Philipp Max im Porträt: "Ein Typ wie Sascha Mölders"

Er will sich über den FC Augsburg in der Bundesliga etablieren: Philipp Max. Foto: Klaus Rainer Krieger

FCA-Neuzugang und Linksverteidiger Philipp Max ist Sohn eines Kultstürmers, lief in der Jugend als Angreifer auf und hat eine Minute Revierderby-Erfahrung.

Draußen, vor dem Presseeingang der Augsburger Arena, vernimmt man ein zartes Zwitschern. Ab und zu huscht ein schwarzer Schatten vorbei und schießt in die Lücke zwischen einem grauen Betonpfeiler und der Decke. Sieht man genau hin, entdeckt man ein paar hinausragende Strohhalme. Ein geschütztes Plätzchen für ein Schwalbennest.

So ein sicheres Nest bietet auch der FC Augsburg. Ruhe im Umfeld, kleine Ziele und in Markus Weinzierl einen fachkundigen Ziehvater. Ideale Voraussetzungen, um erwachsen zu werden. Das sieht auch Philipp Max so. Nach zähen Verhandlungen mit dem Karlsruher Sportclub ist er nach Piotr Trochowski der zweite echte Neuzugang des FC Augsburg. 3,8 Millionen Euro ließ sich der Verein den aufstrebenden Linksverteidiger kosten.

21 Jahre ist Max jung. Und er hat im Transfersommer keinen Hehl daraus gemacht, dass er im Profifußball-Idyll am Lech seine nächsten Karriere-Schritte wagen möchte. "Ich bin froh, dass ich hier bin", sagt er. Hier, das ist im Moment ein Platz auf dem Podium neben Trainer Markus Weinzierl. Max wirkt unaufgeregt und auf eine ehrliche Art sympathisch. Der Typ Mensch, dem man nach zehn Minuten ohne Bedenken sein Auto leihen würde. Auch, dass die erste Frage während der Pressekonferenz in Richtung Markus Weinzierl abzielt und "Was ist mit Baba?" lautet, wirft Max nicht aus der Bahn.

Er hat seine Hände zusammengefaltet und sie zwischen sich und dem Mikrofon auf dem Tisch abgelegt. Gerade, selbstbewusste Körperhaltung und klare Worte. "Ich möchte Teil des Gesamtpakets Augsburg sein", gibt der junge Mann mit den kurzen blonden Haaren kernig zu Protokoll.

Auf Bayern müsse er sich nicht umstellen, sagt er, schließlich habe er elf Jahre seines Lebens in München verbracht. Ab 1999 stürmte sein Papa Martin für die Sechzger. Philipp Max selbst ist ein Millennium-Kicker. Im Jahr 2000 schloss er sich seinem ersten Verein, dem SC Baldham, an. Sieben Jahre später fand er sich in der Nachwuchsauswahl des TSV 1860 wieder, wechselte anschließend für zwei Jahre in den Jugendbereich des FC Bayern, um sich schließlich 2010 der U 19 des FC Schalke 04 anzuschließen, als seine Familie von München nach Haltern am See zog.

Zurück dahin, wo er 1993 geboren und aufgewachsen ist - zurück in den Ruhrpott und der Wurzel seiner Mentalität. "Ich bin vom Typ her eher Sascha Mölders", beschreibt sich Max und lacht. Locker, unkompliziert, echt - ein Pöhler aus dem Kohlenpott. In der Gelsenkirchener Knappenschmiede entwickelte er sich zum Leistungsträger - allerdings nicht links hinten, sondern im Sturmzentrum. 15 Tore und fünf Vorlagen steuerte er zur A-Jugendmeisterschaft der Königsblauen Jungspunde bei.

Doch Max sieht sich eher in der Rolle des Außenverteidigers. Er verfügt über ein "gutes Stellungsspiel, gutes Defensivzweikampfverhalten, gutes Offensivspiel", attestierte ihm einst Papa Martin in einem Interview. Dennoch reichte es später nur für zwei Mini-Einsätze für die Schalker Profis - einer davon immerhin eine Minute im Derby gegen Dortmund.

Somit zog es Philipp Max nach Baden. Nach zwei zunächst schwachen Leistungen gegen Ingolstadt und Sandhausen etablierte er sich in der 15. Runde gegen Darmstadt auf der linken Seite und beackerte diese den gesamten Rest der Saison - immer über die vollen 90 Minuten - so akkurat, dass er schließlich die Verantwortlichen des FC Augsburg endgültig überzeugte.

"Papa riet mir zum FCA"

Die hatten ihn seit einem Testspiel gegen den KSC im vergangenen Juli auf dem Zettel. "Er hat eine tolle Entwicklung hingelegt", lobte Weinzierl. In der Relegation gegen Hamburg habe er dann bewiesen, dass er auf Bundesliganiveau mithalten kann. Und das wollte der 21-Jährige untermauern - und zwar unbedingt beim FCA. Auch weil sein Vater "mir zu dem Schritt geraten hat", erzählt Max.

Ob nun als Baba-Nachfolger oder Back-Up ist Max egal. Er selbst wolle sich jedenfalls "nicht darauf einlassen", die Posse um den Ghanaer zu kommentieren. "Das wäre nicht sehr clever", findet er. Sollte Baba jedoch bleiben, ist Max bereit. "Mit Konkurrenzkampf habe ich kein Problem", sagt er. Manchmal muss man eben auch im geschütztesten Nest die Ellbogen ausfahren.

Von David Libossek
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