Kommentar zu Maulwurf-Marwin: Ein bisschen gemein darf sein

Durch seine Paraden und wohl auch durch seine Erdarbeiten brachte Marwin Hitz den FCA in Köln auf die Siegerstraße. Jetzt steht er im Mittelpunkt der Diskussionen. Foto: Archiv/Heinle

Marwin Hitz malträtiert einen Elfmeterpunkt und ein Land diskutiert darüber. Dass die Aktion des Augsburger Torhüters nun auch gesamtgesellschaftlich interpretiert wird, geht aber zu weit. Außerdem tut den Augsburgern ein bisschen Mut zum Gemeinsein durchaus gut. Ein Kommentar.

Nein, tugendhaft war es keinesfalls, dass sich Marwin Hitz in Köln als Strafraum-Maulwurf betätigte und den Elfmeterpunkt mit seinen Stollenschuhen aufwühlte. Fair sieht anders aus, das weiß Augsburgs Erdarbeiter mit der bemerkenswerten Unschuldsmimik selbst. Hitz, ein sympathischer und ruhiger Zeitgenosse, brachte so mutmaßlich Anthony Modeste zu Fall – während der den (unberechtigten) Strafstoß ausführte, den Hitz parierte.

Er habe noch nie einen Elfmeter gehalten und nachhelfen wollen, sagte Hitz zunächst schelmisch, um sich dann doch zu entschuldigen. Diskutiert wird nun trotzdem in Fußballdeutschland und darüber hinaus: Darf das sein?

Freilich ist es sportlich gesehen unterste Schublade. Ebenso wie Hosiners Schwalbe vor dem ominösen Elferpfiff oder Kohrs Abheben vor dem Siegtor. Auf gar keinen Fall ist so etwas gutzuheißen, doch im Abstiegskampf der Bundesliga darf man die Kiste mit den miesen Tricks durchaus einmal öffnen.

Als aktuelles Beispiel dient Ingolstadt, über das sich die Gladbacher nach einem schnöden 0:0 beschwerten, „die wollen gar nicht Fußball spielen“. Mit sogenanntem Trashtalk, dummes Geschwätz, und weiteren kleinen Gemeinheiten trieben die Schanzer-Giftzwerge die Fohlenelf 90 Minuten lang auf die Palme. Das eigene Fazit: Gegen uns soll es keinen Spaß machen. Auch Experten hoben die Daumen - toll, wie unangenehm der FCI für seine Gegner ist.

Und mal ehrlich: Wer hat noch nie nach einem taktischen Foul den Übel- und Wohltäter in Personalunion belobigt? Oder wer nach einem ergaunerten Elfmeter nicht gejubelt, als seine Mannschaft dadurch den Siegtreffer erzielte? Mätzchen, Scharmützel und kleine Gemeinheiten gehören doch irgendwie zum Fußball dazu.

Und dass in Augsburg ausgerechnet der selbst nach Niederlagen meist besonnene Hitz die Büchse der Tabellenkeller-Pandora öffnet, zeigt, wie giftig und gallig die Weinzierl-Mannschaft wieder geworden ist – bereit, alles reinzuwerfen, um in der Liga zu bleiben. Ein bisschen gemein darf auch der FCA mal sein. Und selbst wenn dadurch Sympathiepunkte purzeln – wenn in der kommenden Saison das sechste Jahr Bundesliga ansteht, wird man am Lech darüber hinwegsehen.

Der Zweck heiligt hier zwar nicht die Mittel und vorkommen sollte es lieber nicht mehr. Doch: Verletzt wurde niemand – außer der Sportsgeist, der sich während der Wühlerei wohl einen bösen Bänderriss zuzog. Wie jetzt moralapostelt und Fair-Play in der Gesellschaft hinterfragt wird, ist jedenfalls überzogen. Es ist nur Fußball und der Meistgeschädigte durch diese Grabenkämpfe im Abstiegsgerangel ist letztlich der Kölner Platzwart.

David Libossek
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Hans Meixner aus Diedorf | 09.12.2015 | 05:43  
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