Katerstimmung zum Plärrerauftakt: FCA unterliegt Ingolstadt

Das kleine Bayern-Derby in Augsburg - und das pünktlich zum Plärrerauftakt. Die Partie gegen den FC Ingolstadt nahm jedoch kein gutes Ende für den FC Augsburg. 0:1 unterlag der FCA den Schanzern. Gegen Ingolstadts Türsteher ist der FC Augsburg nicht spitzbübisch genug.

Volksfeststimmung herrschte an diesem ersten Herbstplärrerwochenende so oder so in der Augsburger Arena. Auf den nicht bis zum letzten Platz gefüllten Rängen (30.003 Zuschauer) lieferten sich rund 4000 Ingolstädter Anhänger einen lautstarken Zweikampf mit dem Augsburger Lager um die Stimmungshoheit im quasi größten Bierzelt der Stadt.

Für den ersten Tusch sorgte Jeong-Ho Hong, der einen Freistoß aus zentraler Position mit etwas zu viel Schmalz über das Ingolstädter Tor wuchtete. Und lange dauerte es nicht, dass der Ordnungshüter, Schiedsrichter Jochen Drees, einschreiten musste. Zunächst, als Raul Bobadilla, der beim FC Augsburg über die rechte Seite wirbeln sollte, mit Ingolstadts Bernardo de Oliveira im Luftkampf aneinandergeriet. Und wenig später, als Caiuby nach einem Wischer gegen Benjamin Hübner Glück hatte, dass er mit einer Verwarnung davonkam.

Nach 27 Minuten pfeift das Augsburger Publikum


Fußballerisch hatte Tobi Werner nach 16 Minuten nach einem Konter eine feine Möglichkeit, der Winkel war allerdings zu spitz und so verkam Werners Abschluss zu einer letztlich harmlosen Mischung aus Hereingabe und Torschuss. Die Begegnung entwickelte sich - ausgenommen von ein paar Nickeligkeiten und Reibereien, die Hong die Gelbe Karte einbrachten - eher zu einer gemütlichen Riesenradfahrt, denn zu einem wilden Ritt auf der Derbyachterbahn. Einzig Debütant Philipp Max erfrischte hin und wieder mit seinen Vorstößen auf der linken Seite.

Nicht genug aber für das Publikum, das nach 27 Minuten und einem Rückpass auf Marwin Hitz das erste Mal pfiff. Die Band in der weißen Tracht, sie hatte ihren Rhythmus noch nicht gefunden. Besonders Offensiv-Kapellmeister Halil Altintop verpasste es wegen einiger ungewohnter technischer Fehler, seine Nebenleute in den richtigen Groove zu versetzen.

Ingolstadt: Sechs Türsteher, ein Scharfschütze


Ingolstadt interessierte das emsige, aber wirkungslose Augsburger Treiben weitab vom eigenen Tor derweil wenig. Mit mindestens sechs knallharten Türstehern riegelten sie das letzte Drittel gekonnt ab. Die Augsburger waren nicht ideenreich, nicht spitzbübisch genug, sich an dieser Wand vorbeizumogeln.

Und dann krachte es plötzlich in der eigenen Hälfte. Markus Suttner trat einen Freistoß so präzise, als wolle er einer Angeschmachteten unbedingt eine Rose schießen. Er zielte jedoch zu genau, der Ball titschte von der Unterkante der Latte vor die Torlinie. Kurz vor der Pause blieb Hitz zum Glück für Augsburg cool wie ein Halbstarker am Autoscooter - und parierte überragend gegen den alleine vor ihm aufgetauchten Moritz Hartmann. So stand zur Pause wenigstens auch hinten die Null.

Matavz und Werner vergeben Riesen-Doppelchance


Acht Minuten nach Wiederanpfiff änderte sich das beinahe auf der anderen Seite. Bobadilla warf sich einmal mehr wie ein mächtiger Kirmesboxer in den Kampf gegen zwei Ingolstädter. Dank seiner feinen Technik und seines wuchtigen Körpers geriet er trotz Unterzahl nicht ins Taumeln, leitete einen Doppelpass mit Dominik Kohr ein, an dessen Ende er scharf nach innen passte. Zunächst verfehlte der für Caiuby eingewechslte Tim Matavz den Ball, ehe Werner am langen Pfosten das leere Tor nicht traf, wofür er sich später bei der Mannschaft entschuldigen sollte.

Trostpreise wie an der Wurfbude gab es für den Fehlversuch auf dem Platz jedoch keine. Stattdessen schickte sich zehn Minuten später Ingolstadts Matthew Leckie an, das zu bestrafen. Wie der tollste Hecht der Festwiese schritt er vor den Augsburger Sechzehner und zog selbstbewusst in Richtung kurzes Eck ab. Hitz verschätzte sich wohl, sah den Ball neben das Netz fliegen - dann lag er allerdings drinnen: 0:1. "Haltbar", sollte der Schlussmann später sagen.

Hinterseer verpasst Entscheidung, Pfosten verhindert Ausgleich


Jetzt fetzte das Derby tatsächlich einmal wie die "Wilde Maus" von einer scharfen Kurve in die nächste. Ragnar Klavan legte Stefan Lex elfmeterreif, der Pfiff blieb aber aus. Lukas Hinterseer verpasste, freistehend zum 2:0 einzuköpfen. Auf der anderen Seite klatschte ein Werner-Freistoß, der lange durch den Strafraum gesegelt war, an den Pfosten. Nach 78 Minuten gelang es Matavz beinahe, mit Hilfe des für Altintop gekommenen Alexander Esswein, den Ball ins Tor zu schmuggeln, wie ein Lausbub den kleinen Bruder ins Bierzelt. Sicherheitsmann Ramazan Özcan hatte jedoch aufgepasst.

Die kurze rasante Phase verlor jedoch bald wieder an Fahrt. Ingolstadt riegelte jetzt endgültig ab, wie Securitys ein überfülltes Bierzelt - und dem FCA mangelte es an kreativen Einfällen. Fußballerische Magerkost, statt Maß und Hendl. Die Niederlage war letztlich nicht mehr zu vermeiden. Und sie war verdient.

Marwin Hitz: "Keine Krise"


Es bleibt dabei: Der FC Augsburg tut sich gegen tief stehende, diszipliniert agierende Mannschaften weiter schwer. Nach der Länderspielpause wird der Gegner zwar garantiert anders zu Werke gehen, es wartet jedoch in München der FC Bayern auf die Augsburger. Katerstimmung nach der großen Euro-Sause der Vorsaison herrsche beim FCA jedoch nicht. "Wir wissen, wer wir sind. Wir sind der FC Augsburg", relativierte Marwin Hitz später. Nur die Zuschauer, "die pfeifen, scheinen das nicht zu wissen".

Die Pause zum Abstand gewinnen, brauche Hitz, der am Montag zur Schweizer Nationalmannschaft reist, nach eigener Aussage jedenfalls nicht. "Ich habe keine Krise im Kopf. Ich muss nicht durchlüften." Auch die Kurve verfiel angesichts der Derbypleite nicht in den Blues: Sie feierte die Mannschaft nach dem Schlusspfiff lautstark.
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