FC Augsburg gewinnt gegen Darmstadt - Dirk Schuster: "Wiedersehen nicht so besonders"

Matchwinner im Luftkampf: Alfred Finnbogason. (Foto: Alexander Heinle)

Der FC Augsburg besiegt Darmstadt 98 mit 1:0. Dirk Schuster gibt sich beim Wiedersehen mit den Lilien überraschend gelassen, Matchwinner Finnbogason tadelt sich selbst und Raùl Bobadilla fehlt dem FCA voraussichtlich länger.

Das Sicherheitspersonal an der Augsburger Arena macht seinen Job mit penibler Genauigkeit. So musste sich selbst Marvin Friedrich, Neuzugang vom FC Schalke und junge Nachwuchshoffnung in der Defensive des FCA, von einem Security abtasten lassen. Der derzeit verletzte blonde Schlaks ließ die Prozedur geduldig lächelnd über sich ergehen.

Auch der Gegner des FC Augsburg, der SV Darmstadt 98, ist vom Hochsicherheits-Fach. Defensive zuerst, kein spielerischer Schnick-Schnack. Den ersten Ellenbogen bekam Daniel Baier zu spüren. Nicht einmal eine Minute war da das Bundesligaspiel des FC Augsburg gegen Darmstadt 98 alt. Jérôme Gondorf hatte Baier im Gesicht erwischt.

Dirk Schuster: Wiedersehen mit Darmstadt nicht so besonders

Dirk Schuster wird das nicht überrascht haben, hat er Darmstadt doch eben dieses mitunter gemeine Spiel eingeimpft, nachdem er sie von der Dritten auf direktem Wege in die Bundesliga geführt hatte. "Mein Seelenleben war ganz ok", schilderte er nach der Partie erstaunlich gelassen das Wiedersehen mit den Lilien.

So besonders, sei das Treffen mit seiner ehemaligen Mannschaft nicht gewesen. "Man schüttelt sich vor und nach dem Spiel die Spaten", beschrieb Schuster, das aber war's dann auch. Den Rest hätten er und sein Trainerteam "versucht auszublenden", was eben auch geklappt habe.

Auf dem Rasen war sein FC Augsburg zunächst nur dann gefährlich, wenn Ja-Cheol Koo seine Füße im Spiel hatte. Zwingende Gelegenheiten blieben dennoch aus. Bis nach 21 Minuten eine abgefälschte Hereingabe von Dong-Won Ji bei Raùl Bobadilla landete. Der zog direkt ab, der Ball titschte nach einer bemerkenswert krummen Flugbahn auf das Lattenkreuz.

Hitz dribbelt im eigenen Strafraum


Darmstadts beste Chance: Als Marwin Hitz Mitte der ersten Halbzeit gegen László Kleinheisler ein Tänzchen im Strafraum wagte, das mit Ach und Krach gut ausging. Ansonsten spielten die Lilien das, was man von ihnen erwartet hatte: destruktiven Defensivfußball.

Davon ließen sie sich auch nicht abbringen, als das Augsburger Publikum ein gellendes Pfeifkonzert, während des Ballgeschiebes zwischen Torwart Michael Esser und seinen Verteidigern hören ließ.

Erste Diagnose bei Raùl Bobadilla: Verdacht auf Schultereckgelenksprengung


Bemerkenswert: Die Darmstädter waren zu dieser Zeit gar ein Mann mehr auf dem Platz. Jonathan Schmid machte sich gerade einsatzbereit, nachdem Peter Niemeyer mit Anlauf zur Grätsche gegen Bobadilla angesetzt hatte. Der musste mit einer Schulterverletzung und schmerzverzerrtem Gesicht vom Rasen geleitet werden. Am Montag wird es die endgültige Diagnose geben. "Es besteht der Verdacht auf Schultereckgelenksprengung", sagte Schuster nach dem Spiel.

In der letzten Minute vor der Pause stand Augsburgs Sportchef Stefan Reuter dann sogar bereit zum Jubeln an der Ecke der Coaching-Zone. Bereit, die Faust in die Höhe zu strecken, Dirk Schuster zu herzen und den feiernden Alfred Finnbogason mit offenen Armen zu empfangen. Doch der Isländer traf nach sehenswertem Sololauf den Ball nicht richtig. Esser hielt mit dem Fuß.

Dummes Foul an Baier: Heiße Schlussphase endet mit einem Platzverweis


Doch damit nicht genug. In der dreiminütigen Nachspielzeit parierte zunächst Esser einen Schmid-Distanzschuss, ehe sich sein Kollege Leon Guwara eine folgenschwere Dummheit leistete. Bereits verwarnt sprang er an der Mittellinie mit offener Sohle Daniel Baier entgegen und traf den Augsburger schmerzhaft am Bein. Schiedsrichter Guido Winkmann zeigte umgehend Gelb-Rot.

"Eigentlich ist das eine klare Rote", zürnte Reuter nach der Partie. Darmstadt-Trainer Norbert Meier sagte nach der Partie: "Guwara ist jung und er muss lernen, in so einer Situation nicht so reinzugehen - und zwar schnell."

Finnbogason: "An einem guten Tag mache ich drei Tore"

Das Sicherheitskonzept seiner 98er war dadurch maßgeblich beeinträchtigt. Und als noch nicht einmal alle der 28.113 Zuseher wieder ihre Plätze in der Arena wieder eingenommen hatten, schraubte sich der völlig alleine gelassene Finnbogason hoch und drückte eine Koo-Flanke ins Netz. Dieses Mal stand Reuter wieder - nun mit beiden Fäusten vor der Brust von sich gestreckt.

"Ein schönes Tor", sagte Finnbogason im Bauch der Arena, tadelte sich aber auch selbst: "Wenn ich einen sehr guten Tag habe, können es drei sein."

Schreckmoment kurz nach der Führung - dann drückt der FCA

Beinahe hielt der von ihm herausgeschossene Vorsprung nur eine Minute lang. Nach einem Darmstädter Freistoß und einigem Kuddelmuddel vor Hitz schob Immanuel Höhn den Ball knapp am Pfosten vorbei.

Dann aber drückte der FCA. Ji, der wie Finnbogason beim 1:0 zum Kopfball kam - allerdings daneben köpfte - oder erneut der Torschütze, der nach einem schlimmen Patzer von Höhn per Lupfer an Esser scheiterte, verpassten das 2:0.

Hinteregger: "Haben schon ein bissl gezittert"


Nach etwa 70 Minuten ließ alleine der Blick auf die Augsburger Coaching-Zone erahnen, dass der FCA nicht mehr ganz so viel Drive in seinem Spiel hatte: Schuster und sein Assistent Sascha Franz wirbelten aufgeregt vor ihrer Bank auf und ab. Gestikulierend, aufgebracht, gar schreiend. Es lief nicht mehr allzu viel zusammen, auch wenn Ji einen wunderbaren langen Pass von Jeffrey Gouweleeuw mit einem Fallrückzieher abschloss.

"Schon ein bissel gezittert" hätte der FCA in der Schlussphase, gab Innenverteidiger Martin Hinteregger hernach zu. Doch Darmstadt gefährdete das Tor des FC Augsburg nicht mehr ernsthaft. Somit hat der FC Augsburg nun einen "durchschnittlich bis guten" Ligastart (Schuster) hingelegt.

Freilich feierte auch Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Noch ein Abwehrrecke, der derzeit verletzt auf der Tribüne sitzt. Inmitten des Augsburger Freudentaumels in den Schlusssekunden des Spiels stand er auf der Haupttribüne zwischen den Fans und applaudierte den Kollegen.
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