FCA-Saisonausblick: Von Helden und Heuschrecken

Der FC Augsburg startet am Freitag in die neue Saison. Durch unsere Glaskugel waberten einige Ereignisse der kommenden Spielzeit. Es wird alles genau so geschehen - ganz bestimmt.

Elfern in Elversberg.


Freitag, 22.35 Uhr. Dem FC Augsburg droht der Untergang in der Ursapharm-Arena zu Elversberg und damit das erneute Aus in Runde eins. Das Einlaufkind an der Hand von Marwin Hitz verabreicht dem FCA-Torwart geschickt ein Mittelchen des stadionnamensgebenden Augenheilkunde-Konzerns, das dem Schlussmann die Sicht im Flutlicht verzerrt. "Ich wusste nicht, welchen der drei Bälle ich fangen sollte", wird Hitz später sagen, der nach zehn Minuten und drei skurrilen Gegentreffern vom Platz genommen wird. Die Augsburger stellen auf 3:3, retten sich ins Elfmeterschießen. Alexander Manninger pariert gleich die zwei ersten Versuche der Regionalligisten - den dritten lenkt er alleine durch einen bedrohlichen Blick mit weit aufgerissenen Augen und angespannter Kiefermuskulatur um den Pfosten. Blamage verhindert.

Maskottchen mit Krawatte.


Der FCA und sein neuer Sponsor, die WWK Versicherung, präsentieren zum Heimauftakt gegen die Berliner Hertha ein offizielles Maskottchen. Es ist ein Versicherungsvertreter, der über dem FCA-Jersey einen schwarzen Anzug und Krawatte trägt. Er fordert die Kurve zur Lebensversicherungs-La-Ola auf, schmeißt Versicherungswechsel-Formulare in die Menge und springt auf einem Trampolin über meterhohe Aktenberge aus Schadensregulierungen.

Top-Top-Trochowski.


Markus Weinzierl jubelt - den Telekom-Cup eingerechnet - zum dritten Mal in vier Partien in Folge gegen den FC Bayern. Piotr Trochowski - ausgerechnet ein renommierter Münchner Sportmediziner hat dem am Knie verletzten Neuzugang zu einer Blitzheilung verholfen - trifft per 37-Meter-Freistoß-Geschoss gegen Manuel Neuer zum 1:0-Siegtreffer. "Ein top, top, super, super Spieler", schwärmt Pep Guardiola vierfach. Der Bayern-Trainer sorgt zudem für den Lacher des Tages, als er wild gestikulierend und mit "Dante, Dante"-Rufen versucht, Augsburgs Caiuby vom Feld zu holen.

Rosenau-Rückkehr.


Tropidacris collaris - nein, kein neuer griechischer Spielmacher - sondern der lateinische Name der Insekten, die Raul Bobadilla versehentlich in seiner Sporttasche nach Augsburg einführt. Die Riesenheuschrecken haben es sich nach dem WM-Qualifikationsspiel Paraguays in Venezuela in Bobadillas Ersatzschuhen gemütlich gemacht. Die Tierchen vermehren sich über Nacht rasant und laben sich am Arena-Rasen. Gut, dass der FCA eine Versicherung als Sponsor hat. Trotzdem muss die Mannschaft für eine Runde Bundesliga und Europa League ins Rosenaustadion umziehen. In nostalgischer Atmosphäre kommt Walther Seinsch, der als Tafelmann an der Ergebnisanzeige fungiert, mit dem Zahlenwechseln nicht hinterher. 5:0 gegen Hoffenheim, 4:1 gegen den FC Liverpool. Augenzeugen zufolge kullerte Seinsch im Flutlichtnebel eine Freudenträne die Wange herunter.

Der Este und die Eistonne.


Auch dank des Sieges gegen Liverpool zieht der FCA ins Sechzehntelfinale des Europapokals ein. Nächster Halt: Dnjepropetrowsk. Im Februar - bei minus 20 Grad. Während die Kollegen Caiuby und Esswein in Schneeanzügen, kombiniert mit überdimensionalen Moonboots, auf der Ersatzbank bibbern, hat Ragnar Klavan fürs persönliche Aufwärmprogramm die Eistonne aus dem Trainingslager am Walchsee im Gepäck. Wie Oskar aus der Sesamstraße reckt er kurz vor dem Anpfiff seinen Kopf heraus, steigt aus dem Eiswasser und betritt den Platz - kurzärmelig, versteht sich.

Treuer Trainer.


Ausgerechnet vor dem Augsburger Heimspiel in München steht fest: Pep Guardiola verlängert nicht beim FC Bayern. Erste Wahl der Münchner: Markus Weinzierl. "Unter 20 Millionen brauchen die gar nicht anrufen", verkündet FCA-Boss Klaus Hofmann umgehend. "Weinzierl: Münchner Kindl statt Augsburger Kasperl?", rätselt die Bild und will Weinzierls Frau bereits auf Haussuche in Grünwald und beim Shoppen in den Münchner Fünf Höfen gesichtet haben. "Lasst die Finger von unserem Trainer", auf die Melodie von "Emanuela" von Fettes Brot ist der Schlager des Augsburger Anhangs in der Arena. Weinzierl selbst reagiert gelassen: "Ich werde meinen Vertrag bis 2018 in Augsburg erfüllen", beruhigt er den Verein nach der Partie. Die Fans huldigen dem Niederbayern in einer Nacht- und Nebelaktion: So prangt tags darauf auf der Brunnenstatue des Herkules auf der Maximilianstraße Weinzierls Konterfei, das Biest, das er niederringt, trägt ein Bayern-Trikot.

Bobas Bemalung.


In besagtem Aufeinandertreffen mit den Münchnern erledigt Raul Bobadilla den Rekordmeister per Doppelpack quasi im Alleingang. Es sind seine Saisontreffer 13 und 14. Aus Dankbarkeit für die Unterstützung auch in schweren Zeiten lässt sich der Stürmer - der auf der Brust die Gesichter seiner Eltern tätowiert hat - die Porträts Markus Weinzierl und Stefan Reuter auf den Rücken stechen.

Euro-Sauerei.


Nachdem der FC Augsburg in der Europa League bis ins Halbfinale gestürmt ist und die rot-grün-weißen Schlachtenbummler zu Tausenden die Arenen Europas geentert haben, kennt den FCA nun tatsächlich #jedeSau. Sämtliche soziale Netzwerke werden von den Hashtags #everysow, #toutetruie, #ciascunatroia oder #cadacerda beherrscht. Eine europaweite Sauerei, sozusagen.

Hrubesch-hafter Hitz.


Letzter Bundesligaspieltag, 17.20 Uhr. Der FC Augsburg verpasst zu diesem Zeitpunkt die erneute Europa League-Qualifikation. Hamburg führt in Augsburg 1:0. Der FCA braucht den Sieg - Hamburg ebenfalls, um nicht abzusteigen. Die Extra-Zeit läuft bereits. Klar, dass einer vorne im Strafraum wirbelt: Marwin Hitz. Horsthrubesch-haft köpft er das 1:1. Zwei Minuten später fällt Hitz der Ball vor die Füße, er holt aus. . .

Die Glaskugel wird plötzlich neblig und trüb. Auf den Ausgang müssen wir wohl noch rund neun Monate warten.

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