FC Augsburg: Der Fall Bobadilla und die seltsamen Auswüchse des Fußballgeschäfts

Raul Bobadilla mit dem FC Augsburg in Liverpool: Der gefeierte Joker konnte nicht den Treffer zum Weiterkommen erzielen. (Foto: Martin Augsburger)

Auch der FC Augsburg kann sich den im Universum Profifußball herrschenden Kräften nicht entziehen. Im Fall Raul Bobadilla hat das seltsam paradoxe Konsequenzen. Der Publikumsliebling gerät im Transfersommer zur Verschiebeware.

Ob es an der Liverpooler Anfield Road jemals so laut war, wenn sich ein Einwechselspieler der Gastmannschaft ein Aufwärmleibchen überstreifte? „Raul Bobadilla“ schallte es aus der Menge der Augsburger Schlachtenbummler durch die Kultstätte, gefolgt vom obligatorischen „Ohohohohoh“.

Der stiernackige Stürmer ist einer der größten Publikumslieblinge der vergangenen Jahre beim FC Augsburg. Mit seiner wuchtigen und doch technisch hochwertigen Spielweise hat der tattoobedeckte Offensivkünstler seinen Namen in die rot-grün-weißen Fan-Herzen gestochen.

Vom Enfant terrible zum eingeauschburgten Argentinier


Endlich war Bobadilla angekommen. Er, für den der Schweizer Boulevard in seiner Baseler Zeit Fotografen abstellte, die Bobadillas Haus nicht aus den Augen ließen. Der stets mit Temperament und Tempo zu kämpfen hatte.

Bobadilla legte das Enfant-terrible-Image – bis auf eine Keilerei zu später Stunde auf dem Augsburger Presseball – ab, entwickelte sich beim FCA zu einem der gefährlichsten Angreifer der Liga und vor allem zum eingeaugschburgerten Argentinier (der mittlerweile für Paraguays Auswahl kickt).

Mit dem Ende der EM beginnt das große Schachern


Nun jedoch läutet das Ende der Europameisterschaft endgültig das große Schachern ein. Der Transfermarkt nimmt Fahrt auf, mit Summen, die außerhalb des Entertainment-Planeten Profifußball außerirdisch wirken dürften und auch humanistische Fragen aufwerfen, ob denn ein einzelner Mensch Millionen wert ist und man soviel Geld nicht anderswo in der Gesellschaft besser anlegen könnte.

Aber so läuft das nun einmal in der Atmosphäre der Fußballwelt, die sich mittlerweile vielerorts mehr ums Geld als um den Sport dreht. In der neben dem Ballgefühl des Kickers auch der Werbewert in astronomische Ablösen einfließt und in der manch gieriger Berater die Spieler umkreist.

Bei Bobadilla prallen zwei Welten aufeinander


Freilich schwirrt auch der FC Augsburg als mittlerweile etablierter Bundesligist durch dieses Universum und kann sich den darin wirkenden Kräften nicht entziehen. Das begann bei Abdul Rahman Baba, der vorige Saison zu Chelsea London entschwebte, und führte sich mit Markus Weinzierls Wechsel zu Schalke fort.

Große Anziehungskraft strahlt derzeit eben Raul Bobadilla aus. Und so prallen die Publikumslieblings-Welt und die des Transferirrsinns krachend aufeinander.


Vom Liebling zur Verschiebe-Ware


Guangzhou aus China und Hull City aus Englands zweiter Liga sollen Bobadilla locken. Die Reaktionen darauf zeigen, wie erschreckend normal Spielerverkäufe geworden sind. Selbst Fans schachern kräftig mit, wägen ab, für welche Summe sie den Angreifer gen Reich der Mitte ziehen lassen würden. Bobadilla, der Held, wird plötzlich zur Verschiebe-Ware.

Klar muss sich der FC Augsburg aus wirtschaftlichen Gründen mit Angeboten auseinandersetzen. Und auch Bobadilla wird sich ob der kräftigen Steigerung seines Salärs genau überlegen, ob er nicht lieber ins Fußballentwicklungsland China oder in die englische Zweitklassigkeit wechselt. Seine Beraterfirma hat da mit Blick auf die Vermittlungsprämien vielleicht sogar wenig dagegen.

Verletzungspech: Ein anderer stahl "Boba" die Show


Der sechsfache Europa-League-Torschütze wird wohl noch etwas bedenken: Durch seine Verletzung, die ihn vorige Saison streng genommen die gesamte Rückrunde kostete, hat er in der Mannschaft seinen Platz als Angreifer Nummer eins eingebüßt. Alfred Finnbogason hat ihm Show und Stelle gestohlen. Denn es waren die Tore des Isländers – nicht Bobadillas – die dem FC Augsburg den Klassenerhalt sicherten.


Der Südamerikaner müsste wohl mit der Rechtsaußenposition vorlieb nehmen. Einerseits liegt ihm diese Rolle aufgrund seiner Dynamik besser, kann er doch öfter mit Tempo aus der Tiefe in Richtung Tor preschen. Andererseits ist die Außenbahn eine äußerst defensiv- und somit laufintensive Arbeitsstelle. Ob das nach Bobadillas Geschmack ist? Letztlich wäre es jedenfalls schade, sollte er weiterziehen.

FC Augsburg: Potenzial von "Finnbobason" enorm


In den wenigen Partien, in denen er gemeinsam mit Finnbogason agierte, war das Potenzial zu sehen, welches das Sturmduo „Finnbobason“ in sich hat. Das und der Identifikationsfiguren-Faktor sollten auf der Transferwaage mehr Gewicht haben als nackte Geldbeträge.

Aber vielleicht ist das ja außerirdisch romantisches Wunschdenken, in der Profifußballwelt, die wohl spätestens in diesem Sommer komplett aus den Fugen geraten wird.
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2 Kommentare
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Johannes Sauermann aus Meitingen | 13.07.2016 | 16:09  
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Johannes Sauermann aus Meitingen | 13.07.2016 | 16:09  
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