FC Augsburg unterliegt den Bayern: Der FCA in der Einzelkritik

Rote Übermacht: Philipp Max zeigte zu Beginn eine ansprechende Leistung. Am Ende waren die Bayern aber zu stark für ihn und den FC Augsburg.

„Das war nicht unser bestes Spiel gegen Bayern“, bilanzierte Paul Verhaegh nach der 1:3-Heimniederlage des FC Augsburg gegen den FC Bayern. So war es der Abend eines überwundenen Überfliegers, eines verhinderten Standard-Experten und zwei weiteren Verletzten im Lazarett des FC Augsburg. Die FCA-Spieler in der Einzelkritik.



Marwin Hitz: Der erste Schuss auf das Tor des Überfliegers und Strafraum-Umpflügers war drin – dabei konnte selbst der derzeit so starke Schweizer gegen das platzierte Geschoss Robert Lewandowskis nichts ausrichten. Sonst nur einmal bei einer missglückten Flanke gefordert. Als man schon Sorge hatte, der Torhüter könnte wider erwarten gar kalte Finger bekommen, tauchte er einen Douglas-Costa-Freistoß kurz vor der Pause aus dem Eck. In Halbzeit zwei erneut mit dem ersten Schuss bezwungen – wieder durch Lewandowski. Zeigte dann gegen einen Robben-Volley sein Überflieger-Gesicht, ehe Müller ihn zum 0:3 überwand.

Paul Verhaegh: Bemerkenswert, dass er bei all den Übersteigern und Finten von Douglas Costa nicht schwindelnd über seine rechte Seite torkelte, sondern den brasilianischen Feinfuß zunächst aus der Partie nahm. Daher versuchten es die Gäste zuhauf über Rechts und durch die Mitte. Als Augsburg aufmachte und so die Abwehr bei Gegenstößen der Bayern weniger entlastet war, stieß auch er an seine Grenzen. Schwindelig wurde ihm jedoch nie. So behielt er später klaren Kopf und sprach – ganz vorbildlicher Kapitän – in der Interviewzone beinahe nur über das „wichtige Spiel“ in Hannover. Liver-Wer?

Jeong-Ho Hong: In der 25. Minute nahe dran, wie schon in der Vorbereitung gegen die Bayern zu treffen. Wieder war’s nach einer Ecke – nur konnte der Südkoreaner diesmal den Ball nicht drücken, der über seine Stirn und am Tor vorbei rutschte. Einmal mehr souverän in der zentralen Verteidigung. Konnte dem großartigen Thiago-Pass durch die aufgerückte Augsburger Defensive jedoch ebenfalls nur bewundernd hinterherschauen, den Lewandowski zum 0:2 nutzte. Musste nach 70 Minuten mit einer Muskelverletzung runter. Vor den Spielen gegen Liverpool und dem noch wichtigeren Match in Hannover wäre das ein Ausfall, der den FCA schmerzen würde.

Jeffrey Gouweleeuw: Sein Name bedeutet “Goldener Löwe”. Allein deshalb passend, dass er sein Debüt für Augsburg gegen die Roten aus München feierte. „Nicht das leichteste erste Spiel“, attestierte Landsmann Verhaegh. Der Winterneuzugang agierte vor den Innenverteidigern Klavan und Hong als das, was man im klassischen Fußballjargon als Staubsauger bezeichnet (heute wohl als hängende Sechs). Imposanter Antritt kurz nach der Pause. Verdiente sich in der Nachspielzeit noch einen matschigen Handabdruck auf dem Hinterteil, mit dem Hitz ihn für einen geblockten Robben-Schuss adelte. Ansonsten: „Ordentlich“, wie Verhaegh und Sportchef Stefan Reuter nach dem Spiel feststellten. Gegen Liverpool gezwungenermaßen Zuschauer statt Hong-Ersatz – er ist für die Europa League nicht spielberechtigt.

Ragnar Klavan: Eisekalt dieser Este: Dribbelte er doch nach fünf Minuten am eigenen Fünfmeterraum gegen Robert Lewandowski und Arturo Vidal - erfolgreich. Hatte Glück, dass kurz nach dem 0:1 nach seinem Ausrutscher abgepfiffen wurde. Haderte ansonsten viel mit dem Stellungsspiel der Kollegen.

