Marwin Hitz im Interview: "Es macht Spaß, hier zu sein"

Marwin Hitz (26) hat ein starkes erstes Jahr beim FCA hinter sich. Wir trafen einen - trotz verpasster WM-Teilnahme - entspannten Augsburger Torhüter. "Das ist mein normaler Zustand", ließ er wissen und sprach mit uns über das Vatersein, den Anruf von Ottmar Hitzfeld, Gerüchte um einen Wechsel nach Basel und das vielleicht kurioseste Eigentor der Saison.

StaZ: War 2014 das Jahr des Marwin Hitz?
Marwin Hitz: Ich denke, ohne meine Verletzung wäre es eine gute Rückrunde gewesen. Gerade, weil wir als Mannschaft gut funktioniert haben. Wenn jemand ausgefallen ist, haben wir das gut kompensiert.

StaZ: Sie haben aber auch privat großen Erfolg gehabt. Im April haben Sie Ihre Freundin Patricia geheiratet, im Mai kam Sohn Matteo zur Welt.
Hitz: Es war natürlich ein sehr spezielles Jahr, sehr intensiv. Die Hochzeit war lange geplant, jetzt ist alles ausgeführt worden. Das war sehr schön.

StaZ: Sie sind nicht im Schweizer Aufgebot für die Weltmeisterschaft. Wie groß ist der Zwiespalt zwischen sportlicher Enttäuschung und privater Freude, Zeit für die Familie zu haben?
Hitz: Natürlich bin ich enttäuscht, ich hätte schon damit gerechnet, aufgrund meiner Leistungen mindestens als Nummer Drei mitfahren zu können. Aber klar, jedes Mal, wenn ich meine Frau und meinen Sohn sehe, ist die Enttäuschung weg, weil ich die Zeit jetzt mit ihnen verbringen kann. So kann ich viel besser in meine neue Rolle reinwachsen. Man kriegt zwar automatisch den Instinkt, aber man muss es schon auch lernen. Es ist eine interessante Phase und wir werden jeden Tag besser. Meine Frau hat sich schon ein bisschen gefreut, dass ich hier bleibe (lacht).

StaZ: Wenig Schlaf zur Zeit?
Hitz: Ach, ich war eh nie der Typ, der lange ausschlafen kann, habe eher einen unruhigen Schlaf. Jetzt ist er zwar noch unruhiger, aber das hat etwas Schönes. Den großen Teil nimmt mir natürlich meine Frau ab, die das schon sehr sehr gut macht. Ich kann viel lernen von ihr.

StaZ: Wie haben Sie erfahren, dass Sie in Brasilien nicht dabei sein werden?
Hitz: Ottmar Hitzfeld (Nationaltrainer der Schweiz, Anm. d. Red. ) hat mich angerufen. Dann hat er mich eigentlich nur gelobt und auch den Verein gelobt, dass Augsburg die richtige Entscheidung war. Dann hat er aber gesagt, dass ich nur auf Abruf bin. Er hat gesagt, dass ich in den vergangenen Jahren wenig gespielt habe. Wenn es eine Begründung gibt, dann vielleicht die.

StaZ: Sie haben Ihre Bauchmuskelverletzung bereits angesprochen. Nach der Rückkehr waren Sie sofort wieder die Nummer Eins. Wie ist Ihr Verhältnis zu Markus Weinzierl? Spüren Sie ein besonderes Vertrauen?
Hitz: Ja, ich spüre dieses Vertrauen. Gerade weil ich mit dieser komplizierten Verletzung lange ausgefallen bin. Ich denke, dass ich mittlerweile ein gutes Verhältnis zum Trainer habe, dass er weiß, dass er auf mich zählen kann. Schließlich bin ich ja auch zwei Mal in einer schwierigen Situation reingekommen. Erst nach den beiden Auftaktniederlagen, dann nach fünf sieglosen Partien in Folge.

StaZ: Sie sagen "mittlerweile" ein gutes Verhältnis zum Trainer?
Hitz: (lacht) So war das nicht gemeint. Man kann ja nie sagen, wenn man irgendwo neu ist, dass man gleich ein gutes Verhältnis hat. So etwas baut sich von Tag zu Tag auf, durch das, was man gemeinsam erlebt. Man muss sich das Vertrauen erarbeiten und ich denke, dass das jetzt ganz gut geklappt hat.

StaZ: Ist es anders, in Augsburg neu in die Mannschaft zu kommen als etwa bei Ihrem vorigen Verein Wolfsburg?
Hitz: Die Ausgangslage war ja eine andere. Dort wusste ich, dass ich die Nummer Zwei bin und dass es fünf schlechte Spiele von Diego Begnalio brauchte und drei überragende von mir, um daran zu rütteln. Hier konnte ich mich durch die Trainingsleistung empfehlen. Ich wusste aber auch, dass Alex (Mannninger, Anm. d. Red. ) eine super Rückrunde gespielt hatte und wir ohne ihn wohl nicht mehr in der ersten Liga angetreten wären. Aber ich musste es jetzt mal richtig probieren, ich kann mich nicht immer unterordnen. Das kann ich nämlich gut - und das war vielleicht in Wolfsburg mein Problem. Da heißt es dann schnell, dass es am letzten Biss fehlt.

