FC Augsburg: Pokal-Aus trotz großem Kampf

Trotz großem Kampf raus aus dem Pokal: Daniel Baier und der FC Augsburg. Foto: Alexander Heinle

Der FC Augsburg und Borussia Dortmund liefern sich ein intensives Pokalachtelfinale. Aus der Hochgeschwindigkeits-Phase Anfang der zweiten Halbzeit geht der BVB als Sieger hervor - und gewinnt auch das Spiel mit 2:0.

Die Szenen der ersten Halbzeit prägten die tief stehenden Augsburgs Defensiv-Malocher: Konstaninous Stafylidis entscheidet ein Wettrennen mit Pierre-Emerick Aubameyang per kluger Grätsche, Startelf-Überraschung Jan Moravek, leitet via Tackling einen Konter ein, Ragnar Klavan, wischt einen verunglückten Rückpass Ja-Cheol Koos vor Aubameyang ins Toraus, oder Dominik Kohr, der BVB-Taktgeber Julian Weigl in Manndeckung nahm.


Eigensinniger Bobadilla macht Augsburgs beste Kombination zunichte


Und vorne? Raul Bobadilla verpasste eigensinnig am Ende der bis dato schönsten Augsburger Kombination auf Koo durchzustecken - was der Südkoraner mit wütenden Strecksprüngen am Dortmunder Fünfmeterraum quittierte. Dort wäre er stattdessen lieber mit dem Ball vor Roman Bürki aufgetaucht. Mangels Abspiels blieben ihm nur die Turnübungen.

Die Hand von Marwin Hitz schnellte auf der gegenüberliegenden Seite so flink nach rechts unten, dass Aubameyang wohl kurzzeitig nur mehr die leuchtend orangenen Kondensstreifen von Hitz Handschuhen vor Augen hatte. Es war gleichzeitig der Schlussakkord einer - trotz 0:0 und wenigen Torraumszenen - elektrisierenden ersten Halbzeit.


Hin und Her in Hochgeschwindigkeit


Die Arena pulsierte zu Beginn des zweiten Durchgangs, beide Kurven taten es nämlich ihren Mannschaften gleich - und schenkten sich nichts. Auf dem Rasen erhöhten die Gäste die Frequenz, machten dem FCA mit Gegenpressing das Leben im Spielaufbau schwer - und kamen zu Gelegenheiten: Hitz faustete einen Aubameyang-Schuss aus dem Eck, Hummels köpfte und Sokratis schoss übers Tor. Und Stafylidis, immer wieder Stafylidis: Der quirlige Linksverteidiger grätschte einen Dortmunder Angriff nach dem anderen weg.

Das Stadion glich mittlerweile ein Pokalachtelfinal-Schmelztiegel, weil nach zehn Minuten der FC Augsburg Momente der Befreiung fand. Bobadilla scheiterte nach feinem Dong-Won-Ji-Zuspiel frei am lange stehenbleibenden Bürki, Daniel Baier jagte einen Knaller aus 30 Metern am Pfosten vorbei.

Die Arena pulsiert - bis Dortmund den Stecker zieht


Und dann stand Aubameyang nach einer Stunde und einem Abpraller wieder frei in der Augsburger Box - und dieses Mal halfen auch die flinken grell-orangenen Finger von Hitz nicht mehr. Derart wuchtig und präzise platzierte der Gabuner den Ball im Winkel. Nur fünf Minuten später hatte Henrikh Mkhitaryan den Ball vor dem FCA-Strafraum so frei am Fuß, wie ihn ein Henrikh Mkhitaryan eben nicht haben sollte. Exakt neben dem rechten Pfosten schlug sein flaches Geschoss ein - unerreichbar für die neonfarbenen Handschuhe.

Es wirkte so, als hätte jemand während einer wilden Party den Stecker rausgerissen oder in einem Hochgeschwindigkeitszug bei Tempo 300 die Notbremse gezogen.

Zu hohes Tempo: FC Augsburg zahlt den Preis


Der FC Augsburg hatte sich auf das irre schnelle Wechselspiel einlassen müssen und - weil seine defensive Ordnung durcheinandergewirbelt worden war - dafür den Preis gezahlt. Die Luft war nun raus und der FCA wankte bedrohlich. Mkhitaryan verpasste nach Querpass von Aubameyang den endgültigen Knockout. Beinahe Frank-Mill-esk schob er den Ball am leeren FCA-Tor vorbei.

Aufstecken ist aber derzeit nicht das Ding der Augsburger. Im letzten Aufbäumen scheiterte Ji noch einmal an Bürki. Mehr war einfach nicht mehr drin.

Der Augsburger Anhang feierte ob des drohenden Pokal-Aus derweil bereits einen anderen Wettbewerb: den Europa-Pokal. Und animierte die Spieler später gar zur Ehrenrunde. Großes Kino an einem denkwürdigen Pokalabend in Augsburg.

David Libossek
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