Phillipp Max: Wenn er in der Defensive gefragt war, wurde es laut in der Arena. Was daran lag, dass er es zumeist mit Arjen Robben zu tun bekam, der von Beginn an vom Augsburger Publikum mit einem Pfeifkonzert bei jedem Ballkontakt bedacht wurde. Dabei war es doch Kollege Douglas Costa gewesen, der im Hinspiel den „Witz“-Elfmeter (Markus Weinzierl) rausgeholt hatte. Max ließ sich von alle dem nicht aus der Ruhe bringen – weder von den Pfiffen noch vom großen Namen. Robben rückte Mitte der ersten Hälfte denn auch weiter zurück ins Mittelfeld, weg von diesem giftigen Max. So stand Max plötzlich Philipp Lahm gegenüber, der im Gegensatz zu Robben nicht das Dribbling suchte, sondern schnell nach innen passte, wo Lewandowski zum 0:1 vollendete. Der Linksverteidiger tat sich in Halbzeit zwei gegen die nimmermüden Angreifer Robben und Müller zunehmend schwerer. „Wie’s für mich persönlich gelaufen ist, interessiert nicht – wir haben verloren“, urteilte er später.

Dominik Kohr: Führte erst einmal ein klärendes Gespräch mit Thiago und Schiedsrichter Florian Meyer – er musste schließlich auch verbal Mittelfeldchef Daniel Baier vertreten. Das Tempo der Roten stellte ihn jedoch mehrfach vor Probleme. Stand bei Lewandowskis erstem Treffer zu weit weg. Ließ sich jedoch nicht entmutigen, scheute keinen Zweikampf und genoss grätschend den schmierigen Rasen.

Piotr Trochowski: In der Rückwärtsbewegung gegen flinke Bayern oft einen Schritt zu langsam, seine filigranen Füßchen im Dribbling und bei Standards – es gab kaum welche - konnte er zudem nur selten einbringen. Letzteres war gerade gegen die im Schnitt 1,74 Meter kleine Bayern-Viererkette für den FCA besonders bitter. Augsburgs Kleinster selbst spielte engagiert aber wirkungslos – Weinzierl nahm ihn nach 53 Minuten runter.

Caiuby: Der Mann mit der Turmfrisur rannte viel, erreichte die Zweikämpfe aber zu oft zu spät. Nach 72 Minuten stand er dann beinahe goldrichtig – doch beim Kopfballversuch half selbst das hochgewachsene Haar nicht, um den Ball gefährlich aufs Tor zu lenken.

Ja-Cheol Koo: Der Südkoreaner mag es eigentlich, über die Außenbahn zu wirbeln. War jedoch mehr mit dem Wirbel der Bayern beschäftigt und musste defensiv ackern. Nach vorne bis zur 54. Minute kaum zu sehen – dann wurde er ausgetauscht.

Raul Bobadilla:
Flutlicht und ein großer Gegner: die perfekte Atmosphäre für Euro-Boba, mit sechs Toren auf Platz eins der Europa League-Torjägerliste. Zeigte sein internationales Gesicht aber erst nach 85 Minuten mit einer Einzelaktion – nach feiner Drehung schob er zum 1:3 ein und weckte das Augsburger Publikum noch einmal auf. Zuvor war er wie gewohnt durch den Bayern-Strafraum gewalzt, in dem er mit David Alaba und Joshua Kimmich auf zwei körperlich unterlegene und nicht gelernte Innenverteidiger traf. Bekam allerdings zu wenige Anspiele, um das auszunutzen. Bei einem Konter kurz nach der Pause zudem zu eigensinnig.

Jan Moravek: Ein gebrauchter Abend: 36 Minuten lang durfte der Tscheche dem Ball hinterherlaufen und holte sich zu allem Überfluss in einem Zweikampf mit Alaba noch eine leichte Gehirnerschütterung ab.

Alexander Esswein: Eine klasse Flanke auf Caiuby, ansonsten musste er 36 Minuten lang die Außenverteidiger unterstützen. Am Donnerstag gegen Liverpool mit guten Startelfchancen – hat ja wie Bobadilla auch ein internationales Gesicht.

Christoph Janker: Ersetzte nach 70 Minuten Hong. Wird das wohl auch gegen Liverpool tun.
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