Kommentar: DEL-Wintergame AEV gegen EHC RB München - warum?

Frostig und verschneit - Eishockey draußen gibt es fast täglich auf der Bahn 2 neben dem Curt-Frenzel-Stadion
 
Diese jubelnde Masse ist Kälte gewohnt: Bis vor drei Jahren spielte der AEV in einer offenen "Halle".
Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion |

Wir hatten in Augsburg jahrelang jede Woche unser "Wintergame", als das Curt-Frenzel-Stadion noch auf drei Seiten offen war. Minus 20 Grad, der Schaum gefror auf dem Bier, man musste sich warmhalten durch Hüpfen und Schreien. Aber die Liga forderte vom Club und der Stadt unsere Kultstätte einzuhausen - und jetzt soll man nach draußen in die Kälte zurück, ohne Dach noch dazu?


Haunstetten, Rosenau oder München - wo soll der Event steigen?

Wer auf Schnee ums Eis steht und frieren möchte: Auf Bahn 2 werden regelmäßig Hobbyspiele ausgetragen und sie ist immer noch prächtig vom Katzenstadel aus einsehbar, da das vom Stadtrat vor Jahren beschlossene Dach weiter auf sich warten lässt. Auf der anderen Seite des Eises gibt es einen Hügel, da ist man näher dran am Geschehen auf dem Eis. Beides ist besser als ein Eishockeyspiel in einem Fußballstadion: Die Zuschauer sind viel zu weit weg vom Geschehen, das mag beim langsamen Fußball mit dem großen Ball ok sein, rasantes Eishockey und den kleinen Puck sieht man als Gast eines Wintergames vielleicht in den VIP-Logen auf dem Großbildfernseher, aber kaum als Fan in der Stehkurve oder auf einem eisigen Sitzplatz auf der Geraden.

Sicher, die FCA-Arena ist aus diesen Gründen die bessere Alternative als die Rosenau, die der Fernsehkommentator vorschlug. Auch besser als das Olympiastadion in München: Beide haben zusätzlich noch die Leichtathletik-Anlagen um den Rasen, man wäre also noch weiter entfernt.

Kälte, Schnee und Regen: Die Stimmungskiller bei Outdoor-Spielen

Das Stadion in Fröttmaning hat diesen Nachteil nicht, dafür ist es zu groß. Ein Wintergame dort vor einer zweitklassigen Löwen-Kulisse wäre keine Werbung für den Sport und die Clubs. Und um die Arena wie bei den Bayern vollzubekommen dürfen die Tickets nicht so teuer sein wie in Sinsheim, wo ca. 5000 Plätze nicht besetzt waren: Bei 29 Euro für den Stehplatz und stolzen 22 Euro für Kinder ab fünf Jahren wird sich der sparsame Schwabe zweimal überlegen ob er sich das antut - und dann wohl zuhause auf der warmen Couch Platz nehmen, mit toller Sicht aufs Eis. Die Telekom und Sport1 machen's möglich.

Hinzu kommen die möglichen widrigen Umstände für die Spieler. Augsburgs Fans erinnern sich an sibirische Kälte im Curt-Frenzel-Stadion, wer früher einmal in Füssen am Kobelhang oder im alten Stadion von Ravensburg war weiß, was ohne Dach immer möglich ist: Schneegestöber oder Regen, was ein Spiel fast unmöglich macht. Das haben kürzlich auch die Bakersfield Condors ind Ontario Reign beim AHL Winter Classic feststellen müssen, wo starker Regen für widrigste Umstände sorgte:

Mögliches Rahmenprogramm: Lokale Bands und bayerisches Traditionseishockey

Da müsste der österreichische Brausenhersteller schon tief in die Tasche greifen und das Event subventionieren. Mit Freikarten in der Münchner U-Bahn - wie es oft bei "normalen" EHC-Heimspielen gemacht wird - dürfte es da nicht getan sein. Für nen Fünfer - wegen der schlechten Sicht - könnte das funktionieren.

Sparen kann man woanders. Statt Scooter - die spielten vor dem WM-Spiel Deutschland gegen die USA auf Schalke und wurden ausgebuht - oder abgehalfterter Indierocker wie zuletzt die Guano Apes bieten sich als Vorprogramm kleinere Bands aus der Region an: Aus Augsburg die wiedervereinigten Hyde Parkas, da ist Gitarrist Dieter regelmäßiger Gast beim AEV. Vor zwanzig Jahren, als sie das Kerosin halb gefüllt haben, hätte ich aus München die Fußballfreunde Stiller vorgeschlagen. Mittlerweile rocken sie Stadien und wären als Band aus der Mitte (Fürstenfeldbruck) tatsächlich eine Überlegung wert. Ob die drei Fußballfans (2 x FCB, 1 x 1860) sich aber von verhassten Red Bull würden kaufen lassen?

Eine weitere Möglichkeit um andere Fans zu locken: Vorher ein DEL2-Spiel zwischen bayerischen Traditionsvereinen austragen. Rosenheim, Kaufbeuren und der SC Riessersee spielen dort aktuell, Füssen, Bad Tölz und Landshut vielleicht auch irgendwann mal wieder. Oder die Junioren aus der DNL tragen dort ein Spiel aus, oder die Alten Herren vom AEV und Hedos München - wie in der NHL, wo Größen wie Wayne Gretzky noch einmal die Schlittschuhe schnüren. Dort finden diese Alumni Games allerdings am Vortag statt und sind ein Highlight für sich.

Bis zum nächsten Wintergame sind es noch zwei Jahre, in denen viel Wasser den Lech und die Isar hinunterfließen wird. Oder den Rhein: Die Kölner Haie würden gern noch einmal draußen gegen Düsseldorf spielen und das Wintergame selbst ausrichten. Dann wären es vier Jahre bis zu einem Wintergame in Bayern - und wer weiß, ob es da den aktuellen Münchner Club überhaupt noch gibt. Die bisherigen Teams aus der Landeshauptstadt haben sich bekanntlich immer schnell wieder verabschiedet. Und wer draußen Eishockey spielen will, muss warten bis der Kuhsee zufriert...

Wintergame - warum nicht?, fragt hingegen ein anderer Kollege.
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