FCA schafft die Sensation gegen Partizan Belgrad: "Das Wunder von Belgrad"

(Foto: Klaus Rainer Krieger)

Die Mannschaft von Markus Weinzierl hatte vor dem Spiel versprochen alles zu geben um das "Wunder von Belgrad" zu schaffen. Nach dem frühen Rückstand und der Verletzung von Jan Ingwer Callsen-Bracker (JICB) brachten Augsburgs Verteidiger den FCA auf Kurs. Dank der Tore von Hong, Verhaegh und Bobadilla überholte der FCA quasi auf der Ziellinie die Belgrader und qualifizierte sich als Gruppenzweiter für das Sechzehntelfinale.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar, nur ein 3-1, 4:2 oder noch höherer Auswärtssieg reicht dem FCA zum Überwintern in der Europa-Leaque (EL). Diese Konstellation kommt daher, dass in der EL bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt und Belgrad im Hinspiel 3:1 in Augsburg gewonnen hat. Die Herausforderung wird durch die gelb-Sperre bedingten Ausfälle der zuletzt starken Dominik Kohr und Alexander Esswein noch verstärkt. Im Vergleich zum Auswärtssieg in Köln hat Augsburgs Trainer Markus Weinzierl seine Startelf auf gleich fünf Positionen verändert: Stafylidis, Janker, Matavsz, Ji und Trochowski spielten für Max, Caiuby, Klavan, Esswein und Kohr.

Die Partie beim 26-maligen Serbischen Meister Partizan Belgrad begann denkbar schlecht aus Augsburger Sicht. Zwar hatten die Augsburger von Anfang an mehr Ballbesitz und machten das Spiel - aber Belgrad stand sicher und lauerte auf Konter. Wie so oft in dieser Saison verwertete der Gegner direkt seine erste Chance eiskalt zum 1:0. Nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung hebelte Belgrad mit einem langen Ball die aufgerückte Verteidigung aus. JICB konnte Abubakar Oumaru nicht entscheidend stören und schon stand es 1:0 für die Hausherren. Ergebnistechnisch spielte der Gegentreffer keine Rolle, da die Fuggerstädter sowieso drei Tore erzielen mussten. Aber man durfte sich nun keinen Aussetzer mehr erlauben.

Beinahe eine Kopie des 0:1 aus Augsburger Sicht: Der FCA verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung. Zivkovic kommt letztlich aus 16 Metern zum Abschluss. Callsen-Bracker fälschte den Linksschuss des schnellen Serbens gerade noch zur Ecke ab (26. Minute).

Der nächste Nackenschlag


Der Belgrader Ninkovic traf in der 36. Minute Callsen-Bracker mit gestrecktem Bein direkt am Sprunggelenk. Der Verteidiger lag am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Ganz bitter JICB konnte nicht weitermachen und wurde mit einer Trage weggetragen. Das war eine klare Rote Karte! Glück für Ninkovic, der nur gelb sah. Für JICB kommt Jeong-Ho Hong.

Kurz vor der Pause. Augsburg hatte viel in den ersten Durchgang investiert, so standen unter anderem 66 Prozent Ballbeseitz zu Buche, aber echte Torchancen sprangen dabei keine heraus. Aber wenn aus dem Spiel heraus nichts ging, dann musste halt eine Standard-Situation her. Freistoß linke Seite - ein Fall für den Augsburger Spezialisten Piotr Trochowski. Seine präzise Flanke fand den Kopf des eben erst für JICB eingewechselten Jeong-Ho Hong. Dessen Kopfball aus kurzer Distanz lies Belgrads Torhüter Zivko Zivkovic keine Abwehrchance. Mit dem Ausgleich ging es in die Pause. Leise Hoffnung keimte auf - ging da noch etwas?

Die zweite Halbzeit begann fast wie die erste. Ballverlust Augsburg, Belgrad konterte über Abubakar Oumaru. Doch diesmal waren Hong und Janker zu Stelle - gemeinsam wehrten sie den Angriff ab. Danach marschierte nur noch der FCA. Mit einer Art Powerplay wurde Belgrad immer weiter in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Verlorene Bälle wurden schnell wieder erobert und so entstanden weitere Räume und es ergaben sich immer mehr Chancen für den FCA. In der 50. Minute kam Daniel Baier am Strafraum an den Ball, mit einem feinen Lupfer hob er die Kugel über Belgrads Verteidigungslinie hinweg. Von rechts kam Augsburgs Kapitän herangerauscht - Belgrads Torhüter Zivko Zivkovic stürmte ebenfalls aus dem Kasten Richtung Ball, doch Verhaegh war einen Tick schneller und spitzelte das Leder am Keeper vorbei ins Tor. 2:1 für den FCA - ein Tor fehlte noch!

Noch 39 Minuten


Nach dem Tor zum 1:2 aus Belgrader Sicht, schwammen sich die Hausherren wieder etwas frei und stemmten sich gegen die Niederlage. Es entwickelte sich ein richtiger Pokalfight mit Chancen auf beiden Seiten. Beide Mannschaften suchten mit offenem Visier die Entscheidung. In der 56. Minute tanzte sich Brasanac durch die Augsburger Defensive und tauchte vor Hitz auf, der die Faust hochriss und so den Schuss aus elf Metern glänzend parierte. Nur fünf Minuten später probierte es Trochowski auf der anderen Seite mit einem Distanzschuss. Doch Zivkovic war zur Stelle. In der 73. Minute hatte der FCA Glück, als der 20-Meter-Hammer von Ninkovic an die Latte ging, Hitz wäre da nicht mehr rangekommen.

Weitere fünf Minuten später hatte Caiuby die rießen Chance zum 3:1. Bobadilla leitete den Konter ein. Matavz lies den Pass von Bobadilla durch und Caiuby rannte allein aufs Tor zu. Nur noch Belgrads Keeper stand zwischen ihm und dem Tor zum 3:1. Doch Zivkovic bekam die Beine bei Caiubys Abschluss gerade noch zusammen. Puh.. das wäre die Chance gewesen.
In der 80. Minute nahm Andrija Zivkovic im Kopfballduell mit Janker die Hand zur Hilfe und sah gelb-rot - eine harte Entscheidung.

Noch zehn Minuten


Belgrad in Unterzahl versuchte natürlich noch kompakter zu stehen und die Räume eng zu machen. Augsburg zog hingegen in Person von Ji und Bobadilla Richtung Tor, doch die Angriffe wurden immer wieder abgeblockt und die Uhr tickte unerbittlich weiter. Statdessen setzte Belgrad gefährliche Konter. Brasanac lief mit viel Anlauf auf Hitz zu, Janker bedrängte ihn und der Belgrader schießt die Kugel über das Tor. Augsburg machte hinten auf und warf alles nach vorne. Doch der Konter hatte Belgrad wieder wertvolle Sekunden gebracht.

Noch fünf Minuten


Die gefühlvolle Falnke von Paul Verhaegh fand in der 89. Minute Caiuby im 16er, der köpfte die Kugel direkt weiter zu Bobadilla und der Peruarer drückte den Ball mit seiner ganzen Entschlossenheit ebenfalls per Kopf über die Linie. Natürlich Raul Bobadilla, Augsburgs Mister Europa-League, machte das 3:1 - das würde reichen.

Vier Minuten Nachspielzeit


Die Spieler von Markus Weinzierl hauten sich jetzt in alle Zweikämpfe. Sie wollten sich nicht wieder kurz vor Schluss noch ein unnötiges Ei einfangen. Bobadilla spielte mit zwei Belgrader Gegenspieler Katz und Maus und suchte die Eckfahne heraus sprangen wertvolle Sekunden und ein Einwurf - maximale Ausbeute. Dann ertönte irgendwann der erlösende Pfiff! Das Spiel war aus! Der FC Augsburg gewann das Spiel gegen Belgrad mit 3:1 und steht in der Runde der letzten 32 Mannschaften in der Europa League! Die Spieler auf dem Platz konnten es gar nicht so recht glauben und schauten einander zweifelnd an. Während draußen die Ersatzspieler, der Trainer, der Manager und die Betreuer bereits ihr Tänzchen aufführten.

Die Pflicht


Nach der erfolgreichen Kür, erwartet den FCA am Sonntag, 13. Dezember, 15.30 Uhr, ein schweres Heimspiel gegen Schalke 04. "Das war ein geiles Spiel und eine geile Leistung der ganzen Mannschaft", sagte der Matchwinner Raul Bobadilla hinterher. Doch die ganz große Party wird es trotz des größten Erfolgs der Vereinsgeschichte nicht geben. "Vielleicht werden wir auf dem Zimmer noch ein bisschen Playstation zocken. Wir haben am Sonntag ein wichtiges Spiel gegen Schalke", so der gebürtige Argentinier weiter.
Die Königsblauen gewannen ihr letztes Europa-League Gruppenspiel gegen Asteras Tripolis mit 4:0 und qualifizierten sich als Gruppenerster ebenfalls für die Runde der letzten 32 Teams. Für die Partie am Sonntag muss Augsburgs Trainer Markus Weinzierl sich vor allem Gedanken über die Aufstellung in der Abwehr machen. JICB droht länger auszufallen, Hong ist, auch wenn er heute ein gutes Spiel machte, erst seit kurzem wieder fit, Ragnar Klavan hatte in Belgrad wegen einer Gehirnerschütterung pausiert und Kapitän Paul Verhaegh fehlt aufgrund einer Sperre.
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