FC Augsburg: Das Kaderschmieden hat begonnen

Wie viel der FC Augsburg an seinem Kader verändern muss, hängt vor allem von zwei Spitzenklubs ab. Ansonsten muss er eher an- statt umbauen. Der finanzielle Spielraum könnte mit einer Personalie eine neue Dimension erreichen.

Die wichtigsten Personalien machte der FC Augsburg bereits im April klar: Trainer Markus Weinzierl verlängerte sein Arbeitspapier bis 2019, Manager Stefan Reuter gar bis 2020. Das ist ein stabiles Fundament, auf dem langfristig die Mannschaft weiter aufgebaut werden kann. In der kommenden Spielzeit wird wohl eher an- als umgebaut. Im zentralen Mittelfeld könnte auf die Architekten jedoch ein schwerer Job zukommen.

Torhüter: Marwin Hitz hatte seinen Platz im Tor der Augsburger zuletzt so sicher wie der Perlachturm den seinen neben dem Rathaus. Und das trotz langer Verletzungspause. Das Vertrauen rechtfertigte er mit oft mehr als soliden Leistungen. Allerdings hat der FC Augsburg seinen 2016 auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert.

Dafür aber mit Torhüter Nummer zwei. Und das war für den FCA ein wichtiger Schritt: Alexander Manninger hat trotz seiner 37 Lenze den Ehrgeiz eines Jungspunds, der am Hau den Lukas auf dem Plärrer seine Flamme beeindrucken will. Jedes Training ist für ihn wie ein Endspiel, jeder Torschuss wie der entscheidende Elfmeter. Und trotzdem hält er still, stellt keine Forderungen, lässt den Marwin machen. Wenn der mal verletzt ist, erledigt eben "Manni" den Job.

Abwehr: In der Zentrale hat der FC Augsburg mit Ragnar Klavan einen Verteidiger, der einen unweigerlich an die Kanten aus der englischen Premier League denken lässt. Kein Wunder, dass von der Insel immer wieder Gerüchte um den Esten über den Kanal schwappen. Dass er, dessen Traum von England kein Geheimnis ist, übersiedelt, ist eher unwahrscheinlich. Vergangenes Jahr verlängert und Vater geworden, hat der 29-Jährige wohl keine Not, Augsburg zu verlassen. Mit Jan Ingwer Callsen-Bracker bildet er zudem ein souveränes Duo. Auch nach dessen Verletzung klappte es mit Jeong-Ho Hong mehr als ordentlich. Und dann wären da noch Christoph Janker, der im Winter kurzfristig als Back-Up verpflichtet worden war.

Handlungsbedarf besteht wohl eher auf den Flügeln. "Kometenhaft" ist Abdul Rahman Baba nicht nur laut Markus Weinzierl aufgestiegen. Und die Gerüchte, die um ihn kreisen, scheinen für FCA-Verhältnisse einem anderen Kosmos zu entschweben: Real Madrid, Chelsea FC oder der AS Rom sollen interessiert sein, Mondpreise von bis zu 22 Millionen Euro werden genannt. Weinzierl ist dennoch zuversichtlich, dass Baba mit den Füßen auf der Erde bleibt - und auch nächste Saison auf dem Rasen der SGL-Arena steht. Wenn nicht: In Hamburg könnte bald ein Linksverteidiger wieder zurück in Liga eins wollen.

Auf der Position besteht ohnehin schon Bedarf beim FCA: Nachdem Marcell de Jong zur Halbserie abgegeben wurde, fehlt es an einem Ersatz für Baba. Auf der anderen Seite steht Markus Feulner parat, falls Kapitän Paul Verhaegh mal ausfallen sollte. Eine zusätzliche Möglichkeit wäre Mitchell Weiser, dessen Vertragssituation bei den Münchner Bayern ungeklärt scheint. Auf der linken Seite grassierten bereits im Winter Gerüchte um einen anderen Münchner: Maxi Wittek vom TSV 1860. Der 19-Jährige konnte jedoch in der Rückrunde nicht überzeugen, wurde kurzzeitig gar in die Regionalliga-Mannschaft zurückgestuft. Talentiert ist er trotzdem und ein Transfer finanziell zu stemmen.

