FC Augsburg vor Schalke-Spiel: In der Offensive hakt es noch

Die Trainer Dirk Schuster und Markus Weinzierl treffen sich am Samstag in Augsburg un neuen Rollen wieder. (Foto: Klaus Rainer Krieger)

"Das Duell heißt nicht Schuster gegen Weinzierl, sondern FC Augsburg gegen Schalke 04", sagte am Donnerstag FCA-Torhüter Marwin Hitz. Dennoch ist die bevorstehende Rückkehr des ehemaligen Trainers ein guter Zeitpunkt für einen Stilvergleich. Das Ergebnis: In der Offensive hakt es noch beim FC Augsburg. Christoph Janker vertritt am Samstag Jeffrey Gouweleeuw.

Dirk Schuster ist ja eher ein kantiger Typ. Schon als aktiver Spieler mit Vokuhila-Frisur und Goldkettchen war er ein eisenharter Kerl – und das nicht nur auf dem Rasen. Wenn’s hochkommt, verriet neulich sein damaliger Kollege beim Karlsruher SC, Manni Bender, habe er mit Schuster in vier Jahren fünf Sätze gesprochen.

Der Trainer Schuster ist zwar nach Außen ein lockerer Typ als der Spieler, doch nach der Partie gegen Darmstadt zeigte er, das Gefühlsduselei noch immer nicht sein Ding ist. Das Spiel gegen den Klub, den er von der Dritten bis in die Bundesliga geführt hat, sei „kein besonderes“ gewesen, gab er zu Protokoll.


Marwin Hitz: "Denke, Weinzierl wird freundlich empfangen"


"Für Markus ist das Spiel vielleicht etwas Besonderes, für mich ein ganz Normales", bewertete Schuster nun das nächste Wiedersehen, wenn sein Kollege Markus Weinzierl auf seine Vergangenheit trifft; in der Arena an der B17 auf den FC Augsburg. Jenen Verein, den Weinzierl in seiner vierjährigen Amtszeit in der Bundesliga etablierte und bis in die Europa League coachte. Eine Zeit, in der Weinzierl selbst zu einem Gesicht des FCA und gar der Stadt wurde.

Auch wenn Stefan Reuter nun noch einmal nachlegte und den Abgang von Weinzierl in der "Sport Bild" als "enttäuschend" bezeichnete. "Ich denke, dass die Fans Markus Weinzierl gut begrüßen werden und hoffen, sie kümmern sich danach um uns", sagte hingegen Torsteher Marwin Hitz auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Sein Trainer Dirk Schutser pflichtete ihm später bei.

Schuster pocht noch mehr auf die defensive Ordnung


Die Augsburger Mannschaft, auf die Weinzierl am Samstag treffen wird, hat sich personell wenig verändert. Aus Weinzierls Gerüst, um das er den Rest des Teams aufgebaut hat, ist lediglich Ragnar Klavan weggebrochen. Dennoch hat sich das Augsburger Spiel seither auffällig verändert. Ließ schon der Niederbayer aus einer geordneten Defensive heraus agieren, pocht sein Nachfolger Schuster noch mehr auf das disziplinierte Verteidigen.

Weinzierl versuchte mit seiner Elf, den Gegner früh zu stören. Bei Ballgewinn schwärmten die Augsburger aus, ein langer Diagonalball suchte die Außenstürmer. Das Duo Tobias Werner und André Hahn entwickelte sich so zu einer der torgefährlichsten Flügelzangen der Liga.

Das Problem, das Spiel machen zu müssen, bleibt bestehen


In seinem letzten Augsburger Jahr aber verpuffte diese Taktik zumeist. Einerseits hatten sich die Gegner darauf eingestellt, andererseits hatte der FC Augsburg gegen tief stehende Mannschaften Schwierigkeiten damit, selbst gezwungen zu sein, das Spiel zu machen.

Ein Problem, das auch in der laufenden Saison – etwa der ersten Hälfte gegen Darmstadt – auffiel. Erst in Halbzeit zwei gegen zehn Darmstädter zeigte der FCA spielerisch eine Steigerung. Ansonsten ist Fußball unter Schuster eher harte Arbeit gegen den Ball. Das brachte dem FC Augsburg bis zur Länderspielpause immerhin ordentliche sieben Punkte ein.

Noch keine Schuster-Handschrift im Angriffsspiel - Es fehlen Tempospieler


Doch ein klarer Angriffsstil, wie jener, den Weinzierl prägte, ist bislang noch nicht zu erkennen. Freilich sind erst sechs Bundesliga-Partien absolviert. Doch die Eindrücke daraus zeigen offensiv noch keine Weiterentwicklung.

Meist suchte Augsburg mit langen Bällen den einzelkämpfenden Mittelstürmer Alfred Finnbogason. Die Mannschaft rückte dabei jedoch oft nur zögerlich nach. Auch weil die flinken Außenspieler fehlen. Dong-Won Ji oder der verletzte Caiuby sind keine klassischen temporeichen Flügelstürmer.

Der FCA ist noch zu leicht ausrechenbar - und damit leicht zu verhindern

Wie Ji zieht auch der gegen Darmstadt zunächst verbesserte, dann aber verletzte Raùl Bobadilla meist in die Mitte. Neuzugang Jonathan Schmid ist bisher noch nicht der, den man aus seiner besten Zeit in Freiburg kennt, und auch Linksverteidiger Phillip Max – den Schuster Schmid in Leipzig vorzog – konnte den offensiveren Part eher spärlich ausfüllen.

Tempo über die Seite bringt meist nur Konstantinos Stafylidis ins Spiel. Für kreative Überraschungsmomente sorgt bislang lediglich Ja-Cheol Koo. Die Offensive ist somit leicht auszurechnen – und zu verhindern.

Schuster muss umstellen: Janker spielt für Gouweleeuw


Schwierigkeiten, die bereits vor der Verletztenmisere scihtbar waren. Allerdings wird diese es Schuster alles andere als leicht machen, das Spiel nach vorne zu schleifen, Abläufe einzustudieren und neue Varianten zu entwickleln.

Gegen Weinzierls FC Schalke hat Schuster zudem defensive Sorgen. Der bislang stark spielende Abwehrchef Jeffrey Gouweleeuw fällt nach seinem Lungenkollaps mindestens für den Rest der Hinrunde aus. Als Ersatz wird Christoph Janker, der letzte fitte Innenverteidiger im Kader, auflaufen. "Gojko Kacar brauche ich auf der Sechs", sagte Schuster am Donnerstag.

Für den FCA wird entscheidend sein, Schalke nicht ins Rollen kommen zu lassen. "Wir müssen aktiv verteidigen und dann gezielt nach vorne spielen", gab auch Schuster vor. Was nach der Gelsenkirchener Start-Krise in den sechs Minuten mit drei Toren beim 4:1-Sieg über Gladbach für Kräfte freigesetzt wurden, sollte eine Warnung sein. Genauso wie eine Erfahrung aus der eigenen Vergangenheit: Aus Länderspielpausen kehrte der Weinzierl-FCA meist gestärkt zurück.
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