FC Augsburg scheitert bei den Bayern: Dem gelben Igel fehlt der Mut

Enttäuschung bei Dominik Kohr, Gojko Kacar und Marwin Hitz nach dem Tor von Bayerns Julian Green zum 0:2. (Foto: Klaus Rainer Krieger)

Der FC Augsburg igelt sich in München geschickt ein, wagt sich jedoch gleichzeitig zu selten nach vorne. Dennoch gestaltet er die Pokalpartie lange spannend - verliert aber am Ende 1:3.

Eigentlich schien dieser Cup-Abend nach nicht einmal zwei Minuten bereits als Randnotiz in die Saisonchronik eingegangen zu sein. Fahriger Ballverlust des verzweifelt nach einer Anspielstation Ausschau haltenden Christoph Janker, Tunnel des einen Philipp gegen den anderen - Lahm gegen Max - strammer Flachschuss, Tor.

Der erste krachende Dominik-Kohr-Moment nach drei Minuten gegen Renato
Sanches kündigte jedoch kein aggressives FCA-Pressing an. Im Gegenteil: Es blieb das einzige Foul und eigentlich auch der einzige wirklich knackige Zweikampf der Anfangsviertelstunde.

Der FC Augsburg macht's wie die Römer in den Asterix-Comics - nur erfolgreicher


Augsburgs Plan, den Bayern durch emsiges Verschieben den Drive zu nehmen, funktionierte jedoch auch ohne schienbeinschonermalträtierende Tacklings gut. Vor der Fünferkette agierte das Mittelfeld in einer Keilformation, mit Dong-Won Ji an der Spitze. In dieser Aufstellung formierte sich die Augsburger Defensive wie die Römer in den Asterix-Comics – wartend auf die nächste Angriffswelle.

Nur barst die neongelbe FCA-Wand nicht in alle Richtungen auseinander - purzelnde oder gar durch die Luft geschleuderte Augsburger waren in der Münchner Arena nicht zu beobachten. Die Mittelfeldspieler wurden stets vom nächststehenden der Fünferkette unterstützt. Gegen diese dicht gestaffelte Abwehr blieben dem FC Bayern zunächst nur Fernschüsse – allesamt harmlos wie ein Kinnhaken des am Stock gehenden Methusalix, dem Greis aus dem gallischen Dorf, wenn er nicht an Miraculix‘ Zaubertrank genippt hat.

Wobei der FCA freilich auch davon profitierte, dass einige derer, die derzeit einiges des Druiden-Gebräus intus haben – Robben, Costa, Lewandowski –, die Bayern-Bank drückten.

Der FCA findet in der Offensive nicht statt, dann verpennt er die Schlussminuten


"Wir wollten die Räume eng machen, defensiv gut arbeiten", analysierte hernach Trainer Dirk Schuster, räumte aber ein, dass seine Elf "bei den Toren gehörig mitgeholfen hat". Zumal die Igeltaktik eine Kehrseite hatte: In der Offensive fand der FCA nicht statt. Zu viele zu frühe Ballverluste, spärliches Nachrücken zur einzigen Spitze Ji und zu wenige, die sich aufdrängten, das Spiel in die Hand zu nehmen und das Tempo zu erhöhen.

Der FC Bayern begnügte sich damit, den Ball um den gelben Augsburger Igel herum kreisen zu lassen und abzuwarten. Zu warten auf einen Moment wie jenen in Minute 41, als alles plötzlich doch ganz einfach ging. Flanke des von Konstantinos Stafylidis völlig unbedrängten Thomas Müller, Kopfball des bislang nahezu unsichtbaren Überraschungsstarters Julian Green – frei zwischen den zusehenden FCA-Innenverteidigern Gojko Kacar und Martin Hinteregger: 2:0.

Und wie leicht Müller kurz darauf im Augsburger Fünfmeterraum auf Mats Hummels ablegen konnte, darf in einem Pokalspiel in der Münchner Arena schlicht nicht passieren - und auch in sonst keiner Partie auf höchstem Niveau. Nur ein ungeheurer Reflex von Hitz verhinderte das 0:3 aus Augsburger Sicht.

Elfmeter-Flaute in der Arena - Müller in Richtung A8


Somit glomm nach der Pause dann doch der erste Schimmer eines Pokalfights auf. Jener Moment kurz nach der Halbzeitpause, als Gojko Kacar im Bayern-Strafraum dem zarten aber ungeschickten Schubsen von Mats Hummels nachgab und zu Boden ging. Elfmeter, in München und noch beinahe die ganze zweite Hälfte Zeit für die Aufholjagd. Pokal, wie er sein soll. Pokal, wie man ihn liebt. Der kleine FC Augsburg, der dem großen FC Bayern auf die Nerven geht.

Doch das Glimmen erlosch Augenblicke später. Weil Manuel Neuer Ja-Cheol Koos Strafstoß parierte und weil Daniel Baier den Nachschuss neben das Tor setzte.
Die Dramatik dieser Partie schien es nicht gut zu meinen mit den bayerischen Schwaben. Der zuvor ordentlich aufgetretene Rechtsverteidiger Georg Teigl schenkte den Bayern mit plumpem Handspiel einen Elfmeter. Doch weil Müller seinen Versuch in Richtung A8 jagte, blieb Augsburg irgendwie noch immer im Spiel.

Ji-gantisches Solo - doch die Schlussoffensive bleibt aus


Und so flitzte Max auf der linken Seite durch, Ji rauschte an dessen flacher Hereingabe nur einen Fußballschuh lang vorbei. Doch der südkoreanische Stürmer sollte seinen großen Auftritt zehn Minuten darauf bekommen: Langer Ball seines Landsmanns Koo, Ji zieht in den Strafraum, Eins-gegen-Eins mit Jerome Boateng, kurzer Übersteiger, links vorbei – und dann der Strich vorbei an Neuer ins Tor.

Anstatt die verbleibenden 20 Minuten aggressiv zu attackieren und mehr Risiko einzugehen, igelte sich der FCA allerdings wieder am eigenen Strafraum ein. Warum Dirk Schuster nicht früher als in Minute 86 auf zwei Stürmer umstellte, verwunderte. Julian Günther-Schmidt kam erst dann für Dominik Kohr – eine Chance wie jene in Freiburg hatte der 22-Jährige aus der Regionalligamannschaft jedoch nicht mehr. Wie nah sie denn am Ausgleich dran gewesen wären am Ende, wurde Marwin Hitz später gefragt. „Gar nicht, weil wir keinen Torschuss mehr hatten“, antwortete der Torsteher. „Aber wenn wir dran waren, dann in dieser Phase.“

Doch irgendwie waren die Augsburger dann eben doch weiter weg, als es das Ergebnis ausdrückte. Bayern spielte seinen Zweitrundensieg unspektakulär aber ballsicher über die Zeit, an deren Ende David Alaba Hitz noch mit einem Treffer ins kurze Eck zum 3:1-Endstand düpierte.


Schuster: Eindrücke aus zweiter Halbzeit "mitnehmen für Samstag"


Zerstoben wurde der Augsburger Igel von den ballzirkulierenden Bayern nie. Gerade die zweite Halbzeit habe der FCA gut ausgesehen, befand Schuster. "Das müssen wir jetzt mitnehmen für Samstag." Allerdings auch, dass der FC-Augsburg-Igel zu selten zum Angriff überging, um die Münchner an diesem Abend aus der Ruhe zu bringen. Da brauchten die nicht einmal einen Zaubertrank.
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