FC Augsburg hält die Klasse: Die Gänsehaut-Ansprache des Halil Altintop

Für Andreas Luthe der Spieler der Saison: Augsburgs Halil Altintop im Zweikampf gegen Kevin Vogt von der TSG 1899 Hoffenheim. (Foto: Klaus Rainer Krieger)
Sinsheim: Rhein Neckar Arena |

Der FC Augsburg holt in Hoffenheim ein 0:0 - und bleibt in der Bundesliga. Der Knackpunkt im Abstiegskampf war das 4:0 gegen den Hamburger SV. Genauer gesagt eine Ansprache vor der Partie. Halil Altintop hielt eine Rede, die dem FCA laut Andreas Luthe "den Arsch gerettet hat". Nun hat Altintop verraten, welche Worte er wählte.

Der Mythos der großen Kabinenansprachen lebt vor allem durch Hollywoodfilme, in denen es um Sport geht. Da steht, meist der Trainer, vor seiner Mannschaft, um sie in die entscheidende Schlacht zu führen. Die pathosgeschwängerten Worte tragen den Underdog schließlich zum Sieg.

Beim FC Augsburg hielt in dieser Saison ein Spieler eine solche Rede. Jedoch ohne Skript und Drehbuch und schon gar nicht hinterlegt mit epischer Musik. Dennoch traf er mit seinen Worten den Nerv seiner Mitspieler. "Halil Altintop hat uns den Arsch gerettet", stellte deshalb FCA-Torwart Andreas Luthe in Hoffenheim fest und ergänzte: "Den Klassenerhalt widmen wir ihm."

Altintop: "Haben extrem auf die Fresse bekommen"

Altintop hatte sich vor der wichtigen Partie gegen den Hamburger SV vor die Mannschaft gestellt und einen Appell an seine Kollegen gerichtet. Der FC Augsburg gewann hernach mit einer berauschenden Leistung mit 4:0. Es war die Wende im Abstiegskampf, mit drei Unentschieden gegen Konkurrenten aus der oberen Tabellenhälfte sicherte sich der FCA den Verbleib in der Bundesliga.

"Jetzt kann ich's ja verraten", sagte Halil Altintop nach dem Schlusspunkt in Hoffenheim. "Wir haben in der englischen Woche mit null Punkten extrem auf die Fresse bekommen", holte Altintop aus. Er habe gespürt, wie niedergeschlagen das Team war, "in dem mir jeder Einzelne so am Herzen liegt". Er habe gemerkt, dass er etwas tun muss.

Altintops Sohn als Inspiration: "Gänsehaut"

"Ich habe einen kleinen Jungen, der wird bald sechs", setzte der Deutsch-Türke an. Mit jedem Jahr könne er beobachten, wie bei seinem Filius der Traum von der großen Fußballbühne, von der Bundesliga, wachse.

"Dann habe ich in der Kabine das Trikot hochgehalten und auf das Emblem gezeigt und auf das Bundesliga-Emblem. Und gesagt, was das bedeutet. Dass das nicht selbstverständlich ist, jede Woche da rauszugehen", beschrieb Altintop und deutete auf seinen Arm, auf dem sich merklich die Härchen aufstellten: "Da bekomme ich heute noch Gänsehaut."

"Haben unsere Kindheit geopfert" - Altintop versagt die Stimme

Dann habe er die Kollegen erinnert: "Wir haben unsere Kindheit und unsere Jugend geopfert, weil wir gesagt haben: 'Ey, wir wollen nur Eins, und das ist Fußballprofi werden.'"

Dass die Mannschaft seine Worte derart angenommen hat, "berührt mich selber". Und zwar nicht nur gegen Hamburg, sondern auch gegen "die Wucht und Qualität gegen die wir danach angetreten sind". Gladbach, Dortmund, Hoffenheim: Der FC Augsburg blieb drei Mal ungeschlagen.

"Dass jeder Einzelne noch einmal alles rausgehauen hat", sagte der Mittelfeldspieler mit brüchiger Stimme, geriet endgültig ins Stocken und gab schlussendlich auf: "Das kann man nicht in Worte fassen."

Vertragsverlängerung weiter offen: "Ist nicht so wichtig"

Der FCA erzwang schließlich das siebte Jahr in der Bundesliga. Ob es Altintops fünftes in Augsburg wird, ist weiter offen. "Vier super Jahre" habe er gehabt. Ob ein, zwei Jahre dazukommen oder nicht, sei egal. "Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass der FCA seinen Weg weiter geht", betonte Altintop und begründete: "Hier sind wirklich besondere Menschen am Werk, die mit Leib und Seele dabei sind."

Die Fans seien eine Klasse für sich, weitere Erfolge sollen her, "am Besten in der ersten Bundesliga". Und dabei spiele der Einzelne nun einmal eine untergeordnete Rolle. Klar ist aber auch: "Ich will auf jeden Fall weiterspielen." Konkrete Gespräche, nein, die habe er noch nicht mit den Verantwortlichen geführt. Aber an der Entscheidung hinge ja auch seine Familie. Seine Kinder und vor allem seine Frau. "Happy wife, happy life", zitierte er seinen Zwillingsbruder Hamit und grinste.

Neuer Vertrag: Vielleicht auch eine Sache von Minuten

Am Mittwoch reist Altintop in den Urlaub - Orlando und Los Angeles sind die Ziele, dort leben Verwandte seiner Frau. Ob bis dahin der Vertrag verlängert werde? "Vielleicht ergibt sich irgendetwas. Vielleicht dauert es sogar nur ein, zwei Minuten."

Andreas Luthe dürfte es wohl freuen, wenn Altintop weiter beim FC Augsburg bleibt. Denn nicht nur der hollywoodreifen Ansprache wegen, sondern auch ob seiner Leistung an den letzten Spieltagen und seiner Führungsstärke sei Altintop für ihn: "Der Spieler der Saison."

FC Augsburg hält in Hoffenheim die Klasse: Die Bilder

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2 Kommentare
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Jörg Betz aus Augsburg - City | 21.05.2017 | 08:05  
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Sebastian Summer aus Aystetten | 21.05.2017 | 08:09  
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