Markus Weinzierl war mehr als irgendein Trainer - Ein FCA-Fan blickt zurück

Bodenständiger Fußballlehrer: Markus Weinzierl vor seinem wohl größten Spiel mit dem FC Augsburg - dem, an der Anfield Road gegen den FC Liverpool. (Foto: Martin Augsburger)
 
Markus Weinzierl prägte in Augsburg eine fußballerische Ära (Foto: Archiv)
Ganz ehrlich, überschwängliche Euphorie löste die Vorstellung von Markus Weinzierl als neuer FCA-Trainer 2012 nicht aus. Viel mehr stieß der Neue aus Regensburg in der Augsburger Fangemeinde auf eine gehörige Portion Skepsis. Dieser junge, weitgehend unbekannte Trainernovize, sollte unseren Klub, der im Vorjahr nur knapp die Klasse gehalten hatte, nun also in die Zukunft führen?

Nur neun Punkte in Weinzierls erster Halbserie als Bundesligatrainer schienen die Kritiker zu bestätigen. Gedanklich hatten viele das Kapitel Markus Weinzierl zu diesem Zeitpunkt bereits wieder geschlossen. Nicht jedoch Stefan Reuter, der in der Winterpause als neuer Manager berufen wurde und am Trainer festhielt. Ein starkes Zeichen im Abstiegskampf, das allerdings im eigenen Anhang viel Kopfschütteln hervorrief.

Das Vertrauen sollte sich jedoch auszahlen: Am letzten Spieltag sicherte sich der FCA den rettenden 15. Tabellenplatz. Die Kritik am Trainer war mittlerweile verstummt. Weinzierl erreichte nach den Startschwierigkeiten, nicht nur sportlichen Erfolg, sondern auch die Anerkennung der Fans.

Weinzierl begann, das Team nach seinen Wünschen zu formen und schraubte an den Details der neuen, seiner ganz eigenen Spielidee. Aggressives Mittelfeld-Pressing und schnelles Umschaltspiel durch die Flügelspieler um Urgestein Tobias Werner und Shootingstar André Hahn bescherte den Fans eine schier unfassbare Saison. Kaum zu glauben: Unser FCA stand am Ende der Saison auf Tabellenplatz acht. Bundesweit staunten Fußballfans über unsere Elf, und Weinzierl wurde als Trainer des Jahres ausgezeichnet.

Für uns Fans war er da bereits mehr als nur irgendein Trainer. Weinzierl verkörperte durch sein bescheidenes, aber immer kämpferisches Auftreten die Grundprinzipien des Vereins. Hätte man die Fans gefragt, wohl kaum einer hätte einem Guardiola, Mourinho oder Ancelotti den Vorzug gegenüber dem bodenständigen Weinzierl gegeben.

Dabei sollte sein eigenes kleines Meisterstück in Augsburg erst noch folgen: 2015 führte er die Mannschaft mit dem drittniedrigsten Etat der Bundesliga direkt in die Europa League. Der Erfolg der Mannschaft dabei immer eng verknüpft mit dem mittlerweile umworbenen Trainertalent. Dass sich Weinzierl trotz Interesse anderer Vereine dafür entschied, seinen Vertrag in Augsburg zu verlängern, war nicht nur ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz, sondern bescherte ihm endgültig Legendenstatus im eigenen Anhang.

Weinzierl wollte mit seinem Team ernten, was er gesät hatte. Und so begann der historische Streifzug des FC Augsburg durch Europa, der Fans und Mannschaft unvergessliche Fußballfeste bescheren sollte. Dass es zeitgleich in der Liga nicht immer ganz nach Plan lief, geriet dabei gerne ein wenig in den Hintergrund. Doch selbst als der FCA zwischenzeitlich gar den letzten Tabellenplatz belegte, war da dieses Vertrauen, dass mit diesem Trainer am Ende doch wieder alles gut wird.

Mit diesem Rückhalt meisterte der FC Augsburg die Mission Klassenerhalt aufs Neue und landete am Schluss auf Platz zehn. Der sich in der Schlussphase der Saison immer stärker andeutende Abschied Weinzierls war zwar ein ungeliebtes Störfeuer und doch bleiben am Ende Dankbarkeit und Stolz, einen solchen Trainerexperten in Augsburg erlebt zu haben. Schade, dass Weinzierl nicht gebührend in der Arena verabschiedet wurde.

Doch wo einerseits Wehmut herrscht, beginnt bereits die Vorfreude auf die Zeit unter Dirk Schuster.

Heiko Löbhard, schreibt als freier Autor für die StadtZeitung. Als er 2009 ein Zweitligaspiel des FCA im Stadion besuchte, verlor er sein Fußballherz an Rot-Grün-Weiß.
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