StaZ: Sich unterordnen zu können wäre aber eine gute Eigenschaft für eine Nummer Drei bei der WM gewesen.
Hitz: (lacht) Ich denke vom Charakter her hätte man mich sicher gut mitnehmen können.

StaZ: Wie verstehen Sie sich mit Alexander Manninger?
Hitz: Sehr gut. Klar, ist die Situation komisch, wenn ein neuer Torwart kommt. Aber ich glaube, wir beide haben das Beste draus gemacht und ich respektiere ihn sehr. Seine Einstellung und seine Fitness sind unglaublich, da kann ich mir viel abschauen.

StaZ: Er ist ja auch ein Typ, der sich in London und Turin unterzuordnen wusste.
Hitz: Sieht fast so aus. Da treffen sich zwei, die sich gut verstehen. Er hat schon viel gesehen, man kann ihm einige Fragen stellen. Das ist sehr interessant.

StaZ: Sie haben mit Wolfsburg gegen Villareal und Kazan ja auch schon vier Mal international gespielt. Mussten Sie den Kollegen davon erzählen?
Hitz: Nein, wir haben in der Mannschaft wenig über Europa gesprochen, eher von Spiel zu Spiel gedacht. Ich war aber ehrlich gesagt schon ziemlich enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Man hatte am Samstag im Stadion irgendwie nichts zu feiern, obwohl es natürlich eine Riesensaison war und wir das zu schätzen wissen. Der letzte Kick hat aber gefehlt. Dennoch sind wir zufrieden und wissen, dass die Saison schwer zu wiederholen sein wird. . .

StaZ: . . .höhere Erwartungen, keine überraschten Gegner mehr. . .
Hitz: . . .die Gegner wussten schon in der Rückrunde, was auf sie zukommt. Es war nicht mehr so, dass die uns ausgelacht haben, wenn wir ins Stadion kamen. Auch unsere Fans wissen, mit welchen Mitteln hier gearbeitet wird. Das macht die Stimmung hier aus: Die Zuschauer sind positiv, tragen so zur Entwicklung der Spieler bei. Das hat uns sehr geholfen.

StaZ: Sie haben in dieser Saison Riesenspiele gemacht. Und dann war da trotzdem eine andere Szene, die sich im Internet verbreitete. Das Eigentor in Mainz, bei dem Ihnen Matthias Ostrzolek ins Gesicht geschossen hat.
Hitz: Ich konnte ja nicht weg (lacht). Und dann lag ich da auf dem Rücken und dachte, scheiße, ich habe ein Tor gemacht. Wichtig ist, dass man sich von so etwas nicht beirren lässt. Leider war es das direkte Duell mit Mainz.

StaZ: Stichwort Ostrzolek: Wie nehmen Sie die Transfergerüchte um ihn oder Kevin Vogt wahr?
Hitz: Ich lese eigentlich wenig Zeitung, aber klar kriegt man das mit. Wenn ein Spieler uns verlassen will oder muss, aus welchem Grund auch immer, dann ist das halt so. Das ist ja genau unsere Stärke, auch vergangenes Jahr wurden Abgänge super kompensiert. Gerüchte gibt es immer, auch um mich.

StaZ: Der FC Basel soll Sie als Nachfolger für Yann Sommer auserkoren haben.
Hitz: Ich habe davon nie was gehört, mich nie damit beschäftigt. Die Fans müssen sich keine Sorgen machen. Ich bin ja gerade mal ein Jahr hier. In Wolfsburg habe ich als einer von fünf Spielern fünf Jahre überlebt. Ich bin geblieben, obwohl ich früher die Möglichkeit hatte, wohin zu gehen, wo ich spielen kann. Augsburg war mir dann sofort sympathisch. Der Anfang hier war aber schwer. Man weiß, worum es hier geht. Man verzichtet auf Freunde in Wolfsburg, meine Frau musste ihren Job aufgeben. Sie hat mir aber sehr geholfen.

StaZ: Können Sie sich vorstellen, in Augsburg mit Ihrer Familie sesshaft zu werden?
Hitz: Es wäre für mich schön, sehr lange hier zu bleiben. Leider kann man das im Fußball schwer planen. Würde mir aber jemand sagen, Du bist jetzt noch fünf Jahre hier, ihr spielt guten Fußball, die Fans sind zufrieden, würde ich das natürlich unterschreiben. In Augsburg gibt es so viele schöne Ecken, die Leute sind freundlich. Es macht Spaß, hier zu sein.
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