FC Augsburg nach Darmstadt 98 und vor RB Leipzig: der Spielberichtsbogen

Ein Jahr ist es her, dass die beiden FCA-Fans Daniel und Max nach dem Spiel in Gladbach durch einen Autounfall ums Leben kamen. Die Kurve gedachte ihrer mit einer beeindruckenden Doppel-Choreo. Mehr Fotos finden Sie auf www.stadtzeitung.de- Fotos: Alexander Heinle
 
Darmstädter Schule: Vor allem in Halbzeit eins knallte es kräftig im Mittelfeld. Leon Guwara handelte sich schließlich Gelb-Rot ein. Hier langt Roman Bezjak gegen Don-Won Ji hin.
Der FC Augsburg bekommt es am Wochenende mit dem umstrittenen Fußball-Projekt RB Leipzig zu tun. Gegen Darmstadt lief einiges besser als in den vorhergegangenen Spielen. Der Rückblick aufs Wochenende und eine erste Einschätzung für die Partie in Leipzig.

Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage oder Unentschieden. (Franz Beckenbauer)
- So lief's am Wochenende für den FC Augsburg:

Endlich der erste Heimsieg: Der FC Augsburg gewinnt verdient gegen Dirk Schusters Ex-Klub Darmstadt 98.
Spielentscheidend waren einerseits die Gelb-Rote Karte gegen Darmstadts Leon Guwara kurz vor sowie Alfred Finnbogasons Kopfball zum 1:0 kurz nach der Pause.

Jetzt kommt es darauf an, dass wir die entscheidenden Punkte gegen den Nicht-Abstieg sammeln. (Roy Präger)- Die Ausgangslage für den FCA:
Von einem "durchschnittlichen bis guten" Saisonstart sprach Trainer Dirk Schuster nach der Partie gegen Darmstadt. Bei sieben Punkten aus fünf Spielen kann man ihm nur beipflichten. Das bedeutet Platz elf. Vier Tore sind zwar eine ausbaufähige Ausbeute, aber immerhin traf mit Alfred Finnbogason endlich ein Offensivspieler für den FCA.

Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl. (Andreas Möller)
- Wer ist gut drauf beim FCA?

Ja-Cheol Koo war an nahezu jeder Offensivaktion des FC Augsburg beteiligt und versprühte enorme Spielfreude. Bis zu seiner Bänderverletzung an der Schulter gefiel auch Raùl Bobadilla. Auch die gesamte Abwehrkette machte einen guten Job - wurde allerdings auch kaum gefordert. Ein Sonderlob geht an den verbesserten Martin Hinteregger.
Ebenfalls mit aufsteigender Tendenz: Alfred Finnbogason köpfelte zwar das 1:0, tadelte sich nach der Partie dennoch selbst, hatte er doch einige weitere gute Gelegenheiten liegen lassen. "An einem guten Tag schieße ich drei Tore." In nächster Zeit sollte er davon mehrere haben. Nach dem Bobadilla-Ausfall ist er der letzte verbliebene echte Angreifer.

Die Entscheidung fiel zwischen mir und dem Busfahrer. Zum Glück hatte der Busfahrer seine Schuhe vergessen. (Jan-Aage Fjörtoft) - Wer ist außer Form?
Takashi Usami braucht offenbar noch etwas Zeit, war gegen die Lilien nicht im Kader. Ein "toller Fußballer" schwärmte Sportchef Stefan Reuter nach dem Spiel, mit "enormer Qualität". Usami leiste sich "im Training noch zu leichte Ballverluste". Doch Reuter wies auch darauf hin, dass "einige Asiaten eine gewisse Anlaufphase gebraucht" haben.


Ja, gut, äh. Wie gesagt,... - Das Wort zum Wochenende: "Mein Seelenleben war ok." Augsburgs Trainer Dirk Schuster, der das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein Darmstadt als "nicht so besonders" bezeichnete. "Man schüttelt sich vor und nach dem Spiel die Spaten, das war's."

