Kevin Dansos Bundesliga-Debüt für den FC Augsburg: "Mama hat gesagt, mach' ein gutes Spiel"

Starkes Debüt in der Dreierkette des FC Augsburg mit Hinteregger und Kacar: Kevin Danso. (Foto: Alexander Heinle)

Wieder einer aus eigenen Jugend in der Startelf des FC Augsburg: Manuel Baum setzte gegen RB Leipzig auf Kevin Danso. Es zahlte sich aus - der 18-Jährige trug maßgeblich zum starken Auftritt des FCA und dem verdienten 2:2 bei. Er selbst fand seine Leistung "in Ordnung".

Ein Tackling gegen Emil Forsberg am eigenen Sechsmeterraum, das an beste Philipp-Lahm-Zeiten erinnerte: Ball vom Fuß des Gegners ziehen und ihn am eigenen behalten. Der Aufschrei der 28.314 Zuschauer in der Arena erreicht beinahe den Pegel eines Torjubels.

Der ausführende Akteur hat äußerlich auf den ersten Blick wenig mit Lahm gemein. Das liegt alleine an der Körperlänge von 1,90 Meter. Kevin Danso, 18 Jahre jung, aufgeboten in der Augsburger Dreierkette neben Martin Hinteregger und Gojko Kacar. Und das in einem emotionsgeschwängerten Bundesligaspiel gegen den umstrittenen, aber erfolgreichen Emporkömmling aus Leipzig.

Jugend forscht gegen Leipzig: Ist Baum übergeschnappt?

Ist Manuel Baum nun vollends übergeschnappt, wird sich wohl der ein oder andere beim Blick auf die Startelf des FCA-Trainers gefragt haben, der auf Daniel Baier und Kapitän Paul Verhaegh verzichten musste. Jugend forscht, in solch einem brisanten Duell mit dem Tabellenzweiten?

Man kann es aber ebenso mutig nennen. Und es ist eben dieser Mut, der den Bundesligatrainer-Novizen Baum unter anderem ausmacht. Etwas, das sich die Verantwortlichen des FC Augsburg erwartet haben, als sie den Chef des Nachwuchsleistungstrainer beförderten.

Und einmal hatte sich ein Wagnis Baums ja bereits ausgezahlt: Als das FCA-Eigengewächs Raphael Framberger mit seinem fantastisch-frechen Bundesliga-Debüt maßgeblich zum 2:1-Erfolg in Wolfsburg beitrug.

Baum lobt Danso: "Ein richtig gutes Spiel"

Auch Framberger stand gegen Leipzig von Beginn an auf dem Platz: als Rechtsaußen, gleich neben Danso. Und der Österreicher mit ghanaischen Wurzeln machte sich eifrig daran, das Vertrauen seines Trainers zu rechtfertigen. Eine saubere Grätsche hie, ein körperlich robustes Ablaufen da - und nach etwas mehr als einer halben Stunde gar ein Abschluss. Sein Kopfball nach einem Freistoß flog jedoch übers Leipziger Tor.

"Kevin Danso hat ein richtig gutes Spiel gemacht", merkte auch Manuel Baum später in der Pressekonferenz explizit und vor allem ungefragt an. Er hatte Recht.

Erstaunliche Körperbeherrschung

Erstaunlich, die kontrollierte Körperlichkeit, die der Debütant auf den Platz brachte. Was bei seiner Größe und athletischen Statur und seiner Jugend keine Selbstverständlichkeit ist. "Ich habe Vertrauen in mein Verteidigen", kommentierte Danso hernach.

Dass ausgerechnet er und Framberger als Letzte neben dem 1:1-Torschützen Timo Werner standen, zeugt nicht von deren Schuld am Gegentreffer kurz nach dem Konstantinos-Stafylidis-Strahl zur Augsburger Führung. Das zentrale Mittelfeld um Dominik Kohr hatte den fulminanten Antritt von Vorbereiter Naby Keita schlicht nicht stoppen können.

