Lukas Fettinger: "Ich war schon sehr überrascht"

Lukas Fettinger, der Sportler des Jahres, spircht im Interview über seine vielen Erfolge in der vergangenen Saison, sein DJ-Projekt und die Frage, warum er lieber Skaterhockey spielt als Eishockey.

Seit Jahren führt Lukas Fettinger die Scorerlisten im deutschen Skaterhockey an, gewann in dieser Sportart alles, was es zu gewinnen gibt: Er ist Deutscher Meister mit der Jugend, den Junioren und den Herren, Pokalsieger und Europacup-Sieger mit dem TVA, Europameister mit Deutschlands Jugend, Junioren und der Herren-Nationalmannschaft. In der Saison 2014 stellte er einen neuen persönlichen Rekord auf: Mit 74 Toren und 36 Assists verbuchte er insgesamt 110 Punkte, gewann den Europacup mit dem TVA und wurde mit Deutschland Europameister - und wurde zu Augsburgs "Sportler des Jahres" gewählt.

StadtZeitung: Glückwunsch zur Wahl zu Augsburgs "Sportler des Jahres". Hast Du damit gerechnet, vor den vielen anderen, die mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, wie Fußballer, Eishockeyspieler oder Kanuten?

Lukas Fettinger: Nein, natürlich nicht. Sonst werden da Kanuten und Fußballer gewählt, selten auch ein Eishockeyspieler. Ich hab's am Vortag der Ehrung erfahren und war schon sehr überrascht.

StaZ: Die Begründung der Jury, warum die Wahl auf Dich fiel: "Er wurde Top-Torjäger und Top-Scorer der Bundesliga, außerdem wurde er Europapokalsieger und deutscher Vizemeister mit dem TVA sowie Europameister mit der Nationalmannschaft" - über welchen Titel hast Du Dich am meisten gefreut?

Fettinger: Über den Europapokal-Sieg! Dass wir den Erfolg mit dem TVA wiederholen konnten, mit meinem Team, dem TVA. Sicher war auch der Europameistertitel toll, aber eben nur mit ein paar von "meinen Jungs". Dass wir nur Vizemeister wurden wurmt mich immer noch ein bisschen.

StaZ: Unseren zweiten Glückwunsch darfst Du an Dein Team weiterleiten, der TVA landete ja bei der Sportlerwahl auf Platz 3. Was müsste Deiner Meinung nach passieren, dass Ihr einmal nach ganz oben gewählt werdet? Silber und Bronze gab's in den letzten Jahren schon.

Fettinger: Da müsste viel zusammenkommen: Erstens müssten wir alles gewinnen, und zusätzlich der FCA absteigen und der AEV so spielen wie in der letzten Saison.

StaZ: Kurz noch was zur letzten Saison, beziehungsweise zum entscheidenden dritten Finale in Köln. Kannst Du Dir zwei Monate danach erklären, was im ersten Drittel los war? Und wieso wart Ihr in Vorrunde nicht so erfolgreich wie in den vergangenen Jahren? Ihr wart "nur" Fünfter - was habt Ihr vor dieses Jahr anders, besser zu machen?

Fettinger: Das dritte Finalspiel habe ich fast schon verdrängt. Wir sind absolut mies gestartet, erster Angriff der Kölner, und es hieß 0:1, nach 20 Minuten 0:4 - gegen ein Spitzenteam wie die Rheinos holst Du so etwas nicht mehr auf. Die Punkte für eine bessere Platzierung haben wir gegen die vermeintlich schwächeren Teams abgegeben, wie gegen Atting, Essen und Bissenheim. Diese Saison wollen wir schon in der Hauptrunde immer konzentriert spielen, um in den Playoffs Heimvorteil zu haben. Zuhause spielt es sich einfach viel leichter als in der Kölner Mehrzweckhalle.

StaZ: Was machst Du eigentlich sonst so, vom Skaterhockey kann man ja mutmaßlich nicht leben, nehme ich an. Auch nicht, wenn man so erfolgreich ist wie Du.

Fettinger: Nein, reich wird man da nicht. Ich studiere Lehramt und arbeite neben dem Studium an einer Schule. Außerdem lege ich Dubstep und drum'n'bass auf, bei "We love Bass".

StaZ: Ein paar Worte zum Eishockey: Du bist AEV-Fan, hast dort auch im Nachwuchs gespielt - wie kam es dazu, dass Du Dich fürs Skaterhockey entschieden hast? Und hast Du noch etwas mit Eishockey am Hut, neben dem Besuch der AEV-Spiele?

Fettinger: Diesen Winter gab es einen fließenden Übergang: Direkt nach dem Skaterhockey-Finale spielte ich für den ESV Königsbrunn, und dort war die Saison rechtzeitig zur Skaterhockey-Saison vorbei. Wobei mit der orangene Ball lieber ist als der schwarze Puck. Das war früher anders, aber irgendwann musste ich mich entscheiden - und blieb beim Skaterhockey. Im Nachwuchs des AEV habe ich mit ein paar aktuellen DEL-Spieler zusammengespielt: Jerome Flaake (Hamburg), Patrick Buzas und Alexander Oblinger (Nürnberg), aber die meisten von damals spielen jetzt unterklassig oder haben komplett aufgehört. Deshalb bin ich froh, mit dem TVA Erfolge feiern zu können.

StaZ: Bei Euren Spielen in der TVA-Arena fallen immer wieder Rastas mit Bongos auf, die ganz gern in Fettinger-Trikots für Stimmung sorgen. Wie kommt es denn dazu?

Fettinger: Das sind Freunde, mit denen mein Bruder als Kind auf der Straße gezockt hat - und irgendwann haben sie mich mitspielen lassen. Ehrlich: Ohne die wäre ich nicht hier, und auch den DJ Irie-Lu gäbe es wahrscheinlich nicht.

StaZ: Letztes Jahr hast Du mit Benjamin Becherer das Bambini-Training beim TVA geleitet. Hat's Spaß gemacht, und wirst Du den Job fortsetzen?

Fettinger: Spaß hat es uns beiden gemacht, aber leider klappt das zeitlich nicht mehr.
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