FC Augsburg: Die Helden von Hoffenheim in der Einzelkritik

Andreas Luthe, der Orange Octopus, hat den Ball sicher vor Sandro Wagner von der TSG 1899 Hoffenheim. Paul Verhaegh (FC Augsburg #2) wirft sich einmal mehr furchtlos in den Zweikampf, Jeffrey Gouweleeuw (FC Augsburg #6) muss nicht eingreifen. (Foto: Klaus Rainer Krieger)
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Der FC Augsburg verdient sich aufopferungsvoll kämpfend ein 0:0 in Hoffenheim und rettet sich vor der Relegation. Dabei helfen besonders ein achtarmiger Torwart, ein feinfüßiges Genie und ein telepatisch veranlagter Holländer. Das Heldenzeugnis.

Andreas Luthe - The Orange Octopus.

Als hätte er acht Arme fischte der erneute Hitz-Vertreter hie eine Flanke herunter, boxte da eine Hereingabe weg und tauchte anderswo einen Ball von der Linie. Letzteres nach zwei Minuten, als er den ersten Schuss von Sandro Wagner zu parieren hatte. Ansonsten in Halbzeit eins wenig geprüft, wenn dann aber sicher. Strahlte stets Ruhe aus. Zweimal hatte der in orange gehüllte Schlussmann Glück mit dem Pfosten. Jedoch beinahe wieder Toreinleiter, doch Jonathan Schmid verpasste, seinen langen Abschlag zu verwerten. Nutzte seine langen Gliedmaßen hernach, um gefühlt alle Augsburger Spieler, Betreuer und Fans auf einmal zu umarmen.

Martin Hinteregger - Die Kärnten-Kante.

Den ersten Hinteregger'schen Viererprescher gab's nach etwa 35 Minuten zu bestaunen, als der Innenverteidiger einem Rückpass auf Baumann hinterher hetzte - allerdings ohne Aussicht auf Erfolg. Dann Retter in der Not: Köpfelte in der 87. Minute einen Kopfball von Ermin Bicakcic von der eigenen Torlinie.


Jeffrey Gouweleeuw - Mr. Mind.

Nach zwei Minuten noch zu weit weg von Sandro Wagner (2.), der abschließt. Blieb aber der einzige Wackler des niederländischen Verteidigers. Legte in Hoffenheim telepathisch anmutende Fähigkeiten an den Tag: Seine hervorragende Antizipation, mit der er nicht wenige Konter der TSG zunichte macht. Hintereggerte kurz nach der Pause nach vorne, jedoch mit unlauteren, doch ungeahndeten Mitteln gegen Sebastian Rudy. Kämpfte in der Schlussphase wie ein Löwe: Starker Auftritt.

Paul Verhaegh - The Screaming Dutchman.

Von Beginn an wagemutigster Akteur auf dem Feld: Fiel nämlich durch einige krachende Luftzweikämpfe mit Stürmerkoloss Sandro Wagner auf. Dieser Kick reichte ihm jedoch nicht. Vor allem weil er Wagner als Superschurken ausmachte, der seiner Ansicht nach versuchte, einen Elfmeter zu schinden. Faltete den einen Kopf größeren Neunationalspieler mehrfach schreiend und mit ausgebreiteten Armen zusammen. Furchtlos, dieser Holländer, der auch sonst solide spielt.

Konstantinos Stafylidis - Greek Hammer.

Ihm wachsen auf der linken Seite häufig Flügel. In Hoffenheim jedoch nicht ganz so quirlig wie gewohnt. Wenige Stafylidis-typische Vorstöße, eher hektische Fehlpässe im Aufbau. Seine mächtigste Superkraft setzte er ein einziges Mal ein - verzog jedoch seinen Weitschuss. Nach einem starken Ballgewinn in der 52. Minute gegen Caiuby ausgetauscht

Daniel Baier - Brain-Man.