Der Haller des Spieltags geht an:
Jonathan Schmid. Der Neue aus Hoffenheim war kurz vor der Pause für Bobadilla ins Spiel gekommen. Er zeigte eine engagierte Leistung - und wurde dennoch in der Nachspielzeit für Christoph Janker wieder vom Feld genommen. "Reine taktische Gründe" hätten zu dieser Entscheidung geführt, erklärte Trainer Schuster. Er habe im Mittelfeld nicht an Körpergröße verlieren wollen. "Es geht um den Erfolg der Mannschaft. Die Belange des Einzelnen zählen da nicht."

Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war. (Fredi Bobic) - Ein kurzes Fazit: 1:0 gegen Darmstadt, erster Heimsieg. Zunächst einmal muss man die Schuster-Elf loben. Sie hat den Kampf gegen gemein spielende Darmstädter angenommen, dagegen gehalten und damit verdient gewonnen. Auch zeigte die Mannschaft sich fußballerisch verbessert und präsentierte einige sehenswerte Spielzüge. Dazu trug eine Abkehr vom Prinzip der hohen Bälle auf Finnbogason enorm bei. In den vergangenen Spielen muss sich der Isländer im Angriff des FCA oftmals so einsam gefühlt haben, wie ein Wanderer mitten in einer dieser unendlichen Landschaften seiner Heimatinsel. Fungierte er doch als Einzelkämpfer. Gegen Darmstadt rückte das Mittelfeld aber konsequent nach. So ergaben sich zum Beispiel Möglichkeiten, Bälle auf die Flügel abzulegen.
Allerdings muss man auch relativieren. Gegner Darmstadt bot eine defensiv-destruktive und wenig bundesligataugliche Vorstellung. Das ist weniger böse gemeint als es klingt. Die Lilien machen nun einmal das, was ihre Möglichkeiten hergeben. Mit seinem dummen Foul an Bobadilla, das sogar glatt Rot verdient hätte, schmälerte Leon Guwara diese zusätzlich. Gegen zehn 98er hatte der FC Augsburg deutlich mehr Räume, die er auch zu nutzen wusste.
Mit RB Leipzig wartet nun ein Gegner eines anderen Kalibers. Es wird eine Aufgabe, die der FC Augsburg dann bewältigen kann, wenn Schuster es schafft, die Mischung zu finden: aus dem ekligen Gegner-verhindern-Fußball des Leverkusen-Spiels und den spielerischen Ideen, die gegen Darmstadt in manch einer Situation aufblitzten.


Kleine Kabinenansprache vor dem Leipzig-Spiel:


Mit denen kriegt Ihr’s zu tun:
RB Leipzig, neureiches, weil von einem Limonadenhersteller finanziertes Fußball-Kunstwerk. Ärgerten daheim bereits Gladbach und besonders den BVB. Holten am Wochenende ein 1:1 in Köln. Der FCA muss auf die Unterstützung seiner Schlachtenbummler verzichten, die aus Protest gegen RB die Auswärtsfahrt boykottieren.


Auf den müsst Ihr höllisch aufpassen:
„Wahnsinnsmöglichkeiten, sehr viel Geschwindigkeit und ein gutes Umschaltmoment und Gegenpressing“, attestiert Stefan Reuter den Leipzigern. Die Offensivabteilung ist mit Poulsen, Werner, Selke, Burke und Sabitzer trotz des Ausfalls von Forsberg formidabel besetzt. Das Genie hinter den Vollstreckern ist aber Naby Keita. Der Neuzugang vom Schwesterklub Salzburg ist der Mann, den der FC Augsburg aus dem Spiel nehmen muss.

Der trifft zur Zeit kein Scheunentor: Von den Spielern keiner. Das Projekt an sich bleibt aber umstritten. Auch die Fans des 1. FC Köln zeigten am Sonntag ihre Abneigung. Wegen einer Sitzblockade kam der Mannschaftsbus von RB nicht zum Stadion durch. Die Begegnung begann mit 15-minütiger Verspätung.

Und Jungs, denkt ans letzte Mal: Tatsächlich hat der FC Augsburg bereits zweimal gegen den jungen Bundesligaklub gespielt – und gewonnen. Im Pokal 2011/12 schoss in der zweiten Runde ein gewisser Daniel Brinkmann den FCA eine Runde weiter. Zum Pokalauftakt 2013/14 trafen Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Halil Altintop zum Auswärtserfolg. (lib)
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