FCA in der Europa League: Glücksfall oder Gefahr?

Der FC Augsburg spielt in der kommenden Saison in der Europa League. Ob das nun gut oder schlecht für den Verein ist, darüber gehen die Meinungen in unserer Redaktion auseinander.

Pro Europa League: Geht's naus und genießt es!


"Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom, in Kopenhagen schellt das Telefon. . .": Augsburg singt sich ein auf mindestens sechs Spiele Europacup. Klar ist das ein Wagnis für einen kleinen Verein wie den FCA. Klar strahlt die Europa League nicht so hell wie ihre große Schwester im Sternengewand. Aber Flutlichtspiele gegen internationale Gegner haben seit jeher eine einzigartige Atmosphäre - egal in welchem Mantel.
Den Augsburgern ist, frei nach Franz Beckenbauer gesprochen, zu raten: "Geht's naus und spielt's Fußball." Genießt diese sechs Partien! Nehmt den Europapokal mit als Zuckerl für vier wunderbare Jahre Bundesliga, in denen Verein und Mannschaft stetig gewachsen sind. Auch wenn in der vergangenen Saison nicht jeder Einkauf gesessen hat, ist es Stefan Reuter und Co. zuzutrauen, den Kader dreifachbelastbar zu formen. Allen voran Reuter bringt durch seine eigene Karriere die nötige Erfahrung dafür mit.

Und wenn Markus Weinzierl es schafft, seiner Elf die richtige Balance zwischen Bundesliga und Europacup einzuimpfen, muss man keinen grandiosen Absturz befürchten wie etwa in Frankfurt. Der FC Augsburg ist bodenständig genug, um zu wissen: Was zählt, ist die Bundesliga, Europa ist ein Abenteuer.

Und auf das darf man sich ausgiebig freuen. In den Loskugeln stecken am 28. August freilich große Unbekannte, aber auch Mannschaften aus England, Spanien oder Italien. Diese Aufeinandertreffen sind eine neue Herausforderung, eine Abwechslung zum Bundesligaalltag. Unter Flutlicht an der Liverpooler Anfield Road oder im San Paolo zu Neapel schlagen selbst gestandenen Akteuren die Herzen bis zum Hals. Ein Erlebnis ist das auch für die Fans. Schlachtenbummeln durch die Stadien Europas. Epische Euro-Schlachten nicht mehr nur unbeteiligt am Fernseher verfolgen, sondern mittendrin sein.

Der FCA wird einen Schimmer der internationalen Flutlichter abbekommen, der die Anziehungskraft und - so ist das nun einmal im Entertainment-Geschäft Fußball - die Marke FC Augsburg heller scheinen lässt. Hält man dabei an der selbstironischen Einstellung (Stichwort: #KeineSau) fest, wird der FCA vom Abenteuer Europa profitieren. David Libossek

Contra Europa League: Passt 's auf, dass ihr net abstürzt


Vorweg: Dass der FCA in der kommenden Saison in der Europa League spielt, ist in erster Linie natürlich ein Grund zur Freude. Doch die Gefahr, dass daraus ab Herbst recht schnell Frust wird, ist groß. Die kleineren Bundesliga-Vereine - und dazu gehört der FCA bei allem Respekt vor der großen Leistung der vergangenen Spielzeiten - mussten nach einer Qualifikation für den internationalen Wettbewerb meist der Dreifachbelastung aus Bundesliga, Pokal und Europacup Tribut zollen.

Man denke nur an die vorvergangene Saison 2013/14, in der die beiden Euro-Fighter Freiburg und Frankfurt in der heimischen Liga lange gegen den Abstieg kämpften. Am Ende reichte es für die Hessen zu Platz 13, die Badener reihten sich auf Rang 14 ein. Bergauf ging es erst wieder, als man auf europä-ischer Ebene ausgeschieden war. Oder Nürnberg in der Saison 2007/08: Als Pokalsieger und Uefa-Cup-Teilnehmer stieg der FCN ab. Zwar ist der "Glubb" bekanntlich "a Depp", aber ohne die Zusatzbelastung hätte es vielleicht sogar die Fahrstuhlmannschaft aus Franken, die in Europa immerhin bis ins Sechzehntelfinale kam, geschafft, durch volle Konzentration auf die Bundesliga die Klasse zu halten.

Auch wenn der FC Augsburg die Gruppenphase nicht übersteht; die Mehrfachbelastung dauert lange an, denn bevor es zum K.O.-System kommt, ist bereits die komplette Halbserie zu Ende. Das Problem ist der Modus der Europa League, die genauso konzipiert ist wie die Champions League. Man muss in der Gruppe viele Spiele bestreiten, bekommt deutlich weniger Geld und trifft auf unattraktivere Gegner. Mitunter hat man weite Reisen bis an die Grenzen des Kontinents vor sich. Richtig verkraften können dies nur die großen Vereine.

Klar, der FCA hat bereits jetzt einen breiten Kader. Aber reicht das für den Drei-Tage-Rhythmus?

Den Verantwortlichen ist es zuzutrauen, die Leistungsträger zu halten und die Mannschaft sinnvoll zu verstärken. Dennoch kommt der Schritt nach Europa vielleicht zu früh. Denn die Dreifachbelastung erschwert das Hauptziel, sich langfristig in der Bundesliga zu etablieren, sicherlich. Janina Funk
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.