Leichtfüßige Dortmunder tanzen schwerfälligen FCA aus

Am Boden: Daniel Baier und der FC Augsburg unterlagen in Dortmund 1:5. (Foto: Heinle)

Der FC Augsburg hat nach dem Euro-Erfolg in Alkmaar einen schwarzen Sonntag in Dortmund erlebt. 1:5 unterlag die Weinzierl-Elf dem BVB. Zwar steigerte der FCA nach der Pause seine Leistung - gegen die rasend schnellen Dortmunder reichte das jedoch nicht.

"Heute lassen wir die Puppen tanzen", orakelte ein Plakat in der Dortmunder Kurve. Die Schwarz auf Gelb gedruckte Prophezeiung bewahrheitete sich für den FC Augsburg auf schmerzhafte Art und Weise. Das Selbstvertrauen, das sich die Weinzierl-Elf durch den 1:0-Erfolg in Alkmaar aufgebaut hatte, wurde davongeschwemmt von einer gelben Welle.

Der Plan des FC Augsburg, der direkt aus den Niederlanden nach Dortmund gereist war: hinten die Schleusen dicht machen und mit Diagonalbällen schnell hinter die Verteidigungslinie der Gastgeber zu gelangen. Vorne versuchten Raul Bobadilla und Ja-Cheol Koo gezielt, den Aufbau der Dortmunder zu stören.

Der leidvolle Puppentanz beginnt in Minute 18


Die erste Sturm- und Drangphase des BVB überstand der FC Augsburg dann auch schadlos. Just, als der FCA die Dortmunder in den Griff zu bekommen schien, begann der leidvolle Puppentanz, den die Augsburger eine Viertelstunde lang über sich ergehen lassen mussten.

Es lief die 18. Minute, die Abwehr der Augsburger hatte sich gerade wieder formiert. Da spielten sich Matthias Ginter, Gonzalo Castro und Ilkay Gündogan fein über die rechte Angriffsseite durch und in der Mitte profitierte der frei einschiebende Pierre-Emerick Aubameyang von einer präzisen Hereingabe. Das 1:0. Die Augsburger hingen jetzt an den Fäden des BVB.

Kagawa tanzt mit Callsen-Bracker: 2:0 für den BVB


Shinji Kagawa drehte Jan-Ingwer Callsen-Bracker ein. Kagawa leichtfüßig, Callsen-Bracker schwerfällig. Duelle wie dieses gehörten sicherlich nicht zum Plan von Markus Weinzierl. Dortmunds Japaner flitzte in den Strafraum, bediente Reus, der zwischen Ragnar Klavan und Markus Feulner völlig frei aus kurzer Distanz gegen Marwin Hitz zum 2:0 einschob.

Der bemitleidenswerte Augsburger Torsteher - am Donnerstag noch Euro-Held des FCA - parierte dann immerhin gekonnt gegen ein platziertes Gündogan-Geschoss (28. Minute).

Callsen-Brackers Albtraumszenario - BVB drosselt das Tempo


Doch nur fünf Minuten später versuchte Dominik Kohr den startenden Alexander Esswein ins Spiel zu bringen. Sein Pass wurde jedoch abgefangen - und Callsen-Brackers Schreckgespenst tauchte erneut neben ihm in der Augsburger Box auf. Es muss ein albtraumhaftes Szenario für den Abwehrrecken gewesen sein, als Kagawa den Ball auf engstem Raum mit der Hacke zurücklegte. Dort tauchte wieder Reus auf, vergeblich verfolgt von Daniel Baier - das 0:3 aus Augsburger Sicht (33).

Zu diesem Zeitpunkt hatte man Schlimmstes befürchten müssen für den FC Augsburg. Doch die ebenfalls Europa League-gebeutelten Dortmunder bremsten sich nun selbst und ließen die hilflosen Augsburger vom Faden. So hatte gar Bobadilla, der in der Augsburger Offensive zu oft den Einzelkämpfer geben musste, eine aussichtsreiche Möglichkeit. Dortmunds Roman Bürki verkürzte den Winkel allerdings geschickt, die Chance verpuffte.

Die gute Nachricht: Jan Moravek ist zurück


Ein Erfolgserlebnis vor der Pause feierte immerhin Feulner, der dem einschussbereiten Aubameyang den Doppelpack in Halbzeit eins verwährte. Ein glücklicher Moment war hingegen Esswein an diesem späten Nachmittag nicht mehr vergönnt. Der völlig abgemeldete Flügelflitzer - sieben Ballkontakte sprechen für sich - musste für Werner weichen.

Die beste Nachricht für den FC Augsburg an diesem gebrauchten Tag wurde ebenfalls während der Halbzeit geschrieben: Jan Moravek kehrte nach gefühlt endloser Verletzungspause zurück auf den Rasen.

Augsburg überrascht den BVB


Mit ihm begann die schwungvollste Augsburger Phase der Partie. Der BVB wirkte überrascht, dass sich die scheinbar erlegte Beute plötzlich wehrte. Die Weinzierl-Elf fuhr sogar richtig die Krallen aus. Sie presste mit Verve gegen Dortmunds Spieleröffnung - allen voran der neben Hitz beste Augsburger in Durchgang eins, Ja-Cheol Koo.

Die Belohnung: Bobadilla verlängerte mit seiner Irokesen-Frisur einen Werner-Freistoß zum 1:3 ins Dortmunder Tor. Der FCA präsentierte sich nun engagiert. Philipp Max, in Halbzeit eins bereits bemüht, brach mehrmals auf seiner linken Seite durch. Die Flanken des jungen Außenverteidigers verpufften jedoch, genau wie allmählich der kräftezehrende Schwung des FCA.

Die letzte gefährliche Szene des Augsburger Anrennens: Ein feiner Doppelpass von Kohr und Moravek an dessen Ende Bobadilla den Ball gen Dortmunder Innenstadt jagte. Dortmund bekam die Fäden nun wieder zu fassen und somit die Kontrolle zurück.

Der BVB bittet noch einmal zum Tanz


Und das Team von Thomas Tuchel hatte den längeren Atem. Rettete Hitz noch sensationell gegen Aubameyang (80.), schickte sich der BVB an, seine Gäste noch einmal zum Tanz zu bitten. Am Jubel des Dortmunder Publikums, als Aubameyang einen Adrian-Ramos-Schuss in Klavans Rücken zum 4:1 über die Linie drückte, war zwar deutlich zu vernehmen, wie sehr der zur Halbzeit bereits geschlagene FCA die Heimelf noch gefordert hatte: Dafür gibt es jedoch nur moralische Punkte.

Und die verringerten sich noch einmal, als Kagawa im FCA-Sechzehner die Hüften schwang und mit einem Haken die gesamte Defensive ausknockte. Profiteur der Solo-Nummer: Aubameyang, der sich gegen den ansonsten ordentlich agierenden Klavan durchsetzte und zum 5:1 vollendete.

In Freiburg an die 15 guten Minuten anknüpfen


Auf den FC Augsburg wartet nun Zweitligist Freiburg im DFB-Pokal. Die erste Viertelstunde nach der Pause sollte Mut machen. Darauf aufbauend, muss Weinzierl nun versuchen, den Blues nach dem 1:5 gegen den Dortmunder Rock'n'Roll-Fußball aus den Köpfen zu bekommen. Um das Selbstbewusstsein zu generieren, dass die Mannschaft braucht, um beim sicherlich heißen Pokal-Tanz in Freiburg wieder selbst die Führungsrolle einzunehmen.

David Libossek
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