Kommentar zur Schuster-Entlassung: Der FC Augsburg muss sich auch an die eigene Nase fassen

Bessere Zeiten: Dirk Schuster wird nach dem Sieg in Ingolstadt von Daniel Baier umarmt. (Foto: Klaus Rainer Krieger)

Der FC Augsburg überrascht mit der vorzeitigen Entlassung von seinem Trainer Dirk Schuster. Die Gründe sind zwar nachvollziehbar - weniger aber der Zeitpunkt. Auch muss sich der Verein an die eigene Nase fassen: Dass Schuster kein Tiki-Taka-Konzepttrainer ist, musste doch bereits bei seiner Verpflichtung klar gewesen sein.

Den Tweet des FC Augsburg, dass er sich von seinem Trainer Dirk Schuster trennt, mussten wohl mehrere Betrachter mindestens drei Mal lesen. Das Seltsamste an der Freistellung ist zweifelsohne der Zeitpunkt. In nicht einmal einer Woche hätte sich der FCA in die Winterpause verabschiedet.

Dass der Nachfolger Schusters, Manuel Baum, in den beiden verbleibenden Partien der Mannschaft ein komplett neues spielerisches Konzept überstülpen wird, ist freilich nicht zu erwarten - aber er solle Stefan Reuter zufolge die Begeisterung zurückbringen.

Vieles nährt die Theorie, dass es beim FC Augsburg intern gekracht hat

Aber war das nun wirklich so dringend notwendig, dass der Verein nicht einmal sechs Tage hätte warten können? War die Panik vor der Partie gegen den Vorletzten der Auswärtstabelle, Borussia Mönchengladbach (ein Punkt), wirklich so enorm? Auch wenn Reuter darauf nicht näher einging, nährt doch vieles die Theorie, dass es intern ganz schön gekracht haben muss.

Schuster jedenfalls hatte mit der Mannschaft immerhin ordentliche 14 Punkte gesammelt und zuletzt mit einer arg lädierten Elf den Überfliegern aus Frankfurt, Berlin und Köln Punkte abgetrotzt - wenn auch auf keine fußballerisch filigrane Art. Auch nach der Niederlage in Hamburg deutete nichts auf eine Trennung hin. Zumal der FC Augsburg nicht für panische Schnellschuss-Trainerentlassungen bekannt ist – Stefan Reuter hielt ja sogar an Markus Weinzierl fest, nachdem der mit seiner Elf in der Hinrunde lediglich neun Punkte geholt hatte.

Der FCA muss sich nach der Schuster-Entlassung auch an die eigene Nase fassen

Ob es nun intern gekracht hat oder nicht: Dass der Verein grundlegende Differenzen über die Art des Augsburger Fußballspiels als Argument anführt, kommt dabei sehr krumm daher. Und zeigt, dass in der Kommunikation und Herangehensweise an die jetzige Spielzeit und darüber hinaus Grundlegendes schief gelaufen sein muss.

Es war von Beginn an klar, dass Schuster, der in Darmstadt bereits den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken ließ, dem FCA keinen flotten Konzeptfußball, atemberaubendes Gegenpressing und schon gar kein Tiki-Taka verschreiben würde. Der Verein hat für die Weinzierl-Nachfolge eben die solide Variante gewählt. Sieht man einmal davon ab, dass der Klub sogar eine Ablösesumme für die damalige "Wunschlösung" aufbrachte. Derart überzeugt war man vom Schuster-Fußball.

Wobei man in diesem Zuge durchaus auch die Kaderplanung mit nur einer echten Sturmspitze und keinem wirklichen Tempofußballer auf den Außen hinterfragen muss; an der war Schuster allerdings mit beteiligt.

Der Unterschied zu Weinzierl: Schusters Schildkrötentaktik war nicht zukunftsfähig

Vielleicht erstaunte es letztlich aber sogar die Verantwortlichen, dass Schuster seinen Sicherheit-um-jeden-Preis-Fußball derart durchziehen würde. Schließlich hatte Weinzierl dem FCA zuvor ein flinkes Umschaltspiel über die Flügel beigebracht. Vielleicht der größte Unterschied zum Festhalten am Nur-Neun-Punkte-Weinzierl: Der jetzige Schalke-Trainer vertrat eine klare, auf lange Sicht stilbildende Spielidee. Schusters Schildkrötentaktik – bei Gefahr mit einer Sechserkette den Kopf einziehen und nur zaghaft wieder herauskommen – geriet langsam zum Ärgernis; auch wenn es ob der vielen Verletzten vielleicht kaum eine Alternative dazu gab.

Doch einerseits verließ seine Elf auch gegen Hamburg mit einem Mann Überzahl ihren Panzer nicht und auch ein Punktgewinn bleib aus. Andererseits mangelte es der Offensive des FC Augsburg bereits in weit besserer Besetzung an Ideen und Zug nach vorne. Und einmal auf lange Sicht gedacht: Die biedere Schildkröte war ganz und gar nicht zukunftsfähig. Das lässt die Trennung freilich nachvollziehbar erscheinen, man hätte das aber schon vor der Saison wissen müssen.


Im Stil des HSV: FC Augsburg schüttelt den Schatten der Grauen Maus ab

Stichwort Zukunft: Eines hat der FCA an diesem Mittwoch auf jeden Fall abgewendet: Die Gefahr, eine graue Maus der Bundesliga zu werden. Die ist alleine mit der Schuster-Entlassung im HSV-Stil erstmal passé.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.