FC Augsburg: Weinzierls Wunder-Knaben ringen Schalke nieder

Der FCA jubelt: Jeong-Ho Hong traf zum zwischenzeitlichen 1:0. Foto: David Libossek

Wer ein Europa League-Wunder vollbringt, will freilich auch den FC Schalke in der Bundesliga ärgern. Der FC Augsburg tat genau das, indem er voller Hingabe Fußball arbeitete, ein wenig Glück hatte und der vielleicht nüchternste Brasilianer der Welt den Ball perfekt traf.

Nur ein Augsburger hatte etwas zu meckern an diesem Sonntagabend im Bauch der Arena an der B17. "Ich hätte lieber zu Null gespielt", monierte Torsteher Marwin Hitz nach dem 2:1-Last-Minute-Erfolg seines FC Augsburg gegen den FC Schalke. Freilich schob der Schweizer ein breites Grinsen hinterher, freilich war auch Hitz zufrieden, obwohl seine persönliche Serie ohne Bundesliga-Gegentreffer nach fast 370 Minuten geendet hatte.

Auf dem Augsburger Rasen waren sich zuvor mit dem FC Augsburg und dem FC Schalke 04 gleich zwei Sechzehntelfinalisten der Europa League gegenüber gestanden. Zum einen bedeutete das geballtes Selbstvertrauen auf beiden Seiten, zum anderen hatte jeder der Konkurrenten 90 Minuten Donnerstagabend-Fußball in den Beinen. Vorhersehbar also, dass sich diese Begegnung auf den letzten Metern entscheiden würde. Den längeren Atem sollten die Augsburger haben.

Augsburgs halbierte Wunder-Elf verdirbt Schalke den Nachmittag


Von deren Wunder-Startelf von Belgrad war gegen Schalke nur mehr etwas mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder übrig: Markus Feulner ersetzte den gesperrten Paul Verhaegh, Jeong-Ho Hong rückte für den verletzten Jan-Ingwer Callsen-Bracker ins Team. Ragnar Klavan kehrte zurück in die Mannschaft, ebenso Philipp Max, Caiuby und Dominik Kohr.

Die fünf Neuen und die verbliebenen Wundervollbringer hatte Trainer Markus Weinzierl auf die königsblauen Gäste eingestellt wie bereits im Heimspiel zuvor gegen den VfL Wolfsburg. Seine Mannschaft machte ab der Mittellinie die Räume für den Schalker Angriff um Klaas-Jan Huntelaar, Leroy Sané und Co. derart eng, dass dem Ensemble von Trainer André Breitenreiter wohl streckenweise die Lust am Fußball verging.


Koo und Bobadilla dem Platzverweis nahe

Dazu interpretierten die Hausherren in der mit 28.410 Zusehern erneut nicht ausverkauften Augsburger Arena ihre defensiven Aufgaben mit derartiger Hingabe, dass Ja-Cheol Koo und Raul Bobadilla sich bedrohlich Richtung Platzverweis grätschten und traten.

Die schönste Geschichte einer von Kampf geprägten ersten Hälfte schrieb jedoch Jeong-Ho Hong. Der Verteidiger, der bereits in Belgrad den Ausgleich geköpft hatte, stand erstmals seit dem 3:3-Remis gegen Mainz in der elften Liga-Runde wieder auf Bundesliga-Rasen. Hong hielt in einen Flachschuss von Dominik Kohr den Fuß rein: das 1:0. Der Abfälscher konnte danach sein Glück kaum fassen, schlug ungläubig die Hände über dem Kopf zusammen, während ihn die Kollegen von allen Seiten tätschelten.

In Halbzeit zwei spricht viel für Schalke


In Durchgang zwei wirkte es, als hätten die Gäste mehr Luft als der FC Augsburg. Leon Goretzka jagte nach 53 Minuten einen Schuss an die Unterkante der Latte, Augsburg verpasste es hingegen, seine Konter zu Ende zu spielen. So tauchte Sead Kolasinac in der 70. Minute in der FCA-Box auf. Eric-Maxim Choupo-Mouting servierte, Kolasinac schob ein: 1:1.

Als Daniel Baier im Mittelfeld bereits in Richtung Schiedsrichter blickend auf die imaginäre Uhr deutete, erinnerte sich auf rechtsaußen Markus Feulner daran, "dass wir da vorne ganz schöne Ochsen drinhaben". Und Feulner, der später sagte, er habe "nicht gesehen", ob er den Ball zuvor mit der Hand gespielt hatte, dieser Feulner flankte. Seine Hereingabe fand über Umwege den Weg zu Caiuby.


Caiubys Siegtreffer: Wie nach einem Blackout


Der Brasilianer wirkte hernach in der Interviewzone so, als hätte er einen Schlag auf den Kopf bekommen und könne sich nicht mehr daran erinnern, was dann geschehen war. Derart nüchtern kommentierte er seinen Volleyschuss unter die Latte des Schalker Tores und die Szenen frenetischen Jubels in der Arena.

Er habe immer gehofft, dass "der Ball nochmal vor meinen Fuß fällt oder auf meinen Kopf", berichtete er für einen lebensfrohen Brasilianer wie ihn ungewohnt sachlich und mit leiser Stimme. Das sei eingetreten, er habe den Ball perfekt getroffen, naja, und dann eben den Emotionen freien Lauf gelassen, erklärte er.


Handspiel? Feulner nimmt's mit Humor


Gefühlsausbrüche anderer Art entluden sich derweil bei Schalkes Johannes Geis, der sich nebenan vor versammelter Journalistenmeute über das Handspiel Feulners vor dessen Flanke ins Glück beklagte. Schiedrichter Florian Meyer jedenfalls entschuldigte sich später in der Schalker Kabine für den ausgebliebenen Pfiff. Und Feulner? "Ich habe den Ball ja weitergespielt", kommentierte er grinsend.

Der FC Augsburg hat nun 16 Punkte und steht über dem Strich zur Abstiegszone. Am Mittwoch kommt Borussia Dortmund zum Pokalachtelfinale.

David Libossek
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.