FC Augsburg bringt sich um den verdienten Lohn

 

Dreimal Tiefschlaf in der 10., 84. und 86. Minute brachten den FCA um einen verdienten Heimsieg und damit um eine gute Ausgangslage für das Endspiel um die Zwischenrunde in der Europa League in Belgrad. Am Ende verlor die Mannschaft von Markus Weinzierl nach zwischenzeitlicher 2:1 Führung noch mit 2:3 gegen Athletic Bilbao.

Im Vergleich zum 4:0 Erfolg gegen den Vfb Stuttgart wirbelte Markus Weinzierl seine Mannschaft kräftig durch. So rückten mit Stafylidis, Ji, Altintop, Janker und Trochowski gleich fünf Spieler neu in die Startelf für Jan Ingwer Callsen-Bracker, Max, Koo, Bobadilla und Caiuby. Als die Spieler beider Mannschaften um kurz vor 19 Uhr den Platz betraten, bereiteten die Augsburger Fans ihnen einen Europa-Cup würdigen Empfang. Die Ränge der Zuschauer waren rot-grün-weiß in die Farben der Stadt und des FCA getaucht.

Angefeuert von den eigenen Fans übernahm die Heimmannschaft die Spielkontrolle und versuchte von Anfang an zu zeigen wer Herr im Haus ist. Doch diese Bemühungen erfuhren in der 10. Minute einen herben Dämpfer. Nach einem Einwurf von Bilbao in der Augsburger Häfte kam Daniel Baier zu spät in den Zweikampf mit seinem Gegenspieler Markel Susaeta. Der nutzte den Freiraum und zog aus 20 Metern zum 0:1 aus Augsburger Sicht ab.

Der Tabellenvorletzte der Bundesliga war nach der frühen Gästeführung keineswegs geschockt. Aber Bilbao stellte die Räume geschickt zu, so dass der FCA nur nach weiten Diagonal-Bällen und Eckbällen gefährlich in die Nähe des Tores von Iago Herrerín (Bilbaos Keeper) kam. Eine dieser Möglichkeiten stammte aus der 19. Minute, als die Augsburger Spieler nach einer Ecke Elfmeter forderten. Gleich zweimal sprang der Ball in dieser Situation einem Athletic-Spieler an die Hand, doch beide Male war die Hand angelegt und der Spieler wurde aus nächster Nähe angeschossen - zurecht gab es dafür keinen Strafstoß.

Mitte der ersten Halbzeit kontrollierte Augsburg das Spiel und hatte mehr Ballbesitz, doch Bilbao lauerte auf Konter, die jedoch von den in dieser Phase sehr aufmerksamen Dominik Kohr und Daniel Baier im Keim erstickt werden konnten. Mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich das Spiel immer weiter in die Hälfte des Gegners. Mit dem Druck nahm die Fehlerquote in Bilbaos Hintermannschaft zu und Augsburg konnte immer mehr zweite Bälle erobern. Nach einem am Strafraum abgeblockten Augsburger Angriff, eroberte Stafylidis in der 41. Minute den Ball mit einer beherzten Grätsche sofort wieder zurück. Der Ball sprang zu Trochowski. Mit einer blitzschnellen Drehung zog er aus 20 Meter ab. Dank einer Portion Glück wurde der Ball unhaltbar zum 1:1 Ausgleich abgefälscht. Trochowski hatte schon im Hinspiel gegen Bilbao getroffen, damals allerdings per Freistoß.

Der Ausgleich kurz vor der Pause sollte der Augsburger Mannschaft Auftrieb geben. Sie kam druckvoll und voller Elan aus der Kabine. Nun mündete der Ballbesitz auch in Torchancen. Bilbao geriet im ströhmenden Regen/Graupel zunehmend unter Druck. Jii vergab in der 51. Minute die Riesenchance zur 2:1 Führung! Der Südkoreaner wurde sehenswert von Trochowski geschickt, umkurvte freistehend den Keeper und wurde im letzten Augenblick von Innenverteidiger Laporte geblockt - Ji hatte einen Tick zu lange gezögert. Der Chance ging eine Balleroberung von Baier an der Mittellinie voraus.

Raul Bobadilla kam, sah und schoss ein Tor


Augsburgs Trainer Markus Weinzierl bewies mit seinen Wechseln ein gutes Händchen: Bilbaos Keeper Herrerin lies Jiis Schuss nach vorne abklatschen, Bobadilla, gerade erst eingewechselt, war zur Stelle und köpfte die Kugel locker zur verdienten 2:1 Führung für den FCA ein (59. Minute). Der FCA hatte danach den Gegner im Griff und suchte die Entscheidung zum 3:1.

Der international sehr erfahrene und hoch ambitionierte Gegner Bilbao kam nur ganz selten gefährlich an den 16er. Auch Marvin Hitz, der Augsburger Torhüter, erlebte ein unerwartet ruhiges Spiel. Die Herausforderung für den schweizer Nationalkeeper bestand eher darin bei den kalten Temperaturen hellwach zu bleiben. Bis auf die Situation in der 10. Minute beim Gegentor zum 0:1, bot die Augsburger Hintermannschaft eine souveräne und hochkonzentrierte Vorstellung - bis zur 84. Minute.

Zwei Minuten Tiefschlaf


Doppelschlag von Aritz Aduritz in der 84. und 86. Minute: Zweimal Flanke von Williams von der linken Augsburger Abwehrseite in die Mitte, zweimal konnte sich Aritz Aduritz von seinem Gegenspieler Christoph Janker lösen und zweimal landete der Ball im Tor - zuerst mit dem Kopf, danach mit dem Fuß. Die beiden Tore hatten sich nicht angedeutet und entsprachen nicht dem Spielverlauf. Aber die eiskalte Chancenverwertung - drei Chancen, drei Tore - ist Teil der internationalen Klasse von Athletic Bilbao. Es wäre Unfair die beiden Gegentore Janker allein anzulasten, er war nur das jeweils letzte Glied einer längeren Fehlerkette. Mit diesen zwei Minuten Tiefschlaf, die man sich auf internationaler Ebene nicht leisten darf, hat sich die Mannschaft um den verdienten Lohn gebracht.

Nach Sieg am vergangenen Samstag in der Bundesliga wollte die Mannschaft von Markus Weinzierl in der Europa-League-Partie gegen Athletic Bilbao die Kür genießen. Mit einem Sieg hätte sie sich eine gute Ausgangsposition für das Finale um den Zwischenrundeneinzug am 10. Dezember bei Partisan Belgrad verschafft. Trotz des Auswärtssieg von Belgrad in Alkmar, kann der FCA immer noch aus eigener Kraft weiterkommen. Er benötigt dafür jedoch einen Sieg mit mindestens drei Toren Vorsprung, denn der direkte Vergleich spricht für Belgrad. Erschwert wird die Aufgabe durch die Gelb-Sperren von Dominik Kohr und Alexander Esswein.

Am Sonntag (17.30 Uhr) empfangen die Augsburger in der Bundesliga aber erstmal den VfL Wolfsburg. Die Aufgaben werden also nicht leichter.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.