FC Augsburg verliert beim FC Bayern: Kein Lebensraum für Scheißhausfliegen

Keinen günstiger Lebensraum für Scheißhausfliegen bot die Glitzerwelt der Münchner Arena. Auch nicht für Daniel Opare. (Foto: Klaus Rainer Krieger)
München: Allianz Arena |

Eine "Scheißhausfliegen-Mentalität" hat FCA-Trainer Manuel Baum seiner Mannschaft unter der Woche attestiert. Wirklich lästig wurde der FC Augsburg dem FC Bayern an diesem zwölften Bundesligaspieltag jedoch nur kurz. Insekten-Beobachtung in der Münchner Glitzerwelt.

Die Scheißhausfliege (lat. Brachycera lokus, evtl.) ist ein Fluginsekt, das einem mitunter die Nerven rauben kann, wenn es pausenlos zwischen Herumsummen und Niedersitzen wechselt. Vor allem dann, wenn es zu mehreren Exemplaren, also in einem Schwarm attackiert. Über die Mentalität dieser Fliegenart, bestimmte Trainer und Hobby-Entomologe Manuel Baum jüngst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, verfüge die Mannschaft des FC Augsburg.

Sie sei ständig da, immer unangenehm, lasse sich nicht vertreiben. Irgendwann, erläuterte Baum, sei man es dann leid, sich zu wehren gegen diese Plagegeister, die nimmermüde um einen herumschwirren. Wie eben der FC Augsburg, wenn er ins Gegenpressing geht.

Die Bayern schwingen eine imposante Fliegenklatsche

Die Insektenfachwelt muss daher mit Interesse nach München geblickt haben. Dort offenbarte sich ein bislang wenig bekanntes Merkmal der Mentalität einer Scheißhausfliege: Es zu akzeptieren, wenn der Gegenüber eine imposante Fliegenklatsche schwingt.

So nahmen die Spieler am Samstagabend im Bauch der Arena hin, dass es nicht gereicht hat, für eine Invasion der Scheißhausfliegen in der schmucken Arena im Münchner Norden. Die 0:3-Niederlage - kein Ding. War ja gegen die Bayern. Hauptsache, man ist deren Fliegenklatsche dieses Mal ausgewichen.

Gregoritsch lobt die Moral Des FC Augsburg

"Ich bin hier schon zweimal rausgegangen", berichtete Michael Gregoritsch, "das eine Mal mit nullfünf, das andere Mal mit nullacht". Auch der FC Augsburg hatte erst im April eine Abreibung der Hausherren zu spüren bekommen: nullsechs. Damals ließ der FCA die bajuwarische Spielfreude über sich ergehen, dieses Mal, lobte Gregoritsch, habe die Mannschaft Moral bewiesen und weiter geschlossen verteidigt.

Manuel Baum ärgern zwei Ballverluste

Ähnliches resümierte der Herr der Fliegen, Manuel Baum: "Wir gehen nicht mit dem Gefühl vom Platz runter, 'boah, Bayern hat uns jetzt irgendwie hergespielt'." Zwei Ballverluste haben ihm zufolge das Spiel gekostet: der vor dem Freistoß, aus dem das erste Bayerntor resultierte, und der aufgrund Caiubys Irrflug durch das Mittelfeld vor Gegentreffer Nummer zwei.

Der Fußballlehrer hatte recht: Ansonsten hat der FCA vor allem bis zu Arturo Vidals bemerkenswert präzisem Abstauber zum 1:0 "echt gut verteidigt", Bayern aus dem Spiel heraus kaum zu Chancen kommen lassen.

Die fliegengrauen Gäste kommen kaum nach vorne

Den in Fliegengrau gewandeten Gästen fehlte allerdings meist der Mut. Nur selten schwärmten sie aus, versuchten, den Bayern während deren Spielaufbau lästig zu werden. Doch das vom emsigsten Augsburger, Rani Khedira (in Hälfte eins alles zwischen zentralem Innenverteidiger und vorderstem Pressingspieler), angeführte Geschwader entfachte lediglich ein leises Surren, kein bedrohliches Brummen. Nichts, das die passsicheren Münchner nicht mit einer lässigen Handbewegung hätten abschütteln können.

"Nach vorne war's zu wenig", analysierte Baum. Die einzige nennenswerte Möglichkeit vergab Kevin Danso. In unbekannt freien Sphären stieg er nach feiner Khedira-Flanke hoch, köpfte jedoch genau in Richtung des neongrünen Leuchtens des Outfits von Bayerns Torhüter Sven Ulreich.

Viele Augsburger spielen unter Form

Ansonsten hing gerade Alfred Finnbogason in der Luft. Niklas Süle und Mats Hummels benötigten weder Insektenspray noch schwerwiegende körperliche Anstrengungen, um sich den sonst so giftigen Isländer vom Hals zu halten. Michael Gregoritsch prüfte Ulreich immerhin mit zwei Freistößen, Marcel Heller hingegen kam ebenso nie in die Partie, wie der für ihn eingewechselte Jonathan Schmid.

Auch Philipp Max agierte wie so viele andere unter Form, wagte kaum einen seiner sonst so gefährlichen Vorstöße. Auch in der Defensive reagierte er oft mindestens einen Flügelschlag zu spät. Caiuby zog nach seinem gänzlich gebrauchten Nachmittag zerknautscht von dannen.

Münchens Glitzerwelt: kein Lebensraum für Scheißhausfliegen

"Klar verdient", sei das 0:3 gewesen, urteilte Baum hernach. Eine Niederlage allerdings, die man schneller abhaken könnte, als jenes Nullzusechs im April. Unterlag man an diesem Samstag nun einmal gegen eine Bayernmannschaft, die unter Jupp Heynckes merkbar geschlossener auftritt und so kaum Räume anbietet. Und die es wieder versteht, jeden Fehler auszunützen, den der Gegner macht.

Die Münchner Glitzerwelt, in der Flachbildschirme zeigen, wie Thomas Müller mit Alfons Schuhbeck kocht, in der Hasan Salihamidzic noch lange nach dem Spiel vor einem Meer von Selfiesticks in die Smartphone-Kameras lächelt und in der die Haarfarbe des Mittelstürmers eines der beherrschenden Themen nach einem Fußballspiel ist: Diese Welt bot an diesem Samstag keinen günstigen Lebensraum für eine Scheißhausfliege.

Flügel spannen für das Spiel gegen Wolfsburg

Die nächste Stunde der Brachycera lokus ist somit auf nächstes Wochenende verschoben. "Wolfsburg hat jetzt unter Martin Schmidt zum ersten Mal gewonnen, nächste Woche kriegen sie dann hoffentlich das erste Mal eine Niederlage zugefügt", sagte Marwin Hitz und lachte. Baums Fliegen spannen schon die Flügel.
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