Leitete das Augsburger Aufgebot an, das vor allem in Halbzeit eins gut verschob. Glänzte mit einem feinen Außenristchip auf Schmid, dessen Schuss jedoch geblockt wurde. Clever kurz vor der Pause: Hielt erst Demirbay am Arm, um sich dann vom Hoffenheimer foulen zu lassen. Schaffte es nach 80 Minuten auch in Zusammenarbeit mit Kohr den flinken Nadiem Amiri allerdings nicht stoppen. Der traf den Außenpfosten.

Dominik Kohr - Khor.

Hat zwar keinen Hammer wie der germanische Donnergott, braucht er jedoch auch nicht. Ihm reichen seine Beine und seine Opferbereitschaft für zahlreiche energische Balleroberungen im Mittelfeld. Zeigte so noch ein letztes Mal, warum man ihn beim FCA vermissen wird. Machte sich ebenfalls auf zu einem Sololauf über 60 Meter, der an die Ausflüge seines Hintermanns Hinteregger erinnerte. Verursachte kurz vor Pause jedoch auch einen unnötigen Freistoß in zentraler Position und hatte Glück, dass Kramaric nur den Innenpfosten traf, nachdem er ihn ausgetanzt hatte.

Alfred Finnbogason - The Fighting Viking.

Glänzte diesmal nicht als Torschütze, dafür als Nervensäge und Ballstibitzer. Versuchte zwischendurch auf den letzten Drücker das Tor der Saison zu erzielen und Torhüter Oliver Baumann von der Mittellinie aus zu überraschen. Stets Abspielbereit, doch oft zu ungenau beim Ablegen. Beste Aktion nach 35 Minuten: Gewann da ein Eins-gegen-Eins gegen Kevin Vogt, um dann punktgenau auf Max zu verlagern, der den Ball nicht kontrollieren konnte. Im zweiten Durchgang meist weit in der eigenen Hälfte zu finden - musste nämlich auch mitarbeiten, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen.

Phillipp Max - Mad Max.

Zuletzt mit starken Leistungen auf der offensiven linken Außenbahn. Konnte jedoch zwei Mal bei vielversprechenden Kontern den Ball nicht kontrollieren. Scheiterte zudem in mehreren Anläufen am Hoffenheimer Endgegner, Niklas Süle, der ihn ein ums andere Mal vom Ball wegschob. Ab Minute 52 in einem anderen Level, nämlich in angestammter Rolle links hinten. Endlich weg von der wandelnden Schrankwand Süle.


Jonathan Schmid - Johnny Joker.

Gefälliger Auftritt gegen seinen Ex-Klub. Sein erster Volley wurde noch geblockt, dann zwang er Ex-Kollegen Oliver Baumann zu einer Parade. Scheiterte mit einem frechen Heberversuch kurz vor dem Ende. Defensiv verbessert.

Halil Altintop - Dr. Feinfuß.

Leitete in Hälfte eins Angriff um Angriff ein, mit teils delikaten Pässe in die Spitze. Gibt so das Tempo vor. Auch wegen ihm hat der FCA die Gastgeber zunächst im Griff. Hätte sich nach gut einer Stunde fast belohnt, doch wurde im letzten Moment von Kevin Vogt am Abschluss gehindert. Nach 65 Minuten gab er gar den Abräumer vor dem eigenen Sechzehner. Von Kollege Luthe später als Spieler der Saison geadelt.

Caiuby - Afroman.

Würde im Superheldendress eine lässige Figur machen. Ab Minute 52 im FCA-Leibchen auf dem Platz, Superkräfte entwickelte er jedoch keine mehr. Verpasste nach 74 Minuten den freistehenden Altintop mitzunehmen, stattdessen mit kläglichem Weitschussversuch. Nächste Saison ist schließlich auch noch Zeit für Bundesliga-Heldentaten.

FC Augsburg hält in Hoffenheim die Klasse: Die Bilder

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