Mittelfeld: Mein linker, linker Platz ist frei: Wer neben Daniel Baier im Maschinenraum des FC Augsburg künftig den Kohleofen anheizt, hängt stark von zwei großen Klubs ab: Bayer Leverkusen und Bayern München. Der FCA würde Dominik Kohr gerne fest verpflichten. Jedoch hat Bayer nach dem Karriereende von Simon Rolfes und den Abgängen von Stefan Reinartz und Gonzalo Castro selbst einen linken, linken Platz neben Rückkehrer Christoph Kramer und Lars Bender in der Schaltzentrale frei.

Was Pierre-Emile Höjbjerg anbelangt, könnte die Verlängerung der Leihe eine ziemliche Hängepartie werden. Der Däne selbst kann sich ein weiteres Jahr beim FCA vorstellen. Darüber entscheiden aber die Bayern - und wie umfassend der Umbruch sein wird, der sich an der Säbener Straße ankündigt. Zudem bringt die "Sport Bild" Borussia Dortmund als möglichen Abnehmer ins Gespräch - und zwar mit einem Tauschgeschäft: Höjbjerg gegen Ilkay Gündogan.

Vergessen werden sollte auch nicht Jan Moravek, dessen lange Leidenszeit in der kommenden Spielzeit hoffentlich ein Ende hat. Auf der Zehn werden die Verantwortlichen hoffen, dass Dong-Won Ji wieder so total 2013 wird, um eine echte Altintop-Alternative zu werden - damals traf die Leihgabe in der Rückserie fünfmal für Augsburg.

Auf eine Außen-Variable für Tobi Werner und Alexander Esswein könnte Reuter in Paderborn gestoßen sein: Süleyman Koc soll ein heißer Kandidat sein. Auch Bayerns Weiser käme in Frage. Er fühlt sich auf den offensiven Flügelpositionen ohnehin wohler.

Sturm: In der vergangenen Spielzeit hatte der FCA wenig Glück mit den Neuzugängen im Angriff - klar, das lag auch an Verletzungen. Dennoch, vor allem Rekordeinkauf Tim Matavz ist vieles schuldig geblieben. Weinzierl jedenfalls baut auf seine "Qualitäten im Strafraum". Daher wird er ein weiteres Jahr Zeit bekommen, der klassische Mittelstürmer zu werden, der dem FC Augsburg fehlt. Im Gegensatz zu Nikola Djurdjic, mit dem Weinzierl dem Vernehmen nach nicht mehr planen soll.

Ein weiterer Paderborner als Verstärkung gefällig: Elias Kachunga. Jung, schnell, dynamisch und mit einem Marktwert von rund 2,3 Millionen Euro finanziell machbar. Als Speerspitze zwischen den beiden Außen sind durch den Freiburger Abstieg sollten freilich auch die SCF-Stürmer Admir Mehmedi und Nils Petersen interessant für den FCA geworden.

Aber man darf nicht außer Acht lassen; einer hat 2014/15 seinen Job überragend erledigt: Raul Bobadilla. Zehn Tore und vier Assists steuerte er bei. Ihn zeichnet aber mehr aus als starke Werte. Mit seinem unbändigen Einsatzwillen und seiner sympathischen Art hat das frühere Problemkind mittlerweile einen festen Platz im Herzen der Fans.

Fazit: Der FC Augsburg muss im zentralen Mittelfeld möglichst schnell Klarheit haben, ob die beiden Leihgaben Kohr und Höjbjerg zu halten sind. Das hängt aber nicht nur von Reuters Verhandlungsgeschick ab, sondern von den Plänen ihrer jeweiligen Stammvereine. Tim Matavz wird vorne wohl noch eine Chance bekommen, sich als der Knipser zu beweisen, den der FCA zweifelsohne braucht.

Ansonsten muss der FC Augsburg in die Breite investieren. Der finanzielle Spielraum hängt eng mit einem möglichen Baba-Abgang zusammen. Sollten die kolpotierten 20 Millionen Euro plus X in die Vereinskassen fließen, eröffnen sie Reuter und Co. unbekannte Dimensionen. Dass das Gehältergefüge stabil bleibt, dafür werden die Verantwortlichen sorgen. Das Geld birgt dennoch eine Gefahr: Der FCA wird plötzlich als gut betuchter Klub gelten, der für Neuverpflichtungen ruhig etwas tiefer in die Tasche greifen darf.
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