Ein Spiel, das mit jeder Minute mitreißender wird

70 Prozent gewonnene Zweikämpfe zur Pause zeugten da eher von etwas: Nämlich von der Qualität des Danso-Debüts. Sie unterstrichen auch, wie stark der FC Augsburg generell gegen die favorisierten Gäste auftrat. Getragen von der atemberaubenden Atmosphäre zwangen sie RB ein körperbetontes Spiel auf, das mit jeder Minute mitreißender wurde.

Und mittendrin der 18-jährige Österreicher. Wie talentiert dieser Jungspund ist, belegt auch, dass er von der U15 an sämtliche Jugendnationalmannschaften Österreichs durchlief. 2014 kam er aus der Jugend des Drittligisten Milton Keynes Dons zur U17 des FC Augsburg. Eine im Übrigen in England ebenso umstrittene Mannschaft wie FCA-Gegner Leipzig, da ein Unternehmer den FC Wimbledon kurzerhand nach Milton Keynes umziehen ließ - der künftig als MK Dons auflaufen sollte. Dort wurde der damals 15-Jährige bereits in der U18 eingesetzt.

Nicht ein Foul: Danso agiert bemerkenswert reif

Eine bemerkenswerte Reife zeigte Danso auch gegen den ungewöhnlichen Aufsteiger aus Leipzig. Konzentriert, unaufgeregt, immer dann im Passweg oder im Kopfballduell, wenn es nötig wurde. Er spielte in diesem wahnsinnig intensiven Spiel nicht einmal Foul.

Bereits Dirk Schuster war angetan vom Hünen, der beim FCA die Nummer 38 trägt, beorderte ihn am 26. November in Köln erstmals in den Bundesliga-Kader. "Ein großartiges Jahr", feierte Danso auch deshalb auf seinem Twitter-Profil. Mit dem Vermerk: "Das nächste wird noch besser."

"Die Mannschaft hat ihn super aufgenommen"

Mit seinem verdammt coolen Auftritt an diesem Märzabend in der aufgeheizten, ja zeitweise bebenden Arena hat sich Danso wörtlich ins Scheinwerferlicht gespielt. Laut Baum auch ein Verdienst des Teams: "Die Mannschaft hat ihn super aufgenommen im Profikader und auch weiterentwickelt", sagte er.

Sehr glücklich für ihn, sei Kollege Stafylidis daher. "Es war sehr gut für das erste Bundesligaspiel. Er gibt auch im Training immer 100 Prozent", lobte der Schütze des 1:1. "Richtig stark", urteilte Georg Teigl.

Ausgerechnet Hinteregger - Dansos Märchen endet in weißen Schlappen

Dass das 2:2 durch einen Kraftakt von Dansos Nebenmann Martin Hinteregger fiel - jenem Innenverteidiger, der nach seinem Wechsel von RB Salzburg nach Augsburg öffentlich das Hin-und-Hergeschiebe von Spielern zwischen den RB-Dependancen in Österreich und Leipzig kritisierte - ist eine weitere Geschichte, die dieses denkwürdige Freitagabendspiel schrieb.

Das Märchen Dansos endete in weißen Schlappen. Mit denen tingelte er begleitet von seinem Landsmann Hinteregger von einer Kamera zur nächsten. Und sprach, ebenso unaufgeregt wie er auf dem Platz wirkte, in die Mikrofone.

Danso erfuhr erst am Freitag von seinem Einsatz

"Meine Leistung war in Ordnung", urteilte er bescheiden. Ja, nervös sei er schon gewesen, aber gefreut habe er sich auch, als er am Freitagmorgen von seinem Startelfplatz erfahren hat. Dass er in der Innenverteidigung aufgeboten wurde, sei nicht ungewohnt. "Stürmer, Sechser, Innenverteidiger - ich kann alles", sagte er mit einer für seine Größe bemerkenswert leisen Stimme, bevor er sich artig beim Trainer bedankte und erzählte, dass er sein Bundesliga-Debüt-Trikot seinem Bruder gegeben hat.

Und auch seine Mama erwähnte er noch. "Sie hat gesagt, das ist deine Chance, mach' ein gutes Spiel." Da konnte Danso ja gar nicht anders.
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