: Das Baum-Experiment

Bleibt Trainer in Augsburg: Manuel Baum. (Foto: Alexander Heinle)


Der FC Augsburg wählt mit der Entscheidung für den Bundesliga-unerfahrenen Manuel Baum einen mutigen Weg. Aber auch einen ebenso spannenden. Der neue FCA-Trainer im Porträt.

Der FC Augsburg hat mit seiner Antwort auf die Trainerfrage Mut bewiesen. Er setzt mit Manuel Baum auf einen Trainer, der nicht mehr als die beiden Bundesliga-Auftritte in seinem Lebenslauf stehen hat, als jene beiden vor der Winterpause mit dem FC Augsburg. Immerhin: Manuel Baum ist unbesiegt. Aus diesen beiden Borussia-Partien gegen Gladbach und Dortmund holte er vier Punkte. Das wird die Verantwortlichen darin bestärkt haben, Baum zu behalten.

Ein Entschluss, der jedoch auch ohne diesen kurzfristigen Erfolg nachvollziehbar gewesen wäre. Baum macht den FC Augsburg in der Rückrunde wieder interessant – etwas, das dem Klub unter dem defensiv-orientiert spielen lassenden Dirk Schuster abhanden gekommen war. Frisch, unverbraucht und voller Ideen; diesen Eindruck hinterlässt Baum in seinen ersten Wochen als Trainer. Dabei strahlt er Freude und Gelassenheit aus. Obwohl er, wie er vor dem Spiel beim BVB sagte, kaum schläft.

Einer wie Tuchel oder Nagelsmann? Baum ergibt langfristig gesehen Sinn

Nun hat also der FCA auch seinen Julian Nagelsmann (auch wenn Baum (37) freilich nicht ganz so jung ist, wie der Hoffenheim-Trainer(29)), seinen Thomas Tuchel (einst in Mainz) oder seinen Martin Schmidt (derzeit in Mainz). Alles Übungsleiter, die aus der Jugendarbeit ihrer Klubs kamen und zum Cheftrainer aufstiegen. Freilich ist das keine Gewinn-Garantie, nur weil man sich dem Trend zum Bundesligatrainer-Novizen anschließt.

Und doch: Baum ergibt langfristig gesehen Sinn. So kennt er vor allem die Struktur im Jugendbereich des FC Augsburg perfekt. Und hat wesentlich dazu beigetragen, dass es um den FCA-Nachwuchs bestens steht: Die U19 führt die Bundesliga-Südwest an, die U17 ist Vierter in der Jugend-Eliteklasse, ebenso das Sorgenkind U23 unter Trainer Christian Wörns in der Regionalliga Bayern. Entwicklungen, die für Manuel Baum sprechen – auch weil sich der FCA im Jugendbereich noch mehr mit den Großen der Branche herumschlagen muss als die Bundesligamannschaft. Versucht doch gerade der FC Bayern aggressiv, junge Talente für sich zu begeistern.

Mit Baum hat der FC Augsburg ein weiteres Argument für junge Spieler


Mit dem ehemaligen Nachwuchs-Chef als Trainer hat der Klub nun ein weiteres Argument für junge Spieler. Einen Teamchef, der den Jugendbereich genau im Auge hat. Letztlich muss es die Durchlässigkeit in die erste Mannschaft sein, mit der ein kleiner Klub wie der FC Augsburg im Werben um Talente punkten kann.

Baum ist zudem der Gegenentwurf zum grantelnden Alte-Schule-Trainer, der mit Kippe im Mundwinkel an der Seitenlinie die Mannschaft zusammenfaltet. Der 37-Jährige hat mit dem Bayerischen Fußballverband gar eine DVD mit dem Titel „Pressing richtig trainieren“ auf den Markt gebracht.


Manuel Baum: Trainer mit Tablet


Er trat schon bei seiner ersten Station als Trainer, in der dritten Liga bei Unterhaching, als Typ Übungsleiter auf, den Mehmet Scholl abschätzig „Laptoptrainer“ nennt. Setzte Taktik-Einheiten auf den Trainingsplan, gab Spielzügen Namen, wie es sonst etwa im Basketball gängig ist, und hatte am Spielfeldrand auch mal ein Tablet in der Hand. Das funktionierte im Tandem mit Claus Schromm zunächst gut. Als Baum aber alleiniger – jedoch nicht hauptberuflich – Cheftrainer wurde, verlor er sieben Spiele in Serie, und musste gehen – landete dafür aber im Nachwuchszentrum des FC Augsburg.

Baum war einst Torwart – mit 1,69 Meter


Die Haching-Episode ist die einzige Schramme in Baums Vita. Doch Baum hat Durchsetzungsvermögen, stand mit 1,69 Meter Körpergröße im Tor der 60er-Jugend und von Bayernligist Ismaning. Und seine Benennung zum Cheftrainer wird getragen von einer gewissen Euphorie. Bereits gegen Gladbach und Dortmund war im Umfeld des Vereins und unter den Fans eine deutliche Aufbruchstimmung spürbar.

Baum ist übrigens bereits Deutscher Meister. Der studierte Lehrer trainierte die Schülermannschaft der Walter-Klingenbeck-Realschule aus Taufkirchen, führte die Burschen 2011 zum Titel. Seit 2014 ist Baum vom Schuldienst freigestellt – seit er für den FC Augsburg arbeitet. Dort hat er jetzt ein Ziel, das sogar noch gewaltiger klingt als eine Meisterschaft zu holen: Er soll dem FCA seine Identität zurückgeben.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.