"Heja, Heja, AEC!": Wie geht es weiter mit den Ansagen im Curt-Frenzel-Stadion?

Banner vor dem Spiel gegen Schwenningen. Da hieß der AEV noch AEV ...
 
trad. arr.

14 Jahre lang war Rolf Störmann die Stimme des Curt-Frenzel-Stadions, kurz vor Saisonstart legte er überraschend das Mikro beim AEV beiseite. Und die Augsburger Panther GmbH brauchte quasi über Nacht einen Ersatz - beim Fanmeeting vor zwei Wochen kündigte Leo Conti einen Stadionsprecher "aus Eurer Mitte" an.



Nach zwei Spielen mit Sascha Strunck haben die Fans erfahren müssen, dass dem eher nicht so ist. Ein Stadionsprecher sollte den Sport kennen, den Verein und seine Spieler. Denn seine auf den ersten Blick einfache Aufgabe besteht darin das Team vorzustellen und die Entscheidungen der Schiedsrichter zu vermitteln. Zu diesen Basics kommt im besten Fall die Animation der Heimfans - die sollen noch ein bisschen lauter den AEV nach vorne schreien. Das ist nicht so einfach wie es sich liest, aber die ersten beiden Punkte sollte ein Sprecher im Curt-Frenzel-Stadion drauf haben.

Nach seiner Premiere gegen Krefeld wetterten im AEV-Forum und auf Facebook die ersten los: "Der geht gar nicht!" Die meisten meinten da noch, dass man ihm doch bitte eine gewisse Einarbeitungszeit gewähren solle und er eine angenehme und verständliche Stimme habe.

Eidriän und Älex - zwei neue kanadische Stürmer?

Er hatte zwar die Namen der Spieler noch nicht drauf, machte aus Grygiel und Polaczek Deutschkanadier - "Eidriän" und "Älex" trafen für den AEV - und er verhaspelte sich bei Vorlagengebern und Torschützen. War das nach drei Tagen Vorbereitungszeit zu viel verlangt?

Man schmunzelte im Stadion über die neuen Ausländer im Team, einige schimpften, aber die meisten wollten Sascha Strunck die Zeit geben dazuzulernen und besser zu werden. Nach seinem zweiten Einsatz beim Schwenningen-Spiel sieht das anders aus.

Strunck hatte jetzt die Namen inklusive korrekter Aussprache drauf, und auch die Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel war bis auf einen kleinen Lapsus - Verteidiger Derek Dinger wurde von ihm per Ansage zum Stürmer umgeschult - ganz passabel. Zur Einstimmung hatte er, der wohl nicht so gut Schlittschuh laufen kann wie sein Vorgänger Störmann (der spielte selbst Eishockey bei Germering), sich im Spotlight vor die Fankurve gestellt und die Anhänger wie sein Vorgänger zu einem lauten "A! E! Vau!" animiert - ungewohnterweise gefolgt von einem "Ausrufezeichen!" Darauf blieb die Antwort aus der Kurve aus, nach vierzehn Jahren ohne Exklamationszeichen kam das wohl zu überraschend. Aber immerhin hatte er sich bemüht, und es war besser als beim ersten Spiel.

"Tor durch Ben Hanowski nach Pass von Ben Hanowski"

Bei den Toren zeigte sich, dass der Neue doch noch nicht so sicher ist mit den Spielernamen, und erst recht nicht mit den Gepflogenheiten nach einem Tor. Statt erst die Vornamen der Assisten zu rufen - der Nachname wird vom Publikum gebrüllt - und dann den Torschützen brachte er alles durcheinander: Er stockte, nannte Brady Lamb "Braden", wie es nur auf dem Spielberichtsbogen und in dessen Pass steht, und begann mit dem Torschützen statt dem Vorlagengeber. Statt die Scorer mit gebrüllten Nachnamen zu feiern gab es weitgehend verwundertes Schweigen im Stehplatzbereich. Das kollektive Rätseln ging weiter, denn es wurde der Torschütze zweimal angestimmt - Tor durch Ben Hanowski nach Pass von Ben Hanowski? Der Stürmer ist schon sehr geschickt, aber ein Doppelpass mit sich selbst schafft nicht einmal Supertechniker Drew LeBlanc. Der neue Stadionsprecher sorgte so gerade nach Toren, wo sonst die Stimmung überschwappt, für Erstaunen statt Lärm.

"AEC" - Sascha Struncks Schalke-05-Moment

Aber auch das sind Rituale, die Strunk noch lernen könnte - falls es noch dazu kommt. Denn mit einem einzigen falschen Buchstaben nach dem Spiel hat er sich unsterblich gemacht, und bei den allermeisten Fans untragbar. Carmen Thomas, die erste Frau im ZDF-Sportstudio, wird immer noch verbunden mit ihrem Versprecher "Schalke 05" und hielt dem öffentlichen Druck eineinhalb Jahre lang stand. Dann verließ sie das Sportstudio.

Im Curt-Frenzel-Stadion wurden nach dem Spiel Wetten abgeschlossen, ob das Spiel gegen Schwenningen schon das letzte von Sascha Strunck kommentierte war. Denn der Lübecker hatte den Vereinsnamen falsch ausgesprochen, er redete nicht vom AEV, sondern sagte AEC. So einen Club gibt es tatsächlich, den Adendorfer EC in der Regionalliga Nord - aber im Curt-Frenzel-Stadion spielt seit 1878 ein Verein, der AEV.

Was würde Strunck denken, wenn im Volksparkstadion sein Lieblingsverein als "HSC" verunglimpft würde? Fan von St. Pauli am Mikro, besoffen oder unfähig? Bei ihm kann das ausgeschlossen werden, er könnte es eigentlich, aber so ein Fehler darf auch bei Lampenfieber und in der Aufregung beim schnellen Spiel nicht passieren.

Kommt ein Nachfolger?

Was kommt jetzt? Der Shitstorm in den sozialen Medien ist nicht nur vernichtend, sondern auch kreativ. Ein Weitermachen mit Strunck ist für die meisten Fans schwer vorstellbar, als schneller Ersatz fiel der Namen Gerhard Leinauer, der vor seiner Karriere als Fernsehkommentator als Fan auf der Curt-Frenzel-Gerade stand. Stefan Mack, der Rolf Störmann oft vertrat, hatte gleich nach dessen Demission abgewunken. Ein Casting unter den Fans wurde angeregt, wo einer, wenn er denn anträte, den Re-Call überspringen dürfte und sofort ans Mikro gelassen würde. Zurück an SEIN Mikro ...

Denn vielleicht war die Installation Sascha Strunks nur ein perfider Plan der Panther-Führung, um die alte Stimme des AEV zu überzeugen? Horst Müller ist immer noch regelmäßiger Gast im Eisstadion, und wird sich mehr als alle anderen ärgern, wie jetzt sein Erbe verwaltet wird. Die alten Fans trauern ihm immer noch nach, weil er wusste, wie sie zu animieren waren. Genau zum richtigen Zeitpunkt kam zum Beispiel die Durchsage vom bei ihm abgegebenen Schlüsselbund. Worauf 7774 Fans ihre Hosentaschen checkten, ihre Schlüssel präsentierten und ein Weihnachtslied anstimmten: "Kling Glöckchen, klingelingeling, kling Glöckchen, kling! Keiner wird es wagen, den AEV zu schlagen